Erfolgsfaktoren von Peer-to-Peer-Mentoring am Beispiel der LMU München

25. September 2018 - von Dr. Alexandra Hauser

Der erste Tag an der Universität! Endlich ist er da! Auszug von Zuhause, neue Stadt, neue Leute, neues Universum! Unbändige Vorfreude, Unsicherheit, Wissensdurst, Versagensangst, Enthusiasmus, Überforderung, Stolz, Orientierungslosigkeit, Freiheit, Selbstzweifel... #hoffentlichmerktniemandwas!

Die Transformation vom Schüler zum Studierenden und der Eintritt in eine neue Lebensphase ist aufregend und für viele eine echte Herausforderung. Die Chancen zur persönlichen Entfaltung und zum persönlichen Wachstum, welche ein Universitätsstudium bietet, können dann am besten genutzt werden, wenn es gelingt, die Herausforderungen der Anfangszeit erfolgreich zu meistern. Aus diesem Grund bietet die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ihren Erstsemesterstudierenden (Bachelor und auch Master), zusätzlich zu zahlreichen fachspezifischen Programmen, die Möglichkeit, am fakultätsübergreifenden Peer-to-Peer-Mentoring-Programm (P2P-Mentoring) teilzunehmen. Das Programm ist aufgrund seiner Tragweite und Beschaffenheit in Deutschland einzigartig. Pro Jahrgang nehmen im Durchschnitt etwa 1500 Studierende teil. In den Jahren 2012 bis 2017 ist das Programm kontinuierlich gewachsen und zählte insgesamt über 6700 Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Junge Studierende an der Münchner Universität.
An der LMU München haben schon über 6700 Studierende am Peer-to-Peer-Mentoring-Programm teilgenommen. Foto: Jan Greune / LMU

„Es gibt keine dummen Fragen, lieber einmal zu viel als zu wenig. Wir Mentoren sind ja gerne da, um Ersti-Fragen zu beantworten.“ Elif, Mentorin

Die Idee hinter dem P2P-Mentorin ist es, Studienanfängern und Studienanfängerinnen einen erfahrenen Mentor/Mentorin aus dem gleichen Studienfach zur Seite zu stellen. Studierende ab dem dritten Semester engagieren sich dabei ehrenamtlich, um die Studienanfänger und Studienanfängerinnen in ihren ersten beiden Semestern zu begleiten und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Studierenden in besonderen Bedarfslagen, das heißt Studierende mit chronischer Erkrankung oder Behinderung, Studierenden mit Kind, Studierenden aus Nicht-Akademiker Haushalten, Studierenden mit Migrationshintergrund. Das Programm ist jedoch auch für alle anderen Studierenden geöffnet.

Die Begleitung erfolgt aufgrund der hohen Nachfrage in kleinen Teams: Eine Mentorin oder ein Mentor begleitet in der Regel einen bis drei Mentees. Dabei liegt der Fokus nicht auf dem fachlichen Austausch oder auf Studieninhalten. In ihren Mentoren und Mentorinnen finden die Erstsemesterstudierenden Unterstützung bei allen Fragen rund um das Studium. Das können zum einen karriereorientierten Fragen sein, wie „Was ist denn eine akademische Viertelstunde?“ oder „Wie und mit wie viel Vorlauf hattest du denn damals auf deine Prüfungen gelernt?“. Die Mentoren und Mentorinnen bieten aber auch psychosoziale Unterstützung, indem sie ihren Mentees bei eventuellen Motivationstiefs zur Seite stehen und ihnen dabei helfen, an der LMU und in München anzukommen.

Ich habe mich angemeldet, um anderen Studenten beim Einstieg ins Studium zu helfen. Mir hat die Mentorenausbildung geholfen, meine Präsenz in Gesprächen zu verbessern. Ich kann das Programm allen empfehlen, denen an einer persönlichen Unterstützung gelegen ist!" Jonas, Mentor

Eine der Besonderheiten des P2P-Mentorings ist dessen wissenschaftliche Fundierung, sowie die umfassende Begleitforschung. Im Rahmen der Programm- und Workshopevaluation entstehen wissenschaftliche Publikationen sowie Doktorarbeiten, deren Ergebnisse zur kontinuierlichen Programmoptimierung verwendet werden.

