Das Projekt ist nexus ist seit dem 30. April 2020 abgeschlossen. Alle Informationen und Texte entsprechen dem Stand zum Projektende und werden nicht weiter aktualisiert.

Einführung

Dr. Peter Zervakis, Hochschulrektorenkonferenz / nexus

Warum veranstaltet das Projekt nexus der HRK mittlerweile die dritte Fachtagung zum kompetenzorientierten Prüfen?

Wir vom Projekt nexus/HRK sind der Auffassung, dass Prüfungen eine Schlüsselstellung für die Qualität der Lehre an Hochschulen einnehmen, denn Prüfungen haben eine Steuerungsfunktion sowohl für das Lehren wie für das Lernen der Studierenden. Das ist der Grund, weshalb wir – und hier nehmen wir direkten Bezug auf den Wissenschaftsrat und seinen ehemaligen Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Manfred Prenzel, – die Qualität der Prüfungen als das entscheidende Erfolgskriterium der kompetenzorientierten Lehre ansehen.

Leider gibt es in Deutschland derzeit nur sehr wenig Forschung und Daten über die Art und Weise, wie Prüfungen von den Lehrenden gestaltet und genutzt und von den Studierenden vorbereitet und bearbeitet werden. Aber soweit ist schon erkennbar, dass Steuerungsmöglichkeiten von Prüfungen für das Lehren und Lernen bisher weitgehend ungenutzt bleiben. Fünf Gründe lassen sich dafür finden:

  1. Prüfungen werden von den Lehrenden oft als „lästiges Anhängsel an die Lehrveranstaltung“ angesehen. Dementsprechend wird die wohl am häufigsten genutzte Prüfungsform, die Klausur, meist erst mit dem Ende der Veranstaltung erstellt und es wird relativ wenig Zeit für die Prüfungserstellung investiert.
  2. Der Korrektur- und Auswertungsaufwand wird von den Lehrenden als sehr hoch beklagt, aber es fehlt an etablierten Verfahren, um diesen abzubauen. Gemeinsame Anstrengungen zur Prüfungserstellung (z. B. Erstellung von Datenbanken, Austausch von Prüfungsfragen) finden extrem selten statt.
  3. Bei der Prüfungserstellung wird vorwiegend auf Foliensätze, Vorlesungsskripte und Lehrbücher zurückgegriffen. Nur selten erfolgt eine Rückbindung an die Zielbeschreibungen in den Modulhandbüchern.
  4. Bei der Korrektur und Auswertung von Klausuren bleiben einfache statistische Auswertungsverfahren ungenutzt, um Hinweise auf die Qualität der Fragen zu gewinnen (z. B. Schwierigkeit und Trennschärfe).
  5. Studierende betrachten bei der Prüfungsvorbereitung das Bearbeiten von „Altklausuren“ immer noch als besonders hilfreich. Aber welche Kompetenz wird denn erfasst, wenn dieses Vorgehen erfolgreich ist?

Erinnern wir uns an ein wesentliches Merkmal der Europäischen Studienreform, auch bekannt als „Bologna-Prozess“: Der paradigmatische Wechsel in der Perspektive der Lehrenden von einer reinen Inputorientierung des faktengesättigten Lehrens „ex cathedra“ zur stärkeren Berücksichtigung der Lernergebnisse (des sog. Outputs) unter dem Stichwort „Kompetenzorientierung“ bzw.  „Student Centered Learning. Hier kommt auch die mittlerweile berühmt gewordene hochschuldidaktische Formel zur Anwendung: Dem „shift from teaching to learning“ im Rahmen des „Constructive Alignment“: der Einbettung der Prüfungen in den gesamten kompetenzorientierten Lehr- und Lernprozess der Studierenden.

In Modulbeschreibungen sollte entsprechend dargelegt werden, was Studierende am Ende der Veranstaltung wissen, können und beherrschen sollten.

Mit Prüfungen (oder Testverfahren in einem weiteren Sinne) lässt sich feststellen, ob und in wie weit die Studierenden das können, was sie laut Modulbeschreibungen am Ende der Veranstaltung beherrschen sollten. Zumindest besteht die Erwartung, dass die Prüfungsanforderungen den in den Modulen beschriebenen Lernzielen entsprechen.

Das heißt: Prüfungen können als Instrument verstanden werden, mit dem curriculare Anforderungen konkretisiert und operationalisiert werden. Selbstverständlich erfassen Prüfungen immer nur einen möglichst konkreten Ausschnitt aus dem breiten Spektrum an fachlichen und außerfachlichen Lernzielen, aber sie sollten nur die für das Modul/die Lehrveranstaltung wirklich wichtigen Ausschnitte aufgreifen. Eine entsprechende Konkretisierung und Beschreibung der Ziele hilft daher entscheidend bei der Konzeption und Ausrichtung einer Lehrveranstaltung, denn Grundlegendes und Wesentliches wird leichter erkannt und bleibt im Blick. Nicht zuletzt können Prüfungen als Instrument fungieren, um festzustellen, ob die in Modulen formulierten Lernziele tatsächlich auch erreicht wurden. Darin steckt ebenfalls eine wichtige Rückmeldung für die Lehrenden zum Lernstand, so dass z.B. auch die Lehrformate entsprechend der Hinweise aus den Prüfungsergebnissen angepasst werden können, damit Lernziele in verschiedenen Kompetenzbereichen tatsächlich erreicht werden können. Insofern haben Prüfungen in der Tat eine echte Steuerungsfunktion für das Lehren und Lernen.

Dass Prüfungen auch den Lernprozess der Studierenden steuern, liegt auf der Hand. Damit geht es nicht vorrangig um die Frage nach der Prüfungsrelevanz. Auch stark intrinsisch motivierte und interessierte Studierende kommen nicht daran vorbei, dass sie die Hürden nehmen müssen, die mit Prüfungen aufgestellt werden: Mit Blick auf den angestrebten Studienerfolg müssen alle Studierenden ihr Lernen auf die Prüfungsanforderungen ausrichten. Nachdem der Prüfungserfolg letztlich entscheidend ist, richten Studierende ihr Lernen an den angekündigten, erwarteten oder unterstellten Prüfungsanforderungen aus. Dabei ist nicht nur relevant, was die Inhalte der Prüfungen sind, sondern welche Art von Wissen und Können getestet werden kann.

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