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Kompetenzorientierung in den Geistes- und Kultur­wissenschaften

Reflexion: Dr. Peter A. Zervakis, Hochschulrektorenkonferenz / nexus
Der erste Impulsvortrag setzte sich auf Grundlage der gemeinsamen Stellungnahme von vier Fakultätentagen (2016) differenziert mit dem Kompetenz- und Bildungsbegriff in den Geistes- und Kultur­wissenschaften auseinander. Die organisierten Geistes- und Kultur­wissenschaften haben darin eine institutionelle Perspektive von Studium und Lehre entwickelt („Universität als Ort der Bildung“), die das „Bildungserlebnis bzw. -erfahrung“ und die „Gesamtpersönlichkeit“ („Subjektorientierung“ von Lehrenden und Lernenden) sowie die „Berufsbefähigung“ im Sinne eines Erwerbs von Expertise (keine Generalisten!) in den Blick nimmt.

Der zweite Vortrag nutzte die Kompetenzdebatte als Hintergrund für ein praktisch umsetzbares Angebot für mehr Interdisziplinarität in der Hochschullehre: Mit dem Postulat der Förderung sog. „interdisziplinärer“ Kompetenzen („eigene Denkstile entwickeln“) sollen fachübergreifende soziale und personelle ebenso wie fachimmanente Kompetenzen entwickelt werden als Grundlage für das eigene reflektive (d.h. nicht meßbare) Handeln der Studierenden und Absolventen für Beschäftigungsbereiche sowohl innerhalb der Wissenschaft (Forschung und Lehre) als auch in der weiteren Arbeits- sowie Berufs- und Beschäftigungswelt.

Nach einer längeren Diskussion auf Grundlage eines Sets von Leitfragen (siehe unten) und Kritik an den institutionellen Rahmenbedingungen (Deputatsregelungen, Modulgrößen etc.) einigte sich das Forum auf die Empfehlung: Jenseits der geforderten Kompetenzorientierung sollen in Lehre und (Selbst-)Studium konkrete Freiräume definiert werden für den sinnvollen Umgang mit dem „Subjektiven“. Nur so lassen sich eigene Bildungserfahrungen, Selbstreflexion (einschließlich des Umgangs mit dem Scheitern) und individuelle Denkstile entwickeln, die zur Selbstvergewisserung im Umgang mit Menschen (Relevanz, Methodenvielfalt, Pluralität der Ansätze und Kompetenzen) führen können.

Leitfragen:

  1. Was bedeuten die unterschiedlichen Eingangskompetenzen der Studierenden für die Lehre? Hat sich die Lehre in den Geistes- und Kultur­wissenschaften als Folge der Herausforderung durch die Heterogenität verändert?
  2. Welche (Ausgangs-)Kompetenzen werden von den Absolventen geistes- und kulturwissenschaftlicher Studiengänge erwartet?
  3. Welche Lehr- bzw. Methoden-, Lern- und Prüfungsformate können den Kompetenzerwerb fördern?
  4. Was bedeutet Kompetenzorientierung für die Lehrenden? Gibt es einen Widerspruch zwischen Bildung und Kompetenz? Welche Projekterkenntnisse und persönliche Erfahrungen eignen sich besonders, um die Veränderungsprozesse in der Lehre zu unterstützen? Welchen Einfluss haben entsprechende Formulierungen in den jeweiligen Modulhandbüchern auf Lehre und Prüfungen?
  5. Welche fachspezifischen Ansätze und Anreize gibt es in den Geistes- und Kultur­wissenschaften zur Verbesserung des Kompetenzerwerbs der Studierenden?
    Wie unterscheiden sich diese von institutionellen Ansätzen? Wie sollen Hochschulen mit der Diversität der Studierenden umgehen?