"Wir müssen das Vertrauen in den Bachelor weiter stärken"

"Wir müssen das Vertrauen in den Bachelor weiter stärken"

Im Interview: Prof. Dr. Holger Burckhart, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Rektor der Universität Siegen. Eine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung  hat im Jahr 2013 Handlungsempfehlungen zur weiteren Umsetzung der Studienreformen erarbeitet.

Welches sind die größten Vorteile des gestuften Studiensystems mit den Abschlüssen Bachelor und Master?
Eindeutig die Flexibilität! Die Hochschulen können durch die Bachelor-/Masterstruktur ein deutlich differenzierteres Studienangebot bereitstellen als in den traditionellen einphasigen Studiengängen. Das gestufte Studiensystem macht individuelle Bildungsbiografien möglich, die wir für unsere Gesellschaft und die sich rasch wandelnde Arbeitswelt, Stichwort: Fachkräftebedarf, aber auch für das ausdifferenzierte/ hoch spezialisierte  Wissen in Forschungskontexten.

Welche Perspektiven bietet mir heute der Bachelor?
Der Bachelor ist ein erster vollwertiger akademischer  Abschluss, der dem Studierenden mindestens drei Optionen eröffnet: ein vertiefendes Masterstudium in derselben Fachrichtung, den Wechsel in einen fachlich anders angelegten Master, oder aber den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Wie hat sich der Stellenwert dieses Abschlusses seit seiner Einführung verändert?
Ich glaube, dass der Bachelor in den Hochschulen und auf dem Arbeitsmarkt angekommen ist. Am Anfang haben viele das Diplom oder den Magister als der Weisheit letzten Schluss gesehen. In der Zwischenzeit haben sie aber gemerkt, dass aufgrund der internen Variationsmöglichkeiten eine gestufte Ausbildung sehr viel mehr Sinn macht.

Welchen Unterschied macht es, ob ich meinen Bachelor an der Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie mache?
Bachelorabschlüsse von Universitäten, Fachhochschulen und  den Hochschulen gleichgestellten Berufsakademien, wie etwa die Duale Hochschule Baden-Württemberg, sind grundsätzlich gleichwertig. Gleichwertig heißt aber nicht gleichartig: Denn natürlich unterscheiden sich die Profile der Studiengänge je nach Hochschultyp deutlich  - auch wenn der Studiengang den gleichen Namen trägt. Ein betriebswirtschaftlicher Studiengang an der Fachhochschule ist in der Regel näher an der betrieblichen Praxis, an der Universität hingegen ist der Theorieanteil – beispielsweise in Mathematik – höher. Das wird natürlich auch beim Zugang ins Masterstudium berücksichtigt.

Etwa drei Viertel der Bachelorabsolventen schreiben sich derzeit für ein Masterstudium ein. Ist das gut so?
Es ist gut, wenn sich junge Leute bewusst für ein Masterstudium entscheiden, weil sie sich weiter wissenschaftlich bilden oder sich gezielt spezialisieren wollen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass vielen noch das Vertrauen in den Bachelorabschluss fehlt, obwohl er eine gute Basis für viele akademisch qualifizierte Tätigkeiten bietet, Studien zeigen, dass Studierende den Wert eines Masterabschlusses für den Einstieg ins Berufsleben viel höher einschätzen als Unternehmen. Es gilt also präziser zu beraten.

Gibt es genügend Masterplätze?
Engpässe gibt es bisher nur in einigen Fächern und an besonders beliebten Hochschulen – vor allem in den großen Universitätsmetropolen. Wir haben derzeit – unter anderem auch durch die doppelten Abiturjahrgänge – jedoch historisch hohe Studienanfängerzahlen. Im Rahmen des Hochschulpaktes sind bisher vor allem Studienplätze im grundständigen Bereich ausgebaut worden, hier muss die Politik also weitere Mittel bereitstellen. Es ist wichtig, dass vor allem in Bereichen, in denen es für den Bachelor noch kein festes Berufsbild gibt – wie etwa im Lehramt – ausreichend Masterplätze bereitstehen. Auf der anderen Seite muss, wie gesagt, auch das Vertrauen in den Bachelor weiter gestärkt werden.

Wie können Bachelorstudierende am besten für sich herausfinden, welchen Weg für sie nach dem ersten Abschluss der richtige ist?
Indem sie frühzeitig aktiv werden  und Angebote zur Arbeitsmarkt- und weiteren Studienorientierung gezielt nutzen. 

Was sind die größten Herausforderungen bei der weiteren Ausgestaltung der Studienreform?
Der Bologna-Prozess muss von innen, also aus den Hochschulen heraus, fortgeschrieben werden. Es gibt strukturelle Herausforderungen wie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für internationale Mobilität und die Anerkennungsverfahren oder die Verbesserung der Studierbarkeit. Auch die Möglichkeiten einer individuelleren Gestaltung des Studienverlaufs, die die gestufte Studienstruktur bietet, sollten noch besser genutzt werden. Inhaltlich ist meine Vision, dass wir noch stärker vom Abschluss her denken: Was muss ein Bachelor der Chemie oder ein Bachelor der Philosophie wissen, was muss er können? Was gehört in einem Fach zum Kern an Wissensbeständen, methodischen Kenntnissen und anwendbaren Fähigkeiten, an dem wir uns orientieren können?

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