Monitoring: Ein Beitrag zur Erhöhung des Studienerfolgs. Bestandsaufnahme, Bedingungen und Erfahrungen

Monitoring: Ein Beitrag zur Erhöhung des Studienerfolgs. Bestandsaufnahme, Bedingungen und Erfahrungen

25. November 2016, Berlin

Empirische Daten zum Bildungsverlauf und Studienerfolg ihrer Studierenden werden für die Hochschulen immer wichtiger. Die Einbindung eines datengestütztes Monitoring in einen strategischen Gesamtzusammenhang erweist sich dabei als förderlich. Über Erfahrungen, Bedingungen und Erfolgsfaktoren für ein multidimensionales Monitoring haben sich Ende November bei einer vom Projekt nexus in Kooperation mit der Freien Universität Berlin wegen der starken Nachfrage bereits zum zweiten Mal durchgeführten und erneut gut besuchten Tagung mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen und Politik intensiv ausgetauscht. Die Akzeptanz von Monitoring steige, wenn aus den Analysen Konsequenzen gezogen würden. Bedingung dafür sei, dass die Ziele der Erhebung und Auswertung von Daten für alle Beteiligten transparent seien.

Die Ergebnisse der Tagung werden nachfolgend dokumentiert. Für 2017 ist eine weitere Veranstaltung zu dem Thema vorgesehen.

Grußwort

Univ.-Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin

Alt Grußwort (PDF)

Sehr geehrter Herr Tauch,
sehr geehrter Herr Dr. Zervakis,
verehrter Herr Prof. Apostolopoulos,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

es freut mich sehr, Sie erneut zu einer Tagung des Projekts nexus an der Freien Universität Berlin begrüßen zu dürfen. Anknüpfend an die erste Monitoring-Tagung vom Dezember 2015 werden Sie heute den Dialog zur Nutzung empirischer Daten innerhalb und außerhalb von Hochschulen fortsetzen. Dem Veranstaltungsteam der Hochschul-rektorenkonferenz und des Centers für Digitale Systeme der Freien Universität ist es wieder gelungen, ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Vorträgen und Gesprächsrunden zusammenzustellen.

Das von Ihnen gewählte Thema lädt zur Betrachtung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ein. Als Präsident einer Universität, die systemakkreditiert ist und stark in datengestützte Systeme investiert, erlaube ich mir zum Auftakt dieser Konferenz ein paar kritische Bemerkungen zum Beitrag des Monitorings – ohne die Problematik von Studienabbrüchen an sich in Frage stellen zu wollen.

Studienabbrüche sind aus gesellschaftlicher Perspektive nicht erwünscht. Die Politik fordert nicht nur, dass für immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten Studienplätze zur Verfügung gestellt werden – sie fordert selbstverständlich auch, dass das aufgenommene Studium erfolgreich beendet wird. Akademischen Abschlüssen kommt auf dem Arbeitsmarkt ein immer wichtigerer Stellenwert zu: Mehr als jede/r vierte Erwerbstätige in Deutschland hat heute einen Hochschulabschluss. Angesichts von Milliardenprogrammen, mit denen Bund und Länder den Ausbau von Studienplätzen unterstützen wird die Messlatte für die von der Politik eingeforderten Erfolge immer höher gehängt. Die Hochschulen werden in die Pflicht genommen – ihnen wird die Verantwortung für den Studienerfolg von immer mehr Studierenden übertragen. Wenn die Absolventenzahlen nicht in gleichem Maße steigen wie der Aufwuchs der Kohorten, werden hierfür – natürlich – die Hochschulen verantwortlich gemacht.

An deutschen Universitäten liegen die Abbruchquoten heute bei etwa einem Drittel, an Fachhochschulen bei knapp 25 Prozent. Diese Quoten entsprechen durchaus denen in der nicht-akademischen Berufsausbildung und liegen damit also in einem vergleichsweise „normalen“, wenn auch sicher nicht erstrebenswerten Rahmen.

Meiner Ansicht nach hängt der Studienerfolg weder von einer Hochschule noch von einer Studierenden bzw. einem Studierenden allein ab. Studienerfolg ergibt sich vielmehr aus einem Wechselspiel, das von zahlreichen Einflüssen geprägt wird. Sehr häufig haben wir es mit sich überlagernden Effekten zu tun: Studienanfängerinnen und -anfänger „verwählen“ sich, sie beginnen ihr Studium mit einer falschen Erwartung an das Fach oder sie schreiben sich erst einmal „irgendwo“ ein und entscheiden sich erst später für das Fach, das sie tatsächlich studieren möchten. Umso wichtiger erscheint es, die jungen Menschen in ihren Orientierungs-, Such- und Entscheidungsphasen zu unterstützen. Viele Hochschulen haben deshalb Maßnahmen eingeleitet, die bei Orientierungsangeboten, bei der Gestaltung der Studieneingangsphase und bei der Stärkung der Studienmotivation ansetzen.

Wir beobachten eine kontinuierlich wachsende Studienneigung, die mit der Abkehr von Berufsausbildung und anderen Wegen in den Beruf einhergeht. Bei einem wachsenden Anteil an Studierenden ist es naheliegend, dass es auch eine größere Zahl an jungen Menschen gibt, die nicht nur in einem anderen Fach, sondern vielleicht in einem anderen Ausbildungsprogramm (vorerst) besser aufgehoben sind.

Fach- oder auch Hochschulwechsel sollten aus hochschulpolitischer Sicht nicht gleich negativ bewertet werden: Sie bedeuten noch nicht den Abbruch des Studiums insgesamt, sondern sind vielmehr Ausdruck einer durchaus wünschenswerten biographischen oder räumlichen Studierendenmobilität bzw. -flexibilität.

An der Freien Universität Berlin sehen wir derzeit sehr deutlich, dass die erhöhten Aufnahmezahlen bei Studienanfängerinnen und -anfängern zu einem deutlich erhöhten Schwund führen. Dies kann sicher auf eine schlechtere Betreuungssituation zurückgeführt werden – aber nicht nur! Ein Studienabbruch sollte nicht mit einem generellen Scheitern des beruflichen Lebensweges gleichgesetzt werden. In der Tat wäre vielen geholfen, wenn es flexiblere Regelungen für einen Wechsel beispielsweise aus der Universität in die betriebliche Ausbildung oder in andere Karrierewege gäbe.

Selbstverständlich sehen wir uns als Universität sowohl der Gesellschaft als auch unseren Studierenden gegenüber verpflichtet, einen Beitrag zur Vermeidung von Umständen zu leisten, die den Studienabbruch fördern könnten. Genau hier setzt das Monitoring an: Datengestützte Analysen helfen uns, Faktoren zu identifizieren, die wir als Universität beeinflussen können.

Hochschulinterne Ursachenanalysen sind aufwendig. An der Freien Universität verfügen wir über ein sehr professionelles und ausgefeiltes Berichts- und Qualitätsmanagement-System mit enger Einbettung in die zentralen Steuerungsprozesse. Wir haben langjährige Erfahrungen mit solchen Instrumenten und deren Anwendung.

Datengestützte Analysen spiegeln unser „gefühltes Wissen“ und geben uns Anlass zur kritischen Reflektion der Studiensituation insgesamt. Das Monitoring hilft uns dabei, Informationen zu den Vorkenntnissen, Erwartungen und zur Motivation von Studienanfängerinnen und -anfängern zu gewinnen. Es bietet Einblick in das Studierverhalten und erlaubt Rückschlüsse auf die Wirksamkeit von Orientierungs- und Beratungsangeboten. Studienverlaufsdaten sind für das Qualitätsmanagement der Hochschulen mindestens ebenso wichtig wie für die empirische Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

So wichtig die Analyse von Daten und Indikatoren für die Unterstützung und Begleitung der Hochschulsteuerung ist, so sehr möchte ich davor warnen, Hochschulentwicklung und -finanzierung darauf zu reduzieren. Quantitative Output-Indikatoren beschreiben die Wirklichkeit an unseren Hochschulen und deren Entwicklung nur sehr eingeschränkt.

Wir sollten die Ergebnisse des Monitorings deshalb nicht überschätzen Für die Erhebungen kann noch so viel Personal bereitgestellt werden, und die erfassten Daten können noch so kleinteilig sein – eine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung lässt sich daraus nicht zwangsläufig erkennen. Wir sollten also nicht allzu „datengläubig“ an die Diskussion zum Studienerfolg herangehen, sondern auch das Alltagswissen wertschätzen. Und wir sollten realistisch einschätzen, was wir tatsächlich steuern und beeinflussen können.

Aus unseren eigenen Erhebungen und Beobachtungsversuchen wissen wir, dass sich mit wachsender Semesterzahl das Konstrukt „Kohorte“ immer weiter verläuft, weil das individuelle Verhalten von Studierenden immer stärker durchschlägt und mit wachsenden Fachsemestern eine immer kleinere Zahl von Studierenden einen Standardverlauf nach Musterstudienplan aufweist. Für diese vielfältige und „bunte“ Realität brauchen wir mehr „atmende“ Strukturen und weniger Starrheit. Und wir sollten uns von dem Glauben lösen, diese Realität durch ein kleinteiliges, modulbezogenes Monitoring messen und beschreiben zu können.

Hochschulintern haben wir es mit einer immer größeren Diversifizierung der Studierendengruppen zu tun. Studierende, die sich für die Wissenschaft qualifizieren möchten, stehen neben solchen, die einen Weg in die Berufspraxis außerhalb des Wissenschaftssystems suchen. Durch die höheren Anteile von Studierenden an der Gesamtbevölkerung nimmt die Diversität in Bezug auf persönliche Hintergründe, Bildungsvorlauf, Studienmotivation, Sprachkenntnisse etc. zu. Hierauf muss die Universität mit einer hohen Binnendifferenzierung im Rahmen ihrer Angebote reagieren, ohne aber jeweils spezifische Angebote machen zu können, weil dafür die Gruppen zu klein sind oder sich die Unterscheidungsmerkmale der Messbar- oder auch Definierbarkeit entziehen bzw. zu sehr in persönliche Belange der einzelnen Personen eingreifen.

In jedem Fall ist sorgfältig abzuwägen, welche Datenkategorien erfasst werden sollen und welche Erklärungs- und Interventionsansätze diese eigentlich liefern können. Es macht keinen Sinn, mit viel Aufwand Daten auszuwerten, die letztlich kaum zusätzliche Erklärungen bieten. Eine gewisse Selbstbeschränkung erscheint also durchaus angebracht.

Sinnvoll sind hingegen der kontinuierliche Dialog und regelmäßige Befragungen von Studierenden, Exmatrikulierten und Absolventen, wie wir es in unserem Qualitätssystem fest verankert haben. Die Qualität dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, wenn wir die Studienerfolgsquote verbessern möchten. Eine Steigerung der Absolventenzahlen darf schließlich nicht mit einer Absenkung unserer akademischen Standards einhergehen. Anderenfalls würden wir das Qualifikationsniveau unserer Absolventinnen und Absolventen gefährden und den Erwartungen sowohl des Arbeitsmarktes als auch der Politik und der Gesellschaft nicht gerecht werden.

Als Fazit möchte ich festhalten: Moderne und professionelle Hochschulsteuerung kann auf solide und methodenbasierte empirische Befunde und datengestützte Analysen nicht verzichten. Genauso wichtig ist aber ein sehr reflektierter und bewusster Umgang mit diesen Informationen und deren Einbettung in qualitative Betrachtungen, um Fehlsteuerungen zu vermeiden.

Zu dieser Reflektion möchte ich uns alle ermuntern. Es würde mich sehr freuen, wenn die heutige Tagung einen Beitrag hierzu leisten könnte. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, zahlreiche neue Erkenntnisse, hilfreiche Anregungen für die Praxis und einen intensiven Dialog zu diesem aus hochschulpolitischer Sicht sehr wichtigen Thema.

Impuls 1: Institutionalisierung nachhaltiger Monitoring-Verfahren

Dr. Ulrich Heublein, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH

Impuls 1:
"Institutionalisierung nachhaltiger Monitoring-Verfahren: Voraussetzung für die Erhöhung des Studienerfolgs"

Heublein Präsentation (PDF)

Die kontiniuerliche Analyse jener Bedingungen, die den Studienverlauf bestimmen, ermöglicht unter bestimmten Bedingungen eine effiziente Beeinflussung des Studienerfolgs. Allerdings sind mit einem institutionalisierten Studienverlaufsmonitoring nach wie vor viele Fragen in Bezug auf Bedarf und Notwendigkeit, Legitimität und Datenschutz, vor allem aber hinsichtlich der methodischen Möglichkeiten verbunden. Zu den zentralen Problemen gehört dabei die Einhaltung von Qualitätsstandards, dazu zählen unter anderem Kontinuität, Professionalität und Standardisierung. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Studieneingangsphase, deren Auswirkung auf den Studienerfolg unbestreitbar ist. An ihr lässt sich nicht nur exemplarisch darstellen, welche Vorteile ein institutionalisiertes Monitoring mit sich bringt, sondern auch welche Voraussetzungen dafür zu schaffen sind.

Gesprächsrunde: Bedeutung institutioneller Strategien für Studiengangs-Monitoring

Gesprächsrunde 1:
"Bedeutung institutioneller Strategien für Studiengangs-Monitoring"

  • Jann Bruns, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
  • Marcus Breyer, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Prof. Dr. Elke Hörnstein, HAW Hamburg
  • Dr. Susanne Klöpping, Universität Stuttgart

Abstracts der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (PDF)

  1. Studiengang-Monitoring sollte dezentral und ggf. auch freiwillig angelegt sein, um die Akzeptanz unter den Lehrenden zu sichern. Die Fächer müssen vom Mehrwert eines Studiengang-Monitorings überzeugt werden. Denn Indikatoren für einen drohenden Studienabbruch hängen stark von der Fakultät und dem jeweiligen Studienfach ab. Die im Monitoring erhobenen Daten können im fächerspezifischen Kontext sehr unterschiedliche Bedeutung haben.
  2. Studienabbrecher sind oft nicht erfolglos. Der Studienabbruch kann je nach hochschulspezifischem Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben. So ist ein vorzeitiger Abbruch des Studiums an einer Kunst- oder Musik-Hochschule meist mit einem frühzeitigen Engagement bzw. Jobangebot begründet und damit ein Zeichen für Studienerfolg. Allerdings sind die dortigen Auswahlkriterien für eine Aufnahme auch sehr viel strenger und selektiver.
  3. Zunächst sollte transparent festgelegt werden, welchem Zweck das Monitoring dient. Die Nutzung bestehender Datensätze ist erfolgsversprechender als stets neue Daten zu erheben (Gefahr von Datenfriedhöfen). Zur Verbesserung der Lehre und der Studiengänge sollte ein sog. „Bottom-up“-Ansatz verfolgt werden, der auf Freiwilligkeit der Lehrenden beruht. 
Impuls 2: Möglichkeiten und Grenzen des Datenschutzes

Prof. Dr. Gabriele Beger, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky

Impuls 2
"Möglichkeiten und Grenzen des Datenschutzes"

Beger Präsentation (PDF)

Das „Gesetz über die Statistik für das Hochschulwesen sowie für die Berufsakademien (Hochschulstatistikgesetz - HStatG)“ in der Fassung von 2016 bietet nach seiner Zweckbestimmung „Entscheidungsgrundlagen für eine evidenzbasierte Forschungs- und Wissenschaftspolitik und dient der Kapazitäts- und Finanzplanung im Hochschulbereich, der Qualitätssicherung der Hochschulbildung, der Planung von Maßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie der Mobilität im Hochschulbereich und der Sicherung der Chancengleichheit von Frauen in Führungspositionen“. Dazu sollen detaillierte personenbezogene Daten über den Studien- und Forschungsverlauf hinausgehend gespeichert und ausgewertet werden. Die damit einhergehende datenschutzrechtliche Würdigung ist Gegenstand des Vortrages. Vor dem Hintergrund der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft tritt, sind vielfältige, zum Teil weitergehende datenschutzrechtliche Voraussetzungen als bisher zu beachten. Dies betrifft sowohl den höheren Standard der Auskunfts- und Informationspflichten an die Betroffenen, der IT-Sicherheit, der Verfahrensbeschreibungen als auch der Datenerhebung und Datenverarbeitung selbst. Die sich daraus ergebenen Fragestellungen werden in dem Vortrag „Monitoring – Möglichkeiten und Grenzen des Datenschutzes“ erörtert.

Gelungene Praxisansätze 1: Kreditquoten-Monitoring an der Fachhochschule Kiel

Podium
"Gelungene Praxisansätze aus den Hochschulen"

Kreditquoten-Monitoring an der Fachhochschule Kiel
Prof. Dr. Wolfgang Huhn,
Fachhochschule Kiel

Huhn Präsentation (PDF)

„Quality is what happens while you make other plans”

Die Identifikation bzw. Entwicklung und Nutzung von Kennzahlen folgt den (Qualitäts-) Zielen der jeweiligen Hochschulstrategie. Die Fachhochschule Kiel hat die Vision, die „Exzellenzhochschule für Lehre im Norden“ zu werden. Dabei orientiert sie sich für die Zielerreichung an 8 entsprechenden Leitsätzen.

Will man sich nicht nur auf sein Gefühl verlassen, ob die Hochschule auf dem Weg zur Erreichung dieses Ziels ist, stellt sich die Frage, wie kann ich den Fortschritt objektivieren? Über welche Kennzahlen verfüge ich, welche davon sind tatsächlich relevant, hinreichend zeitnah, aufwandseitig handhabbar, leicht nachvollziehbar und helfen Hochschulleitung, Fachbereichen bzw. Studiengängen zu erkennen, ob sie auf dem richtigen Weg sind? Dafür bieten sich neben anderen Daten auch Kreditquoten im Rahmen eines Qualitäts-Monitors an, da sie zeitnah Hinweise auf mögliche strukturelle Schwächen und notwen-dige Korrekturen geben können.

Gelungene Praxisansätze 2: Studienerfolgsmonitoring an der Universität Bremen

Podium
"Gelungene Praxisansätze aus den Hochschulen"

Studienerfolgsmonitoring an der Universität Bremen
Prof. Dr. Thomas Hoffmeister,
Universität Bremen

Hoffmeister Präsentation (PDF)

Im Zuge der Systemakkreditierung hat die Universität Bremen ihr Monitoring vorn Studierendendaten umgestellt und verfeinert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Informationen über Studienverläufe und –abbrüche bzw. –erfolge statisch jahresweise erhoben, mit den entsprechenden Verzerrungen. Inzwischen verfolgen wir pseudonymisierte Jahrgangs-Kohorten von Studierenden in Bezug auf Studienverläufe, sowie –wechsel und -abbrüche und deren Zeitpunkte und filtern dabei die Daten in Bezug auf prüfungsaktive Studierende. Wir gewinnen nun Informationen über Studienwechselbewegungen innerhalb der Hochschule und Übergänge zu Masterstudiengängen. Ebenso können wir in mehrjährigen Statistiken die Absolventenquoten und den CP-Erwerb verschiedener Studiengänge vergleichen. Zusätzlich erhalten wir Informationen über erfolgreiche und wenig erfolgreiche Studienverläufe sowie erfolgskritische Module. All dies wird im QM der Fachbereiche und in den Qualitätsgesprächen zwischen Fachbereichen und Hochschulleitung genutzt. Weiterhin jedoch bleiben wir blind für die Herausforderung der Diversität unserer Studierenden, so dass wir nur indirekt über Quest-Umfragen Hinweise darüber bekommen, wie Diversitätsmerkmale mit Studienverlauf und -erfolg korrelieren.

Gelungene Praxisansätze 3: Erfahrungen der Universität Hannover mit QUEST und SQM

Podium
"Gelungene Praxisansätze aus den Hochschulen"

Erfahrungen der Universität Hannover mit dem CHE-Studierendenbefragungsinstrument QUEST und dem Studienqualitätsmonitor SQM

Prof. Dr. Elfriede Billmann-Mahecha, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover

Billmann-Mahecha Präsentation (PDF)

Berichtet wird zum einen über die Erfahrungen mit dem CHE-Studierendenbefragungsinstrument QUEST. Die Leibniz Universität hat zweimal mit sehr guten Rücklaufquoten an der QUEST-Befragung teilgenommen. Die Ergebnisse sind sowohl für die Fakultäten als auch für die zentralen Einrichtungen hoch interessant und bieten, wie exemplarisch ausgeführt wird, wertvolle Informationen für verschiedene Maßnahmen im Bereich des Diversity-Managements sowie Hinweise auf weitere Unterstützungsbedarfe. Zum anderen wird über Erfahrungen mit dem Studienqualitätsmonitor SQM berichtet, an dem die Leibniz Universität seit 2007 teilnimmt.

