Technische Universität Darmstadt

„G-MINT“: Verbesserung der Unterrichtsqualität in den MINT-Fächern

31. Juli 2017

Das von Oktober 2010 bis September 2016 aus Mitteln des Landes Hessen finanzierte Projekt „G-MINT“ des Praxislabors am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der TU Darmstadt zielte auf eine Gendersensibilisierung zukünftiger Lehrkräfte bzgl. der Mint-Unterrichtsfächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und damit einhergehend auf eine Erweiterung der Berufs- und Studienwahlprozesse – insbesondere von weiblich sozialisierten Personen.  Innerhalb des Projektes wurde die Konzeption, Durchführung und Reflexion gender- und differenzreflektierender Lehrveranstaltungen fokussiert. Ziel war es, Studierende des Lehramts an Gymnasien und des Lehramts an beruflichen Schulen für die mit der Kategorie Geschlecht einhergehenden Bildungsherausforderungen in Schule und (MINT-)Unterricht zu sensibilisieren und sie bei der Entwicklung eines kritisch-dekonstruktiven Professionsverständnisses zu unterstützen.

In der ersten Projektphase wurden zunächst verschiedene, kreative Lehr-Lern-Settings (unterschiedliche Seminarformate, Werkstattgespräche, World Cafe, Teamteaching etc.) erprobt und evaluiert. Auf Basis der Evaluation konnten vier Bausteine bzw. Schwerpunkte zur Entwicklung einer kritisch-dekonstruktiven Genderkompetenz im MINT-Lehramt identifiziert werden, die in der zweiten und dritten Projektphase kumulativ umgesetzt und fachspezifisch erweitert wurden.Hierzu wurden regelmäßig Seminare mit folgenden Schwerpunkten angeboten:

  • Historisch-systematisch (z.B. Einführungsseminare in die genderinformierte Schulpädagogik und MINT-Didaktik)
  • Theorie-Praxisreflektierend (z.B. Seminare, die sich dem Verhältnis von Gendertheorie und Schulpraxis anhand von Fallbeispielen und Unterrichtsentwürfen widmen)
  • Biographisch (z.B. Seminare, die zur Reflexion der eigenen geschlechtlichen Biographie ermutigen)
  • Interdisziplinäre Begleitung fachdidaktischer Seminare (z.B. Kooperationen mit den Fachdidaktiken Informatik, Chemie, Körperpflege, Sport, Physik und Politik).

Über die gesamte Projektlaufzeit konnten 33 Lehrveranstaltungen (inklusive Kooperationsseminare mit den Fachdidaktiken) für fast 600 Teilnehmende angeboten und 191 Modulprüfungen erfolgreich abgeschlossen werden. Die in den unterschiedlichen Seminaren erarbeiteten Inhalte wurden von den angehenden Lehrkräften durchgehend als relevant für ihr späteres Berufsleben erachtet. Die regelmäßigen Evaluationen verdeutlichen zudem, dass die entwickelten Lehr- und Vermittlungszugänge (historisch-systematisch, Theorie-Praxis-reflektierend, biographisch und fachspezifisch) sich als ein angemessener Zugang zur Thematik erwiesen haben, der auch auf verwandte Themengebiete (Heterogenität und Inklusion) übertragbar ist (vgl. die Projekte: „Heterogenität als Qualitätsherausforderung“ und „(Schul)Pädagogik der Vielfalt: inklusiv lehren und lernen“ an der TU Darmstadt). Die bereits in der ersten Projektphase  festgestellte Diskrepanz zwischen gendersensibilisierenden Angeboten innerhalb der Grundwissenschaft/Erziehungswissenschaft und den MINT-Fächern sowie Fachdidaktiken konnte lediglich partiell abgebaut werden, sodass dieser Baustein auch weiterhin verfolgt und zur Gendersensibilisierung zukünftiger Lehrkräfte fruchtbar gemacht werden sollte.

Da während der Projektlaufzeit nicht alle MINT-Fachdidaktiken erreicht werden konnten, wurde zum Abschluss des Projektes der Sammelband „Queering MINT – Impulse für eine dekonstruktive Lehrer_innenbildung“ herausgegeben. Die Publikation erläutert und begründet die hier dargestellten Zugänge in ausführlicherer Weise und trägt erstmalig gender- und queerinformierte Perspektiven für alle MINT-Fächer zusammen. Durch den Sammelband sollen auch über die Projektzeit hinaus Brücken zwischen Gender/Queer Studies, Erziehungswissenschaft/Schulpädagogik und MINT-Fächern/Fachdidaktiken geschlagen werden. 

Weitere Informatione auf der Homepage des Praxislabors