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Abstract: Kontrolle oder Entwicklung – Gute Evaluation braucht neben Freiräumen klare Ziele

Dipl.-Päd. Kathrin Munt & Prof. Dr. Harald Rau, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Der Beitrag von Kathrin Munt und Harald Rau setzt sich mit dem Wert der studentischen Evaluation für die (Weiter-)Entwicklung von Lehrangeboten auseinander und wie sich eine darauf aufbauende Zielhierarchie in das System Hochschule fügt.

Aus der Erfahrung in der Entwicklung von konkreten Evaluationswerkzeugen heraus werden zentrale (bereits empirisch unterfütterte) Erkenntnisse sowie darüberhinausgehend weitere Thesen abgeleitet. Insgesamt sind dabei die folgenden Aspekte von besonderer Relevanz:

  1. Der Mehrwert studentischer Evaluation zeigt sich besonders dann, wenn auch der Lernzuwachs miteinbezogen ist. Alle jüngeren didaktischen Ansätze holen die direkte Auseinandersetzung mit dem Stoff, das Lernen, zurück in die Lehrveranstaltung und lagern die Wissensvermittlung aus. Viele der bisherigen Evaluationen konzentrieren sich jedoch auf die Evaluation von Wissensvermittlung. Ein Dilemma.
  2. Praxisrelevant ist eine Evaluation, wenn sie konkret, zeitnah, bewertungsfrei (personenunabhängig) und fehlertolerant ist. Der Informationsgehalt variiert bezogen auf die folgenden Größen: Persönlichkeit des Lehrenden, Gruppengröße, Zeitpunkt und konkrete Situation. Evaluations-Ergebnisse sind ergo nicht vergleichbar und alle Schlussfolgerungen bleiben höchst interpretativ, wenn nicht gar spekulativ – sie lassen sich nur durch eine erweiterte Diskussion in Konsequenzen überführen.
  3. Mit Blick in die Literatur sollen Evaluationen dreierlei erfüllen: „Generating Knowledge“ (Information generieren), „Judgement“ (Urteilen) sowie „Improvement“ (Verbesserung). In den Prozessen einer Hochschule müssen diese Anforderungen aus Sicht der Referenten getrennt abgebildet werden, damit die Wirkung der Evaluation nicht geschmälert wird.

Wie lässt sich Evaluation zukunftsfähig gestalten, wenn sie zum einen die gesetzlich gesicherte Freiheit von Lehre und Forschung in beschränkender Weise beeinflusst, zum anderen direkt mit Besoldungsrichtlinien gekoppelt wird? Dieser Frage wird der Beitrag am konkreten Beispiel nachgehen, indem er die Entwicklung eines Evaluationswerkzeuges (Fragebogen) an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften nachzeichnet, die Herausforderungen schildert, vor allem aber, in dem er die Bedeutung von Evaluation als Instrument der Lehrentwicklung aufzeigt und damit exemplarisch vorführt, wie wichtig es ist, mit eindeutigen Zielsystemen zu arbeiten. Am Ende lassen sich am Exempel vor allen Dingen systemimmanente Hürden diskutieren.

nexus-Tagung „Praxistaugliche Verfahren zur Evaluation von Lehre und Studium“ an der Technischen Universität Braunschweig , 29. September 2017  zurück