Die Ergebnisse sind eine gute Ergänzung des internen Qualitätsmonitorings und erlauben darüber hinaus einen Vergleich mit Bundesdurchschnittswerten. Allerdings sinken bundesweit die Rücklaufquoten, so dass diese Vergleiche an Aussagekraft verlieren. Aufgrund der geringen Fallzahlen sind auch Auswertungen für einzelne Fächer oder Fachgruppen nur begrenzt sinnvoll.

Zu nennen wären – neben den regelmäßigen Lehrveranstaltungsbewertungen – schließlich noch folgende Befragungen, die die Leibniz Universität jährlich durchführt: Online-Befragung der Studienbewerberinnen und -bewerber, Absolventenbefragung (im Rahmen von INCHER Kassel) sowie anlassbezogene dezentrale Befragungen.

 

 

Abschlussdiskussion: Erfolgreiche Kooperationen im Datenmanagement

Abschlussdiskussion
"Erfolgreiche Kooperationen im Datenmanagement: Voraussetzung für gelingendes Monitoring"

  • Prof. Dr.-Ing. habil. Ulrike Lucke, Universität Potsdam
  • Dr. Stefan Niermann, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
  • Prof. Dr. Philipp Pohlenz, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Heinrich Schullerer, Zentrale Datenschutzsstelle der baden-württembergischen Universitäten (ZENDAS)

Abstracts der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (PDF)

Lessons learned:

  1. Die Frage, was Studienerfolg im jeweiligen Zusammenhang bedeutet, sollte vor der Erhebung und Auswertung von Studienverlaufsdaten geklärt sein.
  2. Monitoring sollte in einen strategischen Gesamtzusammenhang der Hochschule eingebunden sein.
  3. Daten sollten sinnvoll heruntergebrochen werden: Aussagen über eine ganze Hochschule sind in der Regel nicht möglich, weil Bedingungen in den Fachbereichen zu unterschiedlich sind.
  4. Gutes Monitoring braucht Zeit: Die Auswirkungen von neu eingeführten Maßnahmen können in der Regel nicht im nächsten Semester abgelesen werden.
  5. Die Akzeptanz von Monitoring steigt, wenn es aus den Erhebungen Konsequenzen gezogen werden. Es gilt, Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

Der nexus-Newsletter 5/2016 vertieft die in der Tagung gewonnenen Erkenntnisse mit weiteren Informationen: In einem Interview plädiert Datenschützer Heinrich Schullerer dafür, die Erhebung und Speicherung von Daten stets zu hinterfragen. Prof. Dr. Elfriede Billmann-Mahecha macht sich in einem Kommentar dafür stark, die soziale Dimension des Studierendenmonitorings nicht zu vernachlässigen.

Frau Prof. Dr. Elke Hörnstein und ihr Projektteam von der HAW Hamburg haben die Entwicklung ihres auf der Veranstaltung als Good Practice-Beispiel vorgestellten Studiengang-Monitorings, das Studienverläufe mitteils eines hierarchischen Kennziffernsystems auf Basis von ECTS-Punkten veranschaulicht, in einem soeben erschienenen Buch zusammengefasst. Nach Vorstellung der Ideen, des Modells und der leicht verständlichen Grafiken, mit denen die Kennziffern visualisiert werden, werden die Erfahrungen bei der Anwendung des Modells, die mittlerweile auf Analysen in 28 Bachelor-Studiengängen mit ca. 17.000 Studierenden beruhen, dargestellt. Sie umfassen einerseits studiengangsübergreifende Erkenntnisse und andererseits die aufgrund der Erkenntnisse möglichen Maßnahmen. Die Erläuterungen sind gegliedert in Ergebnisse zur Studieneingangsphase, zum Studierverhalten in der Regelstudienzeit und zum Studienabschluss.

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