Studentische Vielfalt nutzen - Eine Herausforderung für die Hochschulen

1.6.2011 Bonn

Studierende sind Anfang 20, kinderlos und kommen aus einem Akademikerhaushalt. Dieses Klischee entspricht längst nicht mehr der Realität: Wer sich heute an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen umsieht, findet dort Studierende mit abgeschlossener beruflicher Bildung, studierende Eltern sowie Menschen aus verschiedenen Kulturen und gesellschaftlichen Schichten. In den kommenden Jahren wird sich diese Vielfalt noch verstärken.

Damit eine vielfältigere Studierendenschaft auch zu einer Bereicherung für die Hochschulen werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.Darüber waren sich die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vom Projekt nexus der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) organisierten Veranstaltung „Studentische Vielfalt nutzen - Eine Herausforderung für die Hochschulen“ in Bonn einig.

„Die Herausforderungen sind inhaltlicher und organisatorischer Art“, sagte HRK-Generalsekretär Dr. Thomas Kathöfer: „Zum einen geht es darum, den Erfahrungshintergrund der unterschiedlichen Gruppen durch geeignete Formate so in Lehre und Didaktik einzubinden, dass eine diversitätsgerechte Weiterentwicklung der Studienangebote erfolgen kann. Zum anderen muss die Studienorganisation angepasst werden, zum Beispiel durch mehr Teilzeitstudienmöglichkeiten, Kurse außerhalb der üblichen Semesterzeiten und E-Learning-Formate.“

Eine Einschätzung, die Dr. Günther Vedder von der  Universität Trier in seinem Einführungsvortrag bestätigte. Dabei zeigte der kursorische Überblick, dass das Diversitätsmanagement noch ein neues und entsprechend  offenes Thema ist: Es gibt kein einheitliches Begriffsverständnis, zuständige Stellen sind in der Hochschule an unterschiedlichsten Positionen angesiedelt, die Ansatzpunkte verschiedener Diversity-Einzelmaßnahmen und -Instrumente finden auf verschiedensten Ebenen statt. Die Hochschulen sind mehr mit der Defizitanalyse beschäftigt und weniger mit  zukunftsweisenden Strategie- und Profilkonzepten zur Integration der Diversity in ein Hochschulgesamtkonzept.

Ein Phänomen, das nicht auf Deutschland beschränkt ist. Grund genug, über den Tellerrand zu blicken: In ihrem Beitrag stellten Annie Carroll, Equality and Diversity Adviser, und Penny Ewards, Student Recruitment Manager an der University of Brighton eindrucksvoll dar, wie staatlich gesteuerte Programme in England im Bereich des Diversitätsmanagement großen Einfluss auf das Handeln der Hochschulen nehmen und beachtliche Erfolge fördern können.

Die Foren

In thematischen Foren beschäftigen sich die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer anhand von Praxisbeispielen mit der Identifikation von Zielgruppen und ihren Bedürfnissen (Forum A), der organisatorischen Umsetzung von Diversitätsmanagement (Forum B) sowie der Implementation des Diversitätsmanagements als hochschulweiter Strategie (Forum C).

Passgenaue Unterstützungsangebote nötig (Forum A)
Dabei waren sich die Expertinnen und Experten einig, dass individuelle Lösungsansätze —nötig seien, um auf die Heterogenität der Studierendenschaft gezielter eingehen zu können. So müssten passgenaue Förder- und Beratungsangebote (z.B.  Mentoren- und Coaching-Programme) bereitgestellt werden. Hierbei wurde angeregt, dass solche Angebote auf das Studium anrechenbar sein und in enger Kooperation mit den Schulen erfolgen sollten.

Angebote für flexible Studiengestaltung (Forum B)
Damit Studierende, die durch Beruf oder Familie zeitlich eingeschränkt sind, ein Studium überhaupt aufnehmen und absolvieren können, muss eine flexible Studiengestaltung zu unterschiedlichen Phasen möglich sein. Dazu kommen verschiedene Maßnahmen und Instrumente (E-Learning, Fernstudium, berufsbegleitend, etc.) in Frage.

Diversitätsmanagement muss zum Hochschulkonzept passen (Forum C)
So sehr Diversität als neues Trendthema in den Fokus rückt und als Chance begrüßt wird, wurde die Notwendigkeit eines abgestimmten Vorgehens gesehen: Es müsse berücksichtigt werden, dass Diversitätsmanagement nicht pauschal von jeder Hochschule umgesetzt werden könne. Vielmehr müsse darauf geachtet werden, dass die Konzeption des Diversitätsmanagements mit dem Profil der Hochschule harmoniere.

Abschlussplenum

Chancen betonen — Angebote kommunizieren —  Akteure vernetzen
Bei der Frage nach den zukünftigen Herausforderungen des Diversitätsmanagements waren sich die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer einig: Die Chancen in der „heterogenen Institution“ Hochschule sollten stärker betont werden. Eine vielfältige Studierendenschaft stelle eine Bereicherung dar und fördere die Sensibilisierung für gesellschaftliche Bezüge in Forschung und Lehre. Bestehende Angebote müssten besser an Studierende kommuniziert werden. Hierzu sollten die unterschiedlichen Akteure in diesem Feld besser vernetzt werden, etwa durch Unterstützung „Runder Tische“ oder „ Expertenrunden“. Zunächst müssten allerdings die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden, die ein wesentlicher Faktor des Erfolges von Diversitätsmanagement an Hochschulen seien. Auch sollten Diversitätsaspekte in der Lehramtsausbildung verankert werden.

Studentische Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer forderten eine engere Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden bei der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen des Diversitätsmanagements. Damit könne gezielter auf die Bedürfnisse der Studierendenschaft eingegangen werden.

Von der HRK wünschten sich die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer verstärkt Empfehlungen und Arbeitshilfen zum Thema Diversitätsmanagement. Eine Aufgabe, die das Projekt nexus in den kommenden drei Jahren durch fachliche Impulse, Tagungen und Handreichungen in seine Arbeit aufnehmen wird.

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