Auf der Überholspur

Auf der Überholspur

Fast Track Programme führen besonders qualifizierte Bachelorabsolventen schneller zur Promotion. 

Bachelor, Master und dann vielleicht eine Promotion. So ist der klassische Weg. Doch herausragende Studierende, die schon im Bachelorstudium Forscherdrang verspüren, müssen mit dem Einstieg in eine Dissertation nicht bis nach dem Masterabschluss warten. Sogenannte Fast-Track-Programme machen es möglich. 

Rund 50 Prozent der von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erfassten Promotionsordnungen sehen eine Zulassungsmöglichkeit zur Promotion - unter bestimmten Voraussetzungen - mit Bachelor-Abschluss vor. In der Regel ist die Zulassung mit einem Eignungsfeststellungsverfahren verbunden. Darunter verstehen die Hochschulen in ihren Promotionsordnungen unter anderem die auf die Promotion vorbereitenden Zusatzprüfungen und andere Auflagen.

Form, Inhalt und Dauer des Verfahren sind nicht einheitlich geregelt. Letztlich ist die Zulassung zur Promotion damit grundsätzlich immer eine Einzelfallentscheidung. Die Bestimmungen der einzelnen Fakultäten und Fachbereiche sind im Hochschulkompass der HRK abrufbar. 

Hohe Anforderungen
An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Düsseldorf etwa werden Bachelorabsolventen zur Promotion  zugelassen, wenn sie eine sehr gute Bachelor-Gesamtnote nachweisen und innerhalb eines Jahres exzellente Leistungen im Rahmen promotionsvorbereitender Studien in einem Masterstudiengang erbracht haben. 

„Die Anforderungen hängen vom Fach ab“ , erklärt Prof. Dr. Martin Mauve, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnernetze und Kommunikationssysteme, „in der Regel müssen etwas ein Drittel bis die Hälfte der Leistungen eines Masterprogramms absolviert werden, bevor jemand endgültig zur Promotion zugelassen wird.“ Promotionsstudierende mit Bachelor würden genauso behandelt wie andere Doktoranden. Sie arbeiten meist auf einer eine halben Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder erhielten ein Stipendium: „Mit Sicherheit sinken aber auch die Anforderungen an eine Promotion nicht.“ 

Mauve begrüßt es, wenn Studierende schon nach dem Bachelor beginnen können, sich intensiv in ein  Forschungsthema einzuarbeiten, rät jedoch, sich die Direktpromotion ohne Masterabschluss gut zu überlegen. „Ein Promotionsvorhaben kann aus den verschiedensten Gründen scheitern.  Man ist auf der sicheren Seite, wenn man den Master abschließt und auf seine Abschlussarbeit die Dissertation aufbaut. Ähnlich sieht dies die HRK, die sich dafür ausspricht, „dass nur Fast-Track-Promotionen mit integriertem Masterabschluss angeboten werden.“ Grundsätzlich begrüßt die HRK jedoch die Möglichkeit zum Promotionseinstieg nach dem Bachelor

Früh im Kreis der Doktoranden
An der Leuphana Universität in Lüneburg können besonders qualifizierte Bachelorabsolventen parallel zu ihrem Masterstudium eine Promotion anfangen und Module des Promotionsstudiums vorziehen. Allerdings müssen sie das Masterstudium zum Abschluss bringen. Durch die Verzahnung von Master- und Promotionsphase kann die Dauer der Promotion um mindestens ein Jahr verkürzt werden.

Für den Fast Track können sich Masterstudierende nach dem ersten Studienjahr bewerben. „Interessierte müssen neben einem sehr guten Bachelorabschluss auch ein Exposé für ihr wissenschaftliches Vorhaben vorlegen“, erklärt Dr. Anja Soltau, Leiterin der Graduate School.  

Zu den ersten Absolventen des Lüneburger Fast Track-Programms gehört Dr. Florian Nottorf, der wie 70 Prozent der Lüneburger Masterstudierenden  seinen ersten  Abschluss nicht an der Leuphana abgelegt hat. Nach dem Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums hat er parallel zum Master Management und Entrepreneurship seine Dissertation begonnen, die er im Jahr 2013 abgeschlossen hat. „Wichtiger als die Zeitersparnis war für mich das Gefühl, schon im Kreis der Doktoranden aufgenommen zu sein“, sagt Nottorf.

Auch bei  Professoren habe dies zu einer anderen Wahrnehmung geführt. Der 27-jährige, der inzwischen zusammen mit seinem Doktorvater an einer Ausgründung  aus dem Institut für elektronische Geschäftsprozesse der Leuphana Universität beteiligt ist, würde den Weg wieder wählen. „Wer  für sein Thema brennt, kann von der Fast Track-Option wirklich profitieren.“

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