„Ich habe meine Naivität verloren“

„Ich habe meine Naivität verloren“

Annapia Debarry hat nach ihrem Bachelorabschluss in Kulturgeographie im Rahmen eines Freiwilligendienstes ein knappes Jahr in thailändischen Flüchtlingslagern gearbeitet.

„Für mich stand schon während des Bachelorstudiums fest, dass ich mich akademisch und beruflich gerne in Richtung Entwicklungsforschung bzw. –zusammenarbeit bewegen wollte. Ich hatte auch bereits passende Masterstudiengänge ins Auge gefasst. In diesem Bereich sind zudem interkulturelle Erfahrungen von Vorteil. Aber ich bin nicht wegen meines Lebenslaufes ins Ausland gegangen, sondern weil ich gerne ein anderes, mir fremdes Land kennenlernen und verstehen wollte. Ich denke, dass man gerade mit dem Bachelorabschluss die nötige Orientierung hat, um etwas für sich Sinnvolles im Ausland zu machen, aber nicht zu viel Zielstrebigkeit, die einen von neuen Optionen, die vielleicht durch einen Auslandsaufenthalt entstehen, abbringen könnte. Man begegnet Problemen, kulturellen Differenzen und Erfahrungen aber vielleicht ein wenig anders, wenn man bereits studiert hat und demnach etwas älter, als wenn man diesen Weg direkt nach dem Abitur wählt.

Ich habe mich dann  im November 2011 für den Freiwilligendienst beworben, um im August 2012 auszureisen. Man muss auf jeden Fall frühzeitig anfangen, Informationen und Bewerbungsfristen für soziale Lerndienste zu sammeln. Im Januar 2012 war das Auswahlseminar und im Februar habe ich meine Stelle bei Misereor zugesagt bekommen. Ich habe nur drei Bewerbungen abgeschickt insgesamt. Allesamt für Stellen, die ich mir wirklich vorstellen konnte und mich  nicht wahllos überall beworben. Dass ich mit Flüchtlingen in Thailand arbeiten würde, habe ich bei der Bