Mobilität in Zeiten des aufkommenden Nationalismus in Europa

21. März 2019 -Prof. Dr. Thomas Hoffmeister und Prof. Dr. Eva-Maria Feichtner

In seiner viel beachteten Rede an der Sorbonne hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron die Vision Europas beschworen und vor den „Ideen des Nationalismus, Protektionismus und Souveränismus“ durch Abschottung gewarnt. Als wichtigste Faktoren europäischen Zusammenhalts hat er die Kultur und das Wissen benannt und daraus folgend die Etablierung von Netzwerken europäischer Hochschulen gefordert. Diese sollen Studienverläufe schaffen, in denen Studierende in mindestens zwei Sprachen und Ländern lernen und leben.

Warum sollten gerade die Hochschulen eine so bedeutende Rolle bei der Abwehr des Nationalistischen spielen, warum sollten sie in besonderer Weise geeignet sein, den europäischen Gedanken zu entwickeln und zu verbreiten?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Da ist zum einen der wissenschaftliche Ansatz, der Wahrheit und folglich der Aufklärung verpflichtet, und damit notwendigerweise ein Gegenpol zum vereinfachenden Populismus und seinen Ressentiments. Da ist zum anderen die Tatsache, dass Wissenschaft nicht lokal oder regional, sondern oft global ist, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in weltweite Forschungsnetzwerke eingebunden sind, und Diversität und kulturelle Vielfalt als gewinnbringend für den Erkenntnisfortschritt angesehen werden.

Fremdheitserfahrung im Alltag als Motor der eigenen Persönlichkeitsentwicklung: Wenn Studierende ins Ausland gehen, erleben sie einen grundlegenden Perspektivwechsel, sie entdecken nicht nur Trennendes, sondern auch Verbindendes. Bild: Pixabay

Hier entsteht der gesellschaftliche Auftrag der Hochschulen: als Bewahrer von Wissen und Generator von Neuem, im Transfer in die und in der Kooperation mit der Gesellschaft, aber auch als eine, wie wir meinen, noch ausbaufähige Stimme in die Gesellschaft. Geist und Haltung, die Studierende an ihren Hochschulen erfahren, prägen nicht nur sie selbst; Studierende prägen und beeinflussen mit ihrer Haltung ihrerseits die Gesellschaft und das Bild der Städte und Regionen, in denen sie leben.

Wozu jedoch bedarf es einer deutlichen Steigerung der Mobilität der Studierenden, die Internationalisierung doch häufig schon durch die Begegnung mit ausländischen Studierenden und Lehrenden an ihren Heimathochschulen erfahren? Es ist der grundlegende Perspektivwechsel, der nur beim Eintauchen in das Leben im Ausland gelingt: die Fremdheitserfahrung im Alltag wird Motor der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

Durch das Eintauchen in der Fremde wird die Identifikation mit dem Anderen befördert, nicht nur Trennendes, sondern auch Verbindendes entdeckt. Das Erlebte kann das Verständnis für Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund befördern und eine Außensicht auf die eigene Heimat ermöglichen. Die interkulturelle Erfahrung und die Begegnung mit dem Neuen im geschützten Kontext des Studierens erlauben und befördern die europäische Identifikation, die Macron in seiner Rede ansprach als er sagte, ein Europäer sei immer ein bisschen mehr als ein Franzose, ein Grieche, ein Deutscher.

Dieser Kommentar von Prof. Dr. Thomas Hoffmeister, Konrektor für Lehre und Studium der Universität Bremen und Prof. Dr. Eva-Maria Feichtner, Konrektorin für Internationalität und Diversität der Universität Bremen, ist zurerst im nexus-Newsletter 1/2019 erschienen.

„Grenzenlos studieren. Europa wählen!“

Aktion von HRK und DSW zur Europawahl

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und das Deutsche Studentenwerk (DSW) rufen mit einer gemeinsamen Aktion Studierende auf, sich an der Wahl zum Europaparlament am 26. Mai 2019 zu beteiligen. Die Aktion der Hochschulrektorenkonferenz und des Deutschen Studentenwerks soll Studierende darauf aufmerksam machen, dass ihre Stimme wichtig ist. Die Organisatoren haben Hochschulen und Studierendenwerke um ihre Unterstützung gebeten und zu lokalen und regionalen Aktionen aufgerufen.

www.hrk.de/themen/eu-wahl-2019/initiative-grenzenlos-studieren-europa-waehlen