Reflektiertes Handeln in der Gesundheitsversorgung ermöglichen

10. März 2018 - Prof. Dr. Ursula Walkenhorst

Abbildungs eines Stethoskops
Foto: Pixabay

Prof. Dr. Ursula Walkenhorst plädiert dafür, Bedingungen und Erfolgsfaktoren des Interprofessionellen Lernens verstärkt wissenschaftlich zu erforschen, um daraus gezielte Lehrkonzepte zu entwickeln.

Die gestiegene ethische und qualitative Verantwortung, die insbesondere mit den gewandelten Versorgungsanforderungen der Berufe im Gesundheitswesen als Folge epidemiologischer und demographischer Entwicklungen einhergeht, setzt eine kontinuierliche kritische Reflexion der eigenen Handlungsprozesse voraus, die es in den hochschulischen Studienangeboten einzuüben gilt. Der dreifache Anspruch sowohl an Fachlichkeit, die mit einem disziplinspezifischen „Body of Knowledge“ einhergeht, als auch an Beruflichkeit, die es ermöglicht, auch den zukünftigen Anforderungen im Handlungsfeld gerecht zu werden, ebenso wie an Wissenschaftlichkeit, die eine kritisch-reflektive Haltung zu den vorliegenden Erkenntnissen und Evidenzen ermöglicht, verbindet die Studienprogramme an den Hochschulen in ihren konzeptuellen Überlegungen miteinander.

Einheitliches Verständnis von Interprofessionalität fehlt
Gesundheitliche Versorgung benötigt eine gemeinsame Perspektive auf den Einzelnen ebenso wie auf die Bevölkerung als Ganzes. Gesundheitliche Probleme lassen sich nur in einem gelingenden Zusammenspiel der Akteure und in funktionierenden Handlungsgemeinschaften lösen. Hier zeigen Studien, dass gemeinsame Absprachen, Behandlungen und Übergänge in und zwischen den Versorgungssektoren noch nicht genügend entwickelt sind. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist das Wissen der verschiedenen Gesundheitsberufe voneinander und übereinander sowie das miteinander lernen und arbeiten. In der aktuellen Diskussion gibt es allerdings noch kein einheitliches wissenschaftliches Verständnis darüber, was unter Interprofessionalität resp. interprofessioneller Lehre oder interprofessioneller Zusammenarbeit zu verstehen ist. Die systematischen Beobachtungen zeigen mittlerweile, dass es in einschlägigen Projekten vielfältige Ansätze gibt, die Gelingensfaktoren zu identifizieren und das Feld der Interprofessionalität als eigenständiges Forschungsfeld zu verstehen.

Zu dieser Entwicklung tragen Bildungsprogramme (u.a. ‚Operation Team‘ der Robert-Bosch-Stiftung, Qualitätspakt Lehre) ebenso wie innovative Curriculumsansätze in den Hochschulen bei. Als bedeutsam für gelingende interprofessionelle Prozesse in der Lehre werden u.a. flexible Strukturen in den Bildungseinrichtungen, adäquate Qualifikationen des Lehrpersonals sowie nachhaltige curriculare Verankerungen gesehen. All diesen Hinweisen gilt es wissenschaftlich nachzugehen, um gezielte Lehrkonzepte zu entwickeln und darüber weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie interprofessionelles Handeln zwischen den Berufen im Gesundheitswesen zu einer effektiven Gesundheitsversorgung beitragen kann.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im nexus-Newsletter.

 

 

Prof. Dr. Ursula Walkenhorst

Prof. Dr. Ursula Walkenhorst

Prof. Dr. Ursula Walkenhorst ist Erziehungs und Gesundheitswissenschaftlerin, Fachgebiet „Didaktik der Humandienstleistungsberufe“ am  Institut für Gesundheitsforschung und Bildung der Universität Osnabrück, Vorsitzende des Ausschusses „Interprofessionelle Ausbildung in den Gesundheitsberufen“ der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) (2011-2017), GMA-Vorstandsmitglied für die Gesundheitsberufe und Vorsitzende des Runden Tisches Medizin und Gesundheits­wissenschaften des Projekts nexus.