Kompetenzen für Digitalisierung

Bildung und Kompetenzen für die digitale Gesellschaft und Arbeitswelt

26. Juni 2017, München

Die frühzeitige Auseinandersetzung mit den Anforderungen von Gesellschaft und Arbeitswelt an Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist ein wesentliches Element von kompetenzorientierter und studierendenzentrierter Hochschullehre. Angesichts der dynamisch voranschreitenden Digitalisierung gehört dazu auch, sich mit neuen Kompetenzprofilen auseinanderzusetzen und die Anforderungen einer digitalen Gesellschaft in die Lehrpraxis zu integrieren. Dies war das Thema unserer Tagung.

Credit: Fabian Sommer

Vortragsfolien, Reflexionen, Abstracts & Ergebnisse

Eröffnungsvortrag
„Kompetenzen für die digitale Gesellschaft und Arbeitswelt“
Prof. Dr. Klaus Kreulich, Vizepräsident der Hochschule München


Debatte - Welche Bildung und notwendigen Kompetenzen brauchen wir?
Prof. Dr. Joachim Metzner, Technische Hochschule Köln
Prof. Dr. Ursula Münch, Akademie für Politische Bildung Tutzing
Staatssekretär Georg Eisenreich, Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Ergebnisse der Debatte

Ergebnisse der Debatte

In der Debatte um die Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeits- und Berufswelt auf die grundständige Lehre in den Fachkulturen und die Kompetenzprofile der Absolventinnen und Absolventen waren sich die drei Diskutanten einig: Viele der bereits heute erforderlichen Kompetenzen bleiben erhalten, allerdings werden bei zunehmender Digitalisierung neue hinzukommen. So wird die Förderung der drei elementaren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen weiterhin eine Aufgabe von Schulen und Hochschulen sein. Ebenso verbleibt die Persönlichkeitsbildung im hochschulischen Bildungsauftrag. Die vierte, neu hinzukommende Kulturtechnik – die Nutzung digitaler Medien – wird die Lehre dagegen künftig stark verändern. So werden zur sinnvollen Vermittlung der Medienkompetenz nicht nur neue Themen in den Mittelpunkt rücken, sondern auch die Präsentation der Forschungsergebnisse kann durch neue mediale Darstellungsformen nachhaltig bereichert werden. Das Besondere an der Digitalisierung ist, dass der Veränderungsbedarf anders als in der europäischen Studienreform nicht von Seiten der Politik kommt, sondern Wirtschaft und Gesellschaft die eigentlichen Treiber sind.

So machte Joachim Metzner am Beispiel der Journalisten- und Übersetzerausbildung deutlich, dass die zunehmend maschinenübersetzten Rohtexte zur Veränderung der Kompetenzen in der Ausbildung geführt haben. Die Studierenden müssen in den Studiengängen vor allem lernen, diese Texte nachträglich sprachlich ansprechend zu gestalten und verständlich zu formulieren. Außerdem erfordert das Übersetzen von Texten durch lernende Maschinen die Sicherstellung der Einhaltung hoher Qualitätsstandards. Im Zuge der Digitalisierung wird die Fähigkeit, Systeme und Instrumente nicht nur zu nutzen, sondern zu verändern zunehmend relevanter – die Arbeitswelt wird insgesamt anspruchsvoller; dies macht vor allem in den technischen Disziplinen eine forschungsnahe Ausbildung im Leitbild des Forschenden Lernens absolut notwendig. Zudem sollte das Erststudium auf die lebensbegleitende Weiterbildung vorbereiten.

Nach Überzeugung der Diskutanten erleichtert die Digitalisierung zwar den Zugang zu Informationen und Wissen, verändert aber die Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten. Je leichter und vermeintlich offener der Zugang zum Wissen wird, desto wichtiger werden fachübergreifende Kompetenzen, wie z.B. das analytische Denkvermögen, die eine eigenständige Durchdringung der Wissensgrundlagen fördern und das Erkennen von Strukturen und Zusammenhängen ermöglichen. Dafür werden u. a. medienwissenschaftliches Rüstzeug, Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen, der technische Ausbau des Breitbandnetzes sowie die teure Weiterqualifizierung von Lehrenden und Studierenden dringender denn je benötigt.

Am Beispiel hybrider Studiengänge, wie z. B. das Wirtschaftsingenieurwesen, wurde aus der Diskussion ersichtlich, dass die Digitalisierung eine verstärkte Kooperation der Lehrenden bei der Identifikation geeigneter Inhalte und Formen erfordert. Da alleine die Medienkompetenz nicht so viel zur Veränderung der Gestaltungsprinzipien von Lehrinhalten beigetragen hat, sprachen sich die Beteiligten dafür aus, die Fähigkeit zur Interdisziplinarität vor dem Hintergrund der eigenen Disziplinarität bereits in der Einstiegsphase zu fördern.