Aus den Evaluationsergebnissen sowie aus Erfahrungswerten über die Jahre lassen sich unter anderem folgende drei wichtige Erfolgsfaktoren für Mentoringprogramme identifizieren:

  1. Zunächst ist es relevant, eine hohe Beziehungsqualität in den Mentoringteams durch geeignete Matchingverfahren, also die Zuordnung von Mentees zu passenden Mentorinnen und Mentoren, anzustreben. Das Peer-to-Peer Mentoring Programm nutzt hierfür einen wissenschaftlich fundierten, psychologischen Algorithmus, welcher Persönlichkeitsmerkmale wie Introversion oder Extraversion miteinschließt. Erste Priorität hat jedoch, dass Mentor / Mentorin und Mentee dasselbe Hauptfach teilen. Bei kleineren Programmen wäre es auch denkbar, dass sich Mentoren / Mentorinnen und Mentees über gemeinsame Interessen, z.B. über ein Onlineportal oder gemeinsame Veranstaltungen, zusammenfinden.
  2. Darüber hinaus ist ein weiterer Erfolgsfaktor eine fundierte Mentorenausbildung, damit sich die Mentorinnen und Mentoren auf ihre neue Tätigkeit vorbereiten können. Im Peer-to-Peer Mentoring Programm erlernen die Mentoren und Mentorinnen in zwei Workshops Grundlagen und Techniken zum Thema Mentoring. Beispielsweise geht es um die Rollen- und Erwartungsklärung – was erwarte ich von meinem Mentee, was ist mein Auftrag als Mentor, aber auch, wo endet meine Rolle und wo sind Grenzen. Des Weiteren lernen sie beispielsweise Gesprächs- und Coachingtechniken, um ihre Mentees lösungsorientiert beraten und begleiten zu können.  
  3. Abschließend ist es von Programmseite her essentiell, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut zu begleiten, ihnen auf Rückfragen zeitnah per Email oder Telefon zu antworten, sowie umfassendes Informationsmaterial und -veranstaltungen anzubieten. Auch eine Sammlung von FAQs auf der Webseite bietet sich für Fragen an, welche sehr oft gestellt werden. Ein Hinweis darauf, dass sich die Teilnehmer gut begleitet fühlen, ist eine hohe Wiederteilnahmequote im Programm.

Die große Bereitschaft der Studierenden verschiedenster Fachbereiche, sich ehrenamtlich zu engagieren und der „nachfolgenden“ Generation beim Ankommen zu helfen, ist beeindruckend! Mit ihrer Unterstützung kann es den Erstsemesterstudierenden noch besser gelingen, Anfangsschwierigkeiten zu meistern und sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren:  Vorfreude, Wissensdurst, Enthusiasmus, Stolz, Freiheit... #jetztkannslosgehn!

Das Programm P2P-Mentoring - weitere Infos

Das Programm P2P-Mentoring - weitere Infos

Das Team des P2P-Mentoring. Von links nach rechts: Birgit Neurath, Sophie Drozdzewski, Enikö D'Errigo, Dr. Sonja Militz, Mariella Stockkamp, PD Dr. Silke Weisweiler, Dr. Alexandra Hauser, Prof. Dr. Dieter Frey Bild: LMU

Das P2P-Mentoring wurde 2012 mit der Förderung aus dem Qualitätspakt Lehre im Rahmen von Lehre@LMU an der LMU etabliert (Förderkennzeichen 01PL17016). Das P2P-Mentoring Programm ist Teil des Center for Leadership and People Management (CLPM), einer Forschungs-, Trainings- und Beratungseinrichtung der LMU unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Dieter Frey und PD Dr. Silke Weisweiler. Das CLPM mit seinen Programmen steht für die Verbindung von Exzellenz und Wertschätzung in Führung, Zusammenarbeit und Lehre.

Dr. Alexandra Hauser

Dr. Alexandra Hauser studierte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg Psychologie auf Diplom mit den Schwerpunkten Arbeits- und Organisationspsychologie und Klinische Psychologie, sowie Betriebswirtschaftslehre im Nebenfach. Sie promovierte zu den Themen Arbeit und Gesundheit sowie Evaluation von Personalentwicklungsmaßnahmen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2015 leitet sie das Peer-to-Peer Mentoring Programm am Center for Leadership and People Management.