Erfahrungsaustausch „Kompetenzorientierung in den Ingenieur­wissenschaften“

17. Februar 2020, TU Dresden

Reflexions- und Innovationsfähigkeit sind Kompetenzen, die künftige Ingenieurinnen und Ingenieure für ihren späteren Beruf benötigen. Wie diese Kompetenzen im Studium vermittelt und gefördert werden können, diskutierten Lehrende und Studierende beim Erfahrungsaustausch am 17. Februar 2020 in Dresden, zu dem der Runde Tisch Ingenieur­wissenschaften gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden eingeladen hatte.

Neue und auch seit Jahren laufende Projekte an regional umliegenden Hochschulen wurden von den Teilnehmenden berichtet. Ob es sich um aktivierende Lehr-/Lernformate handelt, um das Erstellen neuer Lehrmaterialien oder den Einsatz partizipativer Methoden – alle Maßnahmen haben gemeinsam, dass sie Teil externer und interner Veränderungsprozesse sind.

Es wurden Good Practice-Beispiele aus Hochschulen vorgestellt, die verdeutlichen, wie unterschiedlich die Implementierung der Kompetenzorientierung in Studium und Lehre in bestehende Lehr- und Lernformaten aussehen kann. Dabei solle nach Ansicht der Teilnehmenden die Frage im Mittelpunkt stehen, wie Hochschulen Absolventinnen und Absolventen am besten auf eine sich wandelnde Gesellschaft und Arbeitswelt vorbereiten können. Dafür seien aktivierende und flexible Lehr- und Prüfungsformate notwendig, die auch überfachliche Kompetenzen wie Team- und Kommunikationsfähigkeiten sowie Problemlösungskompetenz adressieren. Einig waren sich die Vortragenden, dass der Weg zu neuen Lehr- und Lernformaten zeit- und arbeitsaufwendig sei, sich aber für alle Beteiligten lohne.

In diesem Zusammenhang kam bei den Teilnehmenden wiederholt ein Aspekt zur Sprache: Die Entwicklung und Umsetzung neuer Maßnahmen, die zukunftsrelevante Kompetenzen fördern, bedeuten häufig, interne Veränderungsprozesse an der eigenen Hochschule anzustoßen und zu begleiten. Um Neues auszuprobieren, brauche es neben motivierten und engagierten Studierenden vor allem Mitstreiterinnen und Mitstreiter an der eigenen Hochschule, sowohl auf Leitungsebene als auch im Kollegium.

Beim Erfahrungsaustausch vernetzten sich Vertreterinnen und Vertreter regional umliegender Hochschulen und lernten voneinander.

Vorstellungen

Folgende Projekte wurden im Erfahrungsaustausch „Kompetenzorientierung in den Ingenieur­wissenschaften“ am 17. Februar 2020 an der TU Dresden vorgestellt:

Kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen im blended-learning Lehrformat für Werkstofftechnik in der Studieneingangsphase

Prof. Dr.-Ing. Anja Pfennig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen im blended-learning Lehrformat für Werkstofftechnik in der Studieneingangsphase

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Die Grundlagenvorlesung Werkstofftechnik 1 im Studiengang Maschinenbau wird als blended-learning Format gelehrt. Verschiedene Methoden (Inverted Classroom, Peer-to-Peer, Lehrfilme, …) kommen dabei zum Einsatz. Auch die Lernplattform Moodle wird genutzt. Die unterschiedlichen Anforderungen der Aktivitäten fördern das kompetenzorientierte Lernen und damit den Lernerfolg. Angepasst an das Lehrkonzept des Kurses werden die unterschiedlichen Aktivitäten kumulativ bewertet.

 

 

Modul "Lernkatalysator Getriebe"

Prof. Dr.-Ing. Volker Ahrens
NORDAKADEMIE - Hochschule der Wirtschaft gAG Elmshorn

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Lehr- und Lernziele des Moduls sind das methodische Problemlösen auf der Grundlage des Systems Engineerings, die Gestaltung von Arbeitssystemen nach arbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten und das interdisziplinäre Arbeiten im Team. Dazu konzipieren die Studierenden ein Arbeitssystem zur Montage eines Getriebes in Form eines Mockups im Maßstab 1:1 mit Hilfe des Cardboard Engineerings und dabei verschiedene Rollen einnehmen und mitdenken. Wissenschaftliche Grundlage des didaktischen Konzepts ist neben dem Problem Based Learning (PBL) auch und vor allem die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT). Die Nutzung des Getriebes als Lernkatalysator zieht sich durch das gesamte Curriculum von der Technischen Mechanik über die Werkstofftechnik, die Konstruktionslehre und die Fertigungstechnik bis in das Produktionsmanagement.

 

 

Der Prosumage-Ansatz

M.A. Kerstin-Kathy Meyer-Ross
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Der Prosumage-Ansatz

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Der Prosumage-Ansatz fördert konkret innovative und reflexive Kompetenzen und damit die Professionalität der Hochschulabsolventen. Prosumage steht für producer, consumer und storage.

Um Studierenden während ihres ingenieurwissenschaftlichen Studiums wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden zu lehren und ihnen zu ermöglichen, diese in die Praxis zu übertragen und kreativ weiterzuentwickeln, könnten diese von den Lehrenden als Prosumenten behandelt werden.

Indem Studierende ihr eigenes Produkt entwickeln, also z.B. ihre eigene Lehre gestalten und diese dann konsumieren bzw. konsumieren lassen, nämlich durch ihre Kommilitonen, werden sie befähigt, sich in unterschiedliche Sichtweisen und Interessen anderer Beteiligter, also die ihrer Kommilitonen und des Lehrenden zu versetzen  und kritisch zu reflektieren und sich mit den Folgen ihres Handelns auseinandersetzen, nämlich ob das zu Lernen abgespeichert werden kann.

Dieser Beitrag möchte an einem konkreten ingenieurwissenschaftlichen Beispiel, vorzugsweise aus der Bauingenieursbereich, z.B. Brückenbau oder auch z.B. Weichenbau den Prosumage-Ansatz vorstellen und diskutieren, wie er auf andere Bereiche übertragbar ist.

 

 

Praxisnahe Lehre in der Vorlesung "Wasserinhaltsstoffe"

Dr.-Ing. Andreas Albers
Technische Universität Dresden


Praxisnahe Lehre in der Vorlesung "Wasserinhaltsstoffe"

Im Rahmen der VL „Wasserinhaltsstoffe“ werden die Studierenden des Studiengangs „Wasserwirtschaft“ (3.Semester, Bachelor) durch praxisnahe Lehre auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet. Dabei kommen u.a. Gruppenarbeiten zum Einsatz, bei dem die Studierenden mit Gutachten arbeiten. Auch Planspiele, die ein real existierendes Wasserwerk und dessen Arbeitsalltag  abbilden, werden durchgeführt. Studierende lernen hier die Arbeit im Team, die Anwendung von Inhalten der VL auf Praxisprobleme und die Auswirkung der Maßnahmen (in einer Nachbesprechung, eine Woche später).