(Protokoll: nexus-Team)


Podium –  Ergebnisse der Workshops spiegeln mit...
Dr. Christoph Anz, BMW Group
Dr. Carlos Härtel, GE Global Research
Prof. Dr. Sandra Hofhues, Universität zu Köln
Constantin Pittruff
, Landes-ASten-Sprecher Bayern
Moderation: Dr. Sven Winterhalder, Hochschule München

„Lessons Learned“ aus dem Abschlussforum

„Lessons Learned“ aus dem Abschlussforum

Ergebnisse:

Carlos Härtel erinnerten die Erträge an eine Wunschliste, wie es sie auch vor 10-15 Jahren gab. Für ihn lag der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der Methodenkompetenz. Ihm kam es weniger auf den Erwerb von Programmierfähigkeiten an als auf die Entwicklung von echten Problemlösungskompetenzen. Die Studierenden müssten lernen, ihre Annahmen auf methodischer Grundlage der statistischen Auswertung von Massendaten überprüfen zu können. Denn nach seiner Überzeugung gründet Anwenderwissen auf der Auswertung von Massendaten. Die Digitalisierung gestaltet vor allem Lehrformate interaktiver, was bei den neuen Studierendengenerationen auch viel besser ankommt. Denn die Informationen sind zwar zunehmend frei verfügbar, die Studierenden verfügen allerdings über zu wenig geeignete Auswahl- und Austauschstrategien. Zudem entspricht eine interaktive Lehre auch weit mehr den digitalen Nutzergewohnheiten der Studierenden. Ebenso hielt er den traditionellen Konflikt in der wissenschaftlichen Ausbildung von Spezialisten und Generalisten im Prozess der Digitalisierung für bedeutungslos. Vielmehr ging es ihm um die Frage, wie man die Digitalisierung für die Generierung neuer Forschungsdaten nutzen könnte.

Sandra Hofhues setzte sich für eine digitale Lehre ein, die nicht nur die Anwendungsbezüge, sondern vor allem die generischen Kompetenzen stärkt. Obwohl Entrepreneurship als neu zu erwerbende Kompetenz im Digitalzeitalter stark propagiert werde, müssten die Lehrenden erst die fachübergreifende Bedeutung des unternehmerischen Handelns überzeugender nachweisen.

Christoph Anz fehlte der klare Bezug zum späteren Berufsleben. Die Digitalisierung verändert für ihn die Rahmenbedingungen der Lehre und führt zu neuen Anwendungen. Allerdings dürfte der Anwendungsbezug im Studium nicht mit der weitaus komplexeren Vermittlung der fachübergreifenden forschenden „Kreativitätskompetenz“ verwechselt werden, die er zur unternehmerischen Kompetenz zählte. In der Hochschulausbildung sollten die Ebenen von Nutzer/Anwendern und Entwicklern klarer voneinander unterschieden und entsprechend adressiert werden. Die Studierenden sollten Gelegenheit erhalten, über den Tellerrand des eigenen Fachs hinauszusehen und die Lehrenden sollten seiner Meinung nach neue interdisziplinäre Impulse von außen aufnehmen, um so ihre Lehre attraktiver zu gestalten.

Constantin Pittruff vermisste den Erwerb von sozialen Kompetenzen durch die Informationstechnik. Für ihn haben die Hochschulen den Auftrag, Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstdisziplinierung zu leisten und z. B. frühzeitig eine entsprechende Fehlerkultur zu entwickeln. Unter unternehmerischen Kompetenzen verstand er „eigenverantwortliches Handeln“. Die Fachkulturen müssten zwischen „digital developers“ und „users“ unterscheiden und sich „neu erfinden“. Dafür benötigen sie allerdings Vordenker, die erklären könnten, was sie mit der digitalen Kompetenz anfangen können.

Fazit:

  • Interdisziplinäre Ansätze in der Lehre und die Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu sehen, können die Herausbildung unternehmerischer Kompetenzen fördern.
  • In der Methodenkompetenz kommt es weniger auf die Analyse unterschiedlicher Algorithmen an als auf die fachadäquate Interpretation von Statistiken und die Verwendung der hieraus gezogenen Erkenntnisse.
  • In der Fachkompetenz ist „ein bisschen Wissen über technische Anwendungen“ nützlich.
  • Letztlich stärkt der Erwerb von Medien- und Digitalisierungskompetenzen alle bildungsrelevanten fachübergreifenden Kompetenzen.

(Protokoll: nexus-Team)


Eindrücke aus den Workshops

Die Tagung in den Medien: „München TV"

Beitrag von Andre Lemmer vom 27. Juni 2017

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