Monitoring

Monitoring: Ein Beitrag zur Erhöhung des Studienerfolgs? Bestandsaufnahme, Bedingungen und Erfahrungen

11. Dezember 2015, Berlin

Wie können empirische Daten zum Bildungsverlauf von Studierenden genutzt werden, um ihren Studienerfolg zu verbessern? Diese Frage stand im Zentrum einer gemeinsamen Tagung des HRK Projekts nexus mit der Freien Universität Berlin.

Hintergrund der von gut 200 Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen, Politik und Sozialforschung besuchten Veranstaltung ist die bevorstehende Änderung des Hochschulstatistikgesetzes. Diese sieht unter anderem die Einführung einer Studienverlaufsstatistik für die gestuften Studiengänge vor. Dafür soll der Merkmalskatalog zur Studierenden- und Prüfungsstatistik erweitert werden.

Die Gesetzesnovellierung wird die Möglichkeiten erweitern, aussagekräftige Daten über den Studienverlauf zu gewinnen. So könne zukünftig ermittelt werden, wie viele Studierende ihr Studium in Regelzeit erfolgreich abschließen, die Hochschule wechseln oder ohne Abschluss verlassen. Ein solches Monitoring liefert Informationen für politische Erfolgsgrößen. So zahlen mit NRW und dem Land Berlin etwa erste Bundesländer eine Prämie für jeden Absolventen, der erfolgreich einen Hochschulabschluss gemacht hat.

Da allerdings die Umstellung schon unmittelbar ab nächstem Wintersemester erfolgen soll, plädiert die HRK für einen längeren Umstellungszeitraum und verweist dabei auf die zu erwartende personelle, technische und finanzielle Mehrbelastung für die Hochschulen.

„Good Practice“: Rechtzeitige Beratungsangebote durch Frühwarnsysteme
Daten aus dem Qualitätsmanagement der Hochschulen können dabei die Leistungen der Studierenden im Rückblick effizienter beschreiben und sind eine wichtige Grundlage für die qualitätsgesicherte innerhochschulische Auswertung: Gelungene Praxisansätze aus verschiedenen Hochschulen zeigten, wie etwa Studiengangsverantwortliche und Fachbereiche/Fakultäten durch fortlaufend ausgewertete Informationen aus dem Prüfungswesen, rechtzeitig Studierende identifizieren können, deren Studienerfolg gefährdet erscheint.

So werden an der HTW Berlin Studierende, die zum zweiten Mal eine Prüfung nicht bestanden und nach zwei Fachsemestern weniger als 40 ECTS-Punkte erreicht haben, schriftlich auf bestehende Beratungsangebote hingewiesen und zu einem – nicht verpflichtenden – persönlichen Gespräch eingeladen. Eine anonymisierte Berichterstattung an die Fachbereiche über Studiengänge, Fachsemester, in denen sich die angeschriebenen Studierenden befinden und den Rücklauf an Beratungsfällen soll den Qualitätskreis schließen und den Fachbereichen Rückschlüsse für die Weiterentwicklung ihrer Angebote ermöglichen.

Weniger Studienabbrecher durch datenbasierte Steuerung?
Es wurde deutlich, dass die Politik an einer verbesserten Datenlage interessiert ist, um geeignete Instrumente zu entwickeln, mit denen die Zahl der Studienabbrecher gesenkt werden kann. Entsprechend betonte z.B. Dr. Eveline von Gäßler vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Nutzen für eine „evidenzbasierte Wissenschaftspolitik“.

Hochschulen: Quantitativer Output nicht mit Qualitätsentwicklung verwechseln
Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen bestätigten den großen Nutzen von Daten zum Studierverhalten für die Qualitätsentwicklung. Gleichzeitig warnten sie davor den Begriff des Studienerfolgs auf quantitative Zielvorstellungen – wie Absolventenzahlen und „Akademikerquote“ – zu verengen. So betonten sowohl Prof. Dr. André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin, als auch Prof. Dr. Andreas Musil, Vizepräsident an der Universität Potsdam und Vorsitzender des Rundes Tisches Anerkennung des Projekt nexus, dass Fehlschlüsse gezogen werden können, wenn neben quantitativen Verlaufsstatistiken keine weiteren Daten und Informationen berücksichtigt würden.

Keine Datenfriedhöfe
Ein Punkt, der von Seiten der Statistik-Experten bestätigt wurde. So wies Dr. Ulrich Heublein vom Deutschen Zentrum für Wissenschafts- und Hochschulforschung (DZHW) darauf hin, dass Daten nur dann einen Sinn ergäben, wenn sie in Bezug zu einem vorher klar formulierten inhaltlichen Ziel interpretiert werden. Dabei müsse das Ziel so präzise wie möglich gefasst werden. Nur dann ließen sich auch passende, messbare Indikatoren finden.

Weiterhin empfahl Heublein, „Datenfriedhöfe“ zu vermeiden. Anstatt immer neue, aufwändige Erhebungen durchzuführen, die die Hochschulen belasten und die dauerbefragten Studierenden entnervten, sollten die bereits vorhandenen Daten besser genutzt werden. Eine Forderung, die André Alt unterstützte: „Wir sollten klären, welche Daten in den Hochschulen wirklich unbedingt sinnvoll generiert und genutzt werden können, um den vielfältigen Entwicklungen und Bedarfen in der Hochschulentwicklung, der Qualitätsförderung des Studiums, der Studiengangsevaluation, des Bildungsmonitorings und der evidenzbasierten Politikberatung besser Rechnung tragen zu können.“

Dabei solle sichergestellt werden, dass mit den Daten auch tatsächlich gearbeitet würde. „Befragungen müssten Konsequenzen haben“, unterstrich Heublein. Wenn Befragte den Eindruck hätten, dass die von ihnen ausgefüllten Fragebögen nicht ausgewertet würden und sich nicht in bestimmten Maßnahmen niederschlügen, sinke auch deren Motivation, mitzuwirken.

Die Ergebnisse der Tagung werden auf der Internetseite des Projekts nexus dokumentiert. Für 2016 ist eine weitere Veranstaltung zu dem Thema vorgesehen.

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