Evaluation von Lehre und Studium

Praxistaugliche Verfahren zur Evaluation
von Lehre und Studium

am 29. September 2017 an der Technischen Universität Braunschweig

Erfahrungen mit der Evaluation von Studium und Lehre seit den 2000er Jahren haben gezeigt, dass Evaluationen insbesondere dann Wirkungen entfalten, wenn aus den Ergebnissen praktisches Handeln abgeleitet werden kann. Damit Evaluationen im Bereich Studium und Lehre in diesem Sinne zur Qualitätssicherung beitragen können, müssen diese mit anderen hochschulischen Einrichtungen verschränkt und rückgebunden werden und in einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand und Nutzen stehen. Zudem kommt ihnen im Rahmen von Qualitätszirkeln an Hochschulen eine Schlüsselfunktion zu.

Im Rahmen der in der Qualitätssicherung von Lehre und Studium eingesetzten Evaluationsverfahren sind studentische Befragungen von besonderer Relevanz, weil sie eine wichtige Informationsquelle für die Evaluation ganzer Studiengänge darstellen. In Hochschulgesetzen wird die Durchführung der studentischen Lehrveranstaltungsevaluation sogar verbindlich festgeschrieben. Studentische Beurteilungen von Lehrveranstaltungen stellen kontinuierlich einsetzbare Feedback-Instrumente dar, durch die individuelle Rückmeldungen zu Lehrveranstaltungen und Lehrenden gegeben werden können. Dabei können auch Instrumente eingesetzt werden, die nicht nur der Evaluation, sondern auch der Kommunikation über Lehre dienen.

Der Umgang und die Interpretation dieser Erhebungen wirft indes eine Reihe von Fragen auf: Was veranlasst Studierende eine Lehrveranstaltung gut oder eben auch weniger gut zu bewerten? So ist das Phänomen bekannt, dass Lehrende, die z. B. neue Lehr-/Lernformate ausprobieren oder auch herausfordernde Aufgaben stellen, nicht unbedingt ein mehrheitlich positives Feedback dafür erhalten. Und was bedeutet es, dass die Zufriedenheit der Studierenden nicht unbedingt mit dem Studienerfolg, z. B. dem Bestehen der Klausur, korreliert?

Aus kompetenzorientierter Perspektive werden seit einiger Zeit Verfahren entwickelt und im Hochschulalltag eingesetzt (z. B. BEvaKomp und EvaSys), die die Beschreibung des studentischen Kompetenzzuwachses durch die Studierenden selbst zum Ziel haben. Diese inzwischen etablierten Evaluationsinstrumente sind Gegenstand hochschulspezifischer Weiterentwicklungen, die vor der schwierigen Aufgabe stehen, einerseits Befragungsabläufe und -inhalte zu vereinheitlichen und andererseits fachspezifische Anpassungen vornehmen zu können. Darüber hinaus ist es notwendig, über Grenzen und Möglichkeiten dieser Instrumente im Hinblick auf die Erfassung unterschiedlicher Kompetenzfacetten zu reflektieren.

Die Tagung bot rund 140 Hochschulangehörigen des Qualitätsmanagements und der Hochschuldidaktik sowie Lehrenden eine Plattform zur Diskussion von Fragen zu einer praxisnahen Evaluation von Lehre und zum Austausch über gute Praxisbeispiele.



Vortragsfolien, Reflexionen und Abstracts

Keynote

One Size does not fit all. Für eine zweckorientierte Praxis der Evaluation von Studium und Lehre
Prof. Dr. Jan Ulrich Hense, Justus-Liebig-Universität Gießen
Abstract:
Die Evaluation von Studium und Lehre an deutschen Hochschulen stößt nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe. Insbesondere gegenüber standardisierten Verfahren der Lehrveranstaltungs­evaluation (LVE), bei denen Studierende meist am Ende des Semesters verschiedene Aspekte der Lehrveranstaltung beurteilen, wird verschiedentlich Kritik geübt. So werden beispielsweise die Reliabilität und Validität der verwendeten Instrumente hinterfragt, das ritualisierte Erzeugen von Datenbergen beklagt und insgesamt der Nutzen für eine Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium in Zweifel gezogen. weiterlesen

Reflexion: (Carolin Müller & Dr. Annika Pape) Der Fokus der Keynote lag auf der Entwicklung und Verwendung von Lehrveranstaltungsevaluationen (LVE): Diese sind als ein systematisches Instrument zur Einbeziehung der Studierendensicht möglicher Ausgangspunkt für Veränderungsimpulse in der Lehre. Derzeit werden LVE insbesondere in Form von „klassischen“ Fragebögen durchgeführt, die in den letzten Jahren aber zunehmend kritisch hinterfragt wurden. Hierbei gilt es zu unterscheiden, worauf sich die Kritik bezieht: auf das Instrument der Evaluation selbst oder auf die Verwendung des Instruments. weiterlesen

