Kompetenz­­orientierung in den Wirtschafts­wissenschaften

Reflexion: Dr. Annika Pape, Hochschulrektorenkonferenz / nexus
Im Forum Wirtschafts­wissenschaften wurden, jeweils aus der Sichtweise von Lehrenden, unterschiedliche Perspektiven auf die Kompetenzorientierung im Fach anhand von zwei kurzen Vorträgen aufgezeigt.

Professor Dr. Hans Klaus von der Fachhochschule Kiel stellte heraus, dass Kompetenz klar gegen Performanz abzugrenzen ist, damit die Kompetenzorientierung nicht zur Inkompetenz führt. Zur Umsetzung einer kompetenzorientierten Lehre i.S. einer „begründende[n] Anwendung vertieften Wissens und Verstehens bei weiterer Erkenntnisgewinnung, bei erfolgsstrategischem Tun wie bei kommunikativem Handeln“ böte der HQR (2017) einen Orientierungsrahmen. Die Fakultäten und Fachbereiche sind aufgefordert, fachspezifische Leitlinien (z. B. im Rahmen eines Fachqualifikationsrahmens) zu formulieren, um den HQR in den Wirtschafts­wissenschaften umzusetzen. Der Runde Tisch Wirtschafts­wissenschaften des nexus-Projekts hat hierzu einen Diskussionsvorschlag erarbeitet.

Professor Dr. Ralf Maiterth von der Humboldt-Universität zu Berlin stellte den „Shift from Teaching to Learning“ in den Wirtschafts­wissenschaften auf den Prüfstand. Wie steht es um die Umsetzung der Bologna-Ziele in den Wirtschafts­wissenschaften und ist der Ansatz wirklich neu? Aus der Sicht seiner Universität resümierte er, dass nach wie vor die Vorlesungen – vor allem, weil die Studierendenzahlen hoch und die Ressourcen knapp seien – die dominierende Lehrform seien und es nicht sichtbar zu echten Veränderungen gekommen ist. Um die Kompetenzorientierung in der Lehre wirksam umzusetzen, würden kleinere Gruppen, auch semesterübergreifende Module bzw. Prüfungen und eine Integration der überfachlichen Kompetenzen in die Fachlehre benötigt.

Die anschließende Diskussion ergab, dass

  1. die Frage, was jemand nach seinem Studium können soll, in den Wirtschafts­wissenschaften nicht neu ist;
  2. es bzgl. der Bologna-Reform viele Restriktionen und Umsetzungsmängel, aber auch Umsetzungsmöglichkeiten gibt, die genutzt werden müssen (u.a. Akkreditierung, Gesetzgebung, personelle Aspekte, KMK-Vorgaben, größere Module);
  3. Kompetenzorientierung viele Ressourcen benötigt – insbesondere, wenn „Schlüsselkompetenzen“ in separate Module ausgelagert werden;
  4. kompetenzorientiertes Prüfen SCHWIERIG ist und eine gewisse Ratlosigkeit hinterlässt;
  5. Kompetenzorientierung einen Umdenkprozess darstellt, der sowohl eine andere Art der Unterrichtsvorbereitung als auch eine höhere Vorbereitungsintensität erfordert – die Anstrengungen lohnen sich aber!