Bildung und Wissenschaft prägen ein lebenswertes Europa

25. Juni 2018 - von Edelgard Bulmahn

Die Vitalität und Effizienz jeder Zivilisation lässt sich an der Attraktivität messen, die ihre Kultur für weitere Länder besitzt. Wir müssen sicherstellen, dass die europäischen Hochschulen weltweit ebenso attraktiv werden wie unsere außergewöhnlichen kulturellen und wissenschaftlichen Traditionen.“ Dieses Zitat aus der Bologna Erklärung von 1999 bringt auf den Punkt, was uns, die europäischen Bildungsminister, bewog, den Bologna-Prozess auf den Weg zu bringen. Wir wollten einen gemeinsamen europäischen Bildungs- und Hochschulraum schaffen, der den freien Austausch von Wissen und Ideen, von Studierenden und Wissenschaftlerinnen fördert und sich durch wissenschaftliche Exzellenz auszeichnet.

Wir wollten mehr jungen Menschen den Weg zu einer Hochschulausbildung eröffnen und zugleich die internationale Mobilität der Studierenden fördern. Dem sollte die gemeinsame Einführung zweistufiger berufsqualifizierender Studienabschlüsse (Bachelor, Master) und der Aufbau eines europaweiten Akkreditierungssystems, verbunden mit der notwendigen kontinuierlichen Evaluierung der Studiengänge, dienen. Studienleistungen wie auch Abschlüsse sollten im Bologna-Raum vergleichbar und gegenseitig anerkannt werden. Die Studiengänge sollten eine klare Studienstruktur aufweisen und mehr Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten enthalten. Zugleich sollten fachübergreifende Kompetenzen, die Vermittlung von Systemwissen, Schlüssel- und sozialen Kompetenzen ein stärkeres Gewicht erhalten.

Wichtig war uns darüber hinaus eine stärkere Vernetzung von Hochschulbildung und Weiterbildung, um den Anforderungen einer modernen Wissensgesellschaft besser Rechnung zu tragen und um einen stärkeren Austausch zwischen Berufswelt und Hochschule zu fördern. Die Begrenzung des Bachelorstudiums auf sechs Semester waren – auch wenn dies immer wieder behauptet wird – ebenso wenig ein Bestandteil der Bologna-Erklärung wie die Festlegung auf studienbegleitende Leistungsüberprüfungen.

LAndkarte der 29 ursprünglichen Bologna-Unterzeichnerstaaten.
29 Länder haben 1999 die Bologna-Erklärung unterzeichnet. Bis heute haben sich 48 Staaten dem Europäischen Hochschulraum angeschlossen. Grafikquelle: www.ehea.info

Hat Bologna heute noch eine Relevanz? Ja, gerade heute, in einer Zeit erstarkender rechtspopulistischer Bewegungen spielen Bildung und Wissenschaft eine entscheidende Rolle dafür, ob Europa auch in Zukunft eine lebenswerte Region bleibt, wo die Werte der Aufklärung und Demokratie unsere Kultur prägen. Was die Ausgestaltung der Reform betrifft, müssen wir aber offenbleiben, eingeschlagene Wege kritisch überprüfen und ggf. ändern. Und wir müssen in Deutschland die Grundfinanzierung der Hochschulen deutlich verbessern, damit die Hochschulen ihre Aufgaben in Lehre und Forschung auch erfüllen können.

Dieser Text ist zuerst erschienen im nexus-Newsletter.

Edelgard Bulmahn

Die SPD-Politikerin Edelgard Bulmahn war von 1998 bis 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung und von 2005 bis 2009 Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages. Zu den von ihr als Bildungsministerin initiierten bzw. umgesetzten Reformen gehören der Ausbau der Ganztagsschule, die Bologna-Reform und die Exzellenzinitiative. Von 2013 bis 2017 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Mit Ablauf der Legislaturperiode hat sie ihre parlamentarische Arbeit 2017 beendet.