Verbesserung von Anerkennung und Mobilität: Maßnahmen auf dem Prüfstand

28. November 2018, Berlin

Die hohe Bedeutung von Studierendenmobilität und Anerkennung von Leistungen hob Botschafter Stéphane Dion gleich zu Beginn seiner Eröffnung der Tagung, die nexus in Zusammenarbeit mit der Botschaft von Kanada in Deutschland veranstaltete, besonders hervor. In diesem Zusammenhang sei es weiterhin eine große Herausforderung, wie Mobilität weiter verbessert und der ganze Wert einer Auslandserfahrung anerkannt werden könne.

 „Studentische Mobilität und wissenschaftlicher Austausch sind existentiell, um Brücken zu schlagen in Zeiten, in denen Politik oftmals an Grenzen stößt“, sagte HRK-Präsident Peter-André Alt in seiner Begrüßung. Damit Auslandsaufenthalte aber eine Bereicherung darstellten und nicht zu einer Blockade würden, müssten die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden. Dazu, so Professor Alt, trage das Projekt nexus in besonderer Weise bei, wie sich auch durch die positiven Ergebnisse der externen Evaluation des Projekts belegen lasse.

Grundlage für die Anerkennung hochschulischer Leistungen aus dem Ausland ist die sogenannte Lissabon-Konvention von 1997. Das „Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region“ wurde 2007 von Deutschland ratifiziert und in Bundesrecht überführt. Die Bologna-Erklärung von 1999 zur Schaffung eines gemeinsamen Hochschulraums leitete darüber hinaus eine Reihe von Reformen zur Harmonisierung von Abschlüssen und zur Erleichterung der studentischen Mobilität ein.

Seither wurden zahlreiche Maßnahmen, Projekte und Strategien zur Erhöhung der Studierendenmobilität und der Verbesserung der Anerkennungspraxis in den Hochschulen implementiert. In Vorträgen, Workshops und Diskussionen konnten sich die rund 120 Teilnehmer der Tagung unter anderem über transparente Anerkennungsverfahren, Mobilitätsfenster, angemessen formulierte Lernergebnisse, flexible Studienprogramme und gute Praxis informieren und austauschen.

Hervorgehoben wurde auf der Tagung darüber hinaus die Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen allen Beteiligten in der Hochschule, die mit Anerkennung und Mobilität beschäftigt sind, – gilt es doch, frühzeitig den komplexen Abstimmungsbedarf zu berücksichtigen. Aus diesem Grund spielt auch der stetige Austausch in fach- wie auch hochschulübergreifenden, nationalen wie internationalen Netzwerken eine ebenso wichtige Rolle wie lebendig gestaltete Hochschulpartnerschaften.

 „Wir brauchen eine curriculare Offenheit und dürfen nicht zu sehr an engen Richtlinien festhalten“, sagte Professor Andreas Musil, Vizepräsident für Lehre und Studium an der Universität Potsdam und Vorsitzender des Runden Tisches „Anerkennung“ bei nexus in der abschließenden Fishbowl-Diskussion. Gleichzeitig müsse klar sein, dass die Studierenden für ihren Studienerfolg selbst verantwortlich seien, nicht die Hochschulen, deren Aufgabe es aber sei, entsprechende Rahmenbedingungen bereitzustellen. Es läge jedoch in der Verantwortung der Hochschulen, Auslandsaufenthalte ihrer Angehörigen systematisch im Sinne eines internationalen Dialogs zu fördern, sagte Dr. Heike Tauerschmidt, Leiterin des International Office an der Hochschule Bremen: „Es ist ein Privileg, durch Programme wie ERASMUS mit europäischen Partnern wissenschaftlich mobil sein zu können.“ Allerdings, so ein Fazit der Abschlussdiskussion, gelte es für Hochschulen verstärkt, auch neue Formen der Mobilität und der interkulturellen Erfahrung bereits „zu Hause“ zu ermöglichen, nicht nur während eines klassischen Auslandssemesters.

Dass ein „Klassiker“ wie die Anerkennung bis heute so viele in den Hochschulen bewege, mache deutlich, wie schwierig es sei, passende Regelungen zu finden und diese im Hochschulalltag so sinnvoll umzusetzen – damit sich längerfristig daraus eine eigene institutionelle Anerkennungskultur herausbilden könne.



Vortragsfolien, Reflexionen und Ergebnisse

Keynote
Mobilität und Anerkennung seit Lissabon und Bologna: Chancen und Herausforderungen für Hochschulen
Dr. Heinz Kasparovsky, österr. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Leiter der ENIC-NARIC Österreich

Zusammenfassung

Zusammenfassung

Als Freund des nexus-Projekts bekannte sich Heinz Kasparovsky vom österreichischen Bildungsministerium zu Beginn seiner Keynote, die die Herausforderungen und Chancen von Anerkennung Mobilität ins Zentrum stellte. Er betonte mit der Frage, wie viel Anerkennung gewollt bzw. möglich ist, insbesondere das Spannungsfeld zwischen zu großzügiger und zu strenger Anerkennung. Beides bringe Probleme mit sich, die entweder mit dem Verlust an Qualität der Studiengänge oder mit dem Verlust von Energie und Lebenszeit von Studierenden einhergehen.

Das zweite Spannungsfeld verortete Kasparovsky zwischen zentralen Regularien (Lissabon-Konvention, Gesetze) und der dezentralen Durchführung durch „konkrete Menschen“, die nicht mathematisch genau urteilen könnten, sondern immer auch einen Ermessensspielraum hätten. Zum Abschluss plädierte er im Zweifelsfall, also nach sorgfältiger Abwägung, „in dubio pro reo“ bzw. pro Studierende zu urteilen und Anerkennung zu gewähren. Es gelte, Zeitverlust für die Studierenden zu vermeiden, Geleistetes und Erlerntes einzubeziehen und damit die Motivation für internationale Studienaufenthalte zu erhöhen.