Das Projekt ist nexus ist seit dem 30. April 2020 abgeschlossen. Alle Informationen und Texte entsprechen dem Stand zum Projektende und werden nicht weiter aktualisiert.

Reflexion der Diskussion: "Prüfungspraxis an Hochschulen: Wie sehen ideale Prüfungen aus?"

Prof. Dr. Thomas Hoffmeister, Universität Bremen

(Dr. Annika Pape & Dr. Christina Preusker, Hochschulrektorenkonferenz / nexus):

Die Realität an Hochschulen ist, ideale Prüfungen gibt es nicht. Unternommen werden kann aber der Versuch, die erwarteten Lernziele, die Lehr- und Lernformen und die Prüfungen aufeinander abzustimmen. Ist diese Abstimmung – im Sinne des sog. Constructive Alignment – erfolgreich, orientiert sich die Prüfung an den Kompetenzen, die gemäß den angestrebten Lernzielen in den Lehr-Lern-Settings gefördert werden sollten. Auch die Debatte um Anwesenheitspflichten kann im Zusammenhang mit den Constructive Alignment geführt werden: Ist eine Anwesenheit wirklich erforderlich, um das Lernziel zu erreichen?

Lehrende müssen, um Prüfungen im Sinne des Constructive Alignment kompetenzorientiert zu gestalten, eine genaue Vorstellung davon haben, welche Kompetenz auf welchem Niveau gefördert werden soll.

Niveau von Kompetenzen
Hierzu bietet es sich an, Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen mit Hilfe von Taxonomien – bspw. der von Bloom – zu formulieren. Die Bloom’sche Taxonomie umfasst sechs Niveaustufen, die in einem Modul adressiert und geprüft werden können und sollten. Bei der Überprüfung unterschiedlicher Niveaustufen ist stets eine Abwägung  zu treffen zwischen

  • einem mit höheren Niveaustufen verbundenem höheren kognitiven Beitrag der Studierenden,
  • einer mit niedrigen Niveaustufen verbunden Eindeutigkeit der Bewertung und
  • einem mit höheren Niveaustufen verbunden steigendem Zeitaufwand.

Das heißt, je höher der kognitive Beitrag der Studierenden, desto aufwändiger ist die Erstellung von Prüfungsfragen und weniger eindeutig ist die Bewertung der Antworten. Höhere Kompetenzstufen zu prüfen ist sowohl für Lehrende als auch für Studierende mit zeitlichem Aufwand (Lernaufwand und Erstellungs- sowie Korrekturaufwand) verbunden: Eine Studie der TUM aus dem Jahr 2015 zeigt, dass Lehrende sich im Durchschnitt 30 Minuten auf eine Prüfung vorbereiten und Studierende erst kurz vor der Prüfung mit dem Lernen beginnen – eine Überprüfung hoher Kompetenzniveaus findet demnach nicht statt.

Zu fördernde Kompetenzen
Welche Kompetenzen sollen in einem Modul gefördert werden und in welchem Zusammenhang steht das eigene Modul mit dem Kompetenzportfolio, welches nach Abschluss des Studiums von den Absolventen und Absolventinnen erwartet wird?
Hierzu hat die Universität Bremen 2012 ein Projekt durchgeführt in welchem Lehrende von einer Studentin

  • zu den Lernzielen ihres Moduls und
  • zu erwarteten Kompetenzen von Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss befragt wurden.

Die Ergebnisse wurden im Anschluss anonymisiert.

Es hat sich gezeigt, dass die Lernziele der Modulbeschreibungen zu den Veranstaltungsinhalten passten. Es konnte jedoch ein Mismatch zwischen den insgesamt erwarteten Kompetenzen und dem Beitrag der eigenen Lehrveranstaltung im Curriculum festgestellt werden. Aufzulösen wäre das Problem durch eine Konferenz der Lehrenden in einem Studiengang, um sich gegenseitig zu vergewissern, welche Kompetenzen wann und wie gefördert werden.

Absprachen zwischen Lehrenden sind auch mit Blick auf unterschiedliche Lehr- und Prüfungsformen relevant: Die Wahl der Lehrform hat einen direkten Einfluss auf die Kompetenzen, die allein durch das Lehrsetting gefördert werden (bspw. Planspiele). Auch die Wahl der Prüfungsform bedarf der Abstimmung, um zum einen die Zeitpunkte der Prüfungen im Semester möglichst zu verteilen und zum anderen methodische Vielfalt zu generieren. Nur Teilprüfungen oder nur Abschlussprüfungen sollten vermieden werden.

Als Fazit wurde gezogen:

Die „ideale“ Prüfung

  • nimmt Bezug auf erwartete Lernergebnisse
  • fügt sich von der Form ein in ein Portfolio verschiedener Prüfungsformen im Studiengang
  • adressiert Teilgebiete der Studiengangskompetenzen
  • verteilt Lernverhalten über das Semester
  • berücksichtigt den Lernaufwand im Studiengang.

zurück