Forum A: Qualitätskreislauf - Systemakkreditierung

Reflexion: Forum A (Christian Schmollinger) Im Verlauf des Forums wurden über Rückfragen die für die Teilnehmenden wichtigsten Punkte herausgestellt. Die Qualitätsentwicklung in den jeweiligen Fachbereichen wird mit Hilfe von interner Beratung gewährleitstet und verstärkt.
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Forum B: Instrumente für die Lehrevaluation: TAP & BILOE

Impuls: Evaluation der Lehre durch Reflexion des Lernes
Dr. Andrea Frank  & Dr. Petra Weiß, Universität Bielefeld
Abstract:
Gemäß dem shift from teaching to learning existieren in der Hochschullehre mittlerweile viele studierendenzentrierte Ansätze, die das Lernen der Studierenden in den Vordergrund rücken. Lehrveranstaltungsevaluationen nehmen demgegenüber aber häufig immer noch eine lehrendenzentrierte Perspektive ein. Sie fragen nach der Zufriedenheit der Studierenden mit der Performanz der Lehrenden oder mit Lehrmaterialien und fokussieren damit in erster Linie auf den Input und das Verhalten der Lehrenden. Studierende werden so indirekt eher passiv als Konsumenten von Lehre adressiert.  weiterlesen

Reflexion: Forum B (Margrit Mooraj) In diesem Forum stellten die beiden Referentinnen zwei Verfahren vor, die das Lernen der Studierenden in den Mittelpunkt stellen. Beim Teaching Analysis Poll (TAP) handelt es sich um eine Zwischenevaluation ... weiterlesen

Forum C: Weiterentwicklung der Lehrveranstaltungsevaluation

Reflexion: Forum C (Dr. Annika Pape) In dem Forum wurde das Thema „Weiterentwicklung“ von zwei unterschiedlichen Perspektiven aus betrachtet. Zum einen wurde die Weiterentwicklung des Instrumentes der Lehrevaluation thematisiert und zum anderen die Nutzung der Ergebnisse der Evaluationen zur Weiterentwicklung der Lehre selbst. weiterlesen

Forum D: Lehrendenbefragung & Peer Coaching
  • Impuls 2: Peer Coaching: von der netten Idee zum etablierten Programm - Erfahrungen und Anwendung
    Martina Grein &
    ,Prof. Dr. Irene Rothe, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
    Abstract: Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat nach einer erfolgreichen Pilotphase Peer Coaching als Angebot an alle Lehrenden der Hochschule eingeführt. Das offene Konzept bietet Peer-Coaching-Tandems oder Gruppen von bis zu fünf Lehrenden einen Rahmen für eine strukturierte Reflexion und Konversation über Lehre mit ihren Kolleginnen und Kollegen. weiterlesen

Reflexion: Forum D (Carolin Müller) In diesem Forum wurden zwei unterschiedliche Konzepte der Lehrendenbefragung betrachtet ... weiterlesen

Podiumsdiskussion - Spiegelung der Ergebnisse aus den Foren

Teilnehmer:
Prof. Dr. Jan Ulrich Hense, Justus-Liebig-Universität Gießen
Manuela Büch, Universität Heidelberg
Prof. Dr. Stefan Vörtler, Hochschule Ostwesfalen-Lippe
Moderation: Prof. Dr. Wilfried Müller

Reflexion: (Margrit Mooraj, Christian Schmollinger) Die Evaluation von Lehre und Studium wurde in den Foren aus unterschiedlichen professionellen Rollen und Perspektiven beleuchtet. Lehrende, deren Handeln durch die Lehrveranstaltungsevaluation bewertet wird, haben ein anderes Verhältnis dazu als Evaluationsforschende oder Beschäftigte aus dem Qualitätsmanagement oder der Hochschuldidaktik. In der Podiumsdiskussion wurde die Notwendigkeit betont, die Diskussion faktengestützt zu führen, denn nur mit einer methodisch einwandfreien Evaluation lassen sich belastbare Ergebnisse darstellen und umsetzten. Evaluiert werden berührt bei Lehrenden auch eine emotionale Ebene.

Es wurde die Forderung geäußert, dass man nicht nur Zufriedenheitsmessungen machen, sondern sich stärker auf das Lernen der Studierenden fokussieren sollte. Die von den beiden Referentinnen der Universität Bielefeld vorgestellten Verfahren TAP und BiLOE können dies für sich in Anspruch nehmen. Lehrveranstaltungsevaluation muss einen Mehrwert für Studierende und Lehrende erbringen, damit sie auf Akzeptanz gegründet ist. Ihr Einfluss auf Veränderungsprozesse in der Praxis ist inkrementeller Natur, denn Evaluationen greifen in hochkomplexe Systeme ein und schnelle Veränderungen sind nicht zu erwarten. Zudem äußern zunehmend auch Lehrende das Bedürfnis, ihre Sicht auf die Evaluationsergebnisse zu erläutern. Die Erfassung dieser Perspektive ist zurzeit defizitär und Peer Coaching zwischen Lehrenden immer noch eine Ausnahme. Einigkeit bestand darüber, dass die bestehenden Instrumente und Verfahren ihrem Zweck entsprechend eingesetzt und optimiert werden sollten.


