Hochschule Fulda - University of Applied Sciences

Theorie-Praxis-Vernetzung in der akademisierten Hebammenausbildung

29. Juli 2013

Wer Hebamme werden will, muss lernen, wie in der konkreten Versorgungsituation von Schwangeren, Gebärenden, jungen Müttern und Familien und Neugeborenen klinische Entscheidungen getroffen werden. Diese Entscheidungen setzen Kenntnisse der physiologischen und pathologischen Prozesse voraus.

Dabei müssen unter Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisstands, der eigenen Erfahrung und den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden.

Dazu setzt der Studiengang "Hebammenkunde" auf entscheidungsorientiertes Lernen. Es konkretisiert, welche

  • Fachkompetenz (Verstehen der physiologischen oder pathologischen Prozesse), welche
  • Methodenkompetenz (Finden und Bewerten der relevanten Studien; Umsetzung der Entscheidungen in praktisches Handeln als Hebamme), welche
  • Sozialkompetenz (Erkunden der Präferenzen der Betroffenen) und welche
  • Selbstkompetenz (Reflexion der eigenen klinischen Erfahrung und des persönlichen Handelns) auf welche Art von
  • Handlungskompetenz (Verantwortungsübernahme für klinisch relevante Entscheidungen, gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Klientinnen) von Hebammen gerichtet sind.


Die praktische Ausbildung im Studienverlauf und ihre Reflexion in der Lehre ermöglichen, klinische Erfahrungen zu sammeln, und zu reflektieren, ob und inwieweit solche Entscheidungen zugleich abhängig von institutionellen, strukturellen, personellen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind und wie dies ethisch zu bewerten ist.  

Fünf Maßnahmen tragen wesentlich zu der Vernetzung von Theorie und Praxis bei:

  • Die Organisationsstruktur der Praxiseinsätze, die inhaltlich direkt mit einem Theoriemodul verknüpft sind, so dass theoretisches Wissen unmittelbar in der Praxis erprobt und umgekehrt ‚Fälle‘ aus der Praxis aufgegriffen werden.
  • Die Gestaltung des seminaristischen Unterrichts, in dessen Zentrum ein klinisches Problem steht, das von den Studierenden gelöst werden muss.
  • Der fachpraktische Unterricht, in dem Handlungsmöglichkeiten in Schritten wiederholt geübt und reflektiert werden bis in komplexen Handlungsabläufen Sicherheit und Entscheidungsfertigkeit erlangt ist.
  • Die Betreuung durch Lernprozessbegleiterinnen und -begleiter durch praxisstrukturierende Lern-, Recherche- und Praxisaufgaben, und Praxisbesuche.
  • Das Führen eines Lernportfolios durch jede Studierende, in dem Werkstücke, Selbstreflexionen, Feedback von Lehrenden der Hochschule und Anleiterinnen aus der Praxis, etc. gesammelt und besprochen werden.

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