Auswertung des Conference Analysis Poll

Auswertung des Conference Analysis Poll

Auswertung des Conference Analysis Poll

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
auf der nexus-Tagung „Praxistaugliche Verfahren zur Evaluation von Lehre und Studium“ haben Dr. Andrea Frank und Dr. Petra Weiß Sie eingeladen, am Ende der Veranstaltung an einem CAP (Conference Analysis Poll), angelehnt das Evaluationsinstrument TAP (Teaching Analysis Poll), teilzunehmen. Dafür danken wir den beiden herzlich. Das nexus-Team hat sich dazu verpflichtet, einen Kommentar zu den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu veröffentlichen. Dieser Verpflichtung möchten wir gerne nachkommen.

Im CAP wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern drei Fragen gestellt:

  • Wodurch haben Sie am meisten für Ihre berufliche Praxis mitgenommen?
  • Was hat Ihnen nichts gebracht?
  • Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Diese Fragen wurden in 13 Gruppen von ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beantwortet. Die mehrheitsfähigen Antworten fassen wir nun kurz für Sie in jeweils einem Abschnitt zusammen.

Wodurch haben Sie am meisten für Ihre berufliche Praxis mitgenommen?
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Vortrag von Professor Hense für eine Einführung in die Thematik hilfreich. Als bereichernd für die eigene berufliche Praxis wurden die vielen an konkreten Beispielen vorgestellten Verfahren der Evaluation von Studium und Lehre bewertet. Die Rückmeldungen dazu adressieren sämtliche Tagungsforen: von der Visualisierung von Prozessen im Rahmen der Systemakkreditierung über die anwendungsorientierten Verfahren TAP und BiLoe, der Vorstellung einer Idee zur entwicklungsorientierten Evaluation und der Kritik an den vorhandenen Verfahren bis hin zur Vorstellung von Peer-Verfahren und Lehrendenbefragungen. Die Thematisierung der unterschiedlichen Rollen der Akteure, die in die Evaluation von Studium und Lehre mit je unterschiedlichen Perspektiven involviert sind, wurde als relevant bewertet. Ferner stellte die Möglichkeit, sich im Rahmen der Pausen mit anderen Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern auszutauschen und zu vernetzen, einen Gewinn dar.

Was hat Ihnen nichts gebracht?
Negativ wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Zeitdruck in den Foren angemerkt. Es blieb den Tagungsgästen zufolge zu wenig Zeit zur Vertiefung der Themen. Die Podiumsdiskussion lieferte keine Zusammenfassung der Ergebnisse der Foren und wurde deshalb kritisch bewertet. Dass man sich zwischen parallel stattfindenden Foren entscheiden musste, wurde bedauert. Darüber hinaus wurden überlange Vorträge und unstrukturierte Diskussionsbeiträge bemängelt.

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?
Die Vorbesserungsvorschläge beziehen sich auf mehr Zeit für Diskussionen, ein strafferes Zeitmanagement für Referentinnen und Referenten sowie eine Zusammenfassung der Foren, die man nicht besuchen konnte. Außerdem wird angeregt, Studierende einzubeziehen. Gewünscht werden darüber hinaus, dass die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmerin Podiumsdiskussionen beteiligt werden, es einen stärkeren Austausch zwischen Hochschulen und konkrete Handlungsempfehlungen geben sollte. Organisatorisch wurde angeregt, geeignetere Räume für Diskussionen zur Verfügung zu stellen.

Was nimmt das Team von nexus aus Ihren Anmerkungen mit?
Wir teilen die Einschätzung, dass man mehr Zeit für die Diskussion der Forenbeiträge gebraucht hätte und werden in künftigen Planungen entsprechende Zeitfenster berücksichtigen. Eine Ergebnispräsentation der Foren im Plenum wird unserer Erfahrung nach oft nicht als bereichernd betrachtet. Indes sollte auf den Einbezug von Studierenden beim nächsten Mal geachtet werden. Parallele Foren lassen sich, wenn man darauf Wert legt, ein Thema in einer sinnvoll erscheinenden thematische Breite zu diskutieren, zumindest bei einer eintägigen Veranstaltung nicht vermeiden. Zweitägige Veranstaltungen sind indes mit zeitlichen Opportunitätskosten verbunden, die Lehrende im laufenden Semesterbetrieb aus guten Gründen scheuen.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich am CAP beteiligt haben und uns auf diesem Weg in unserer Qualitätssicherung unterstützt haben.

 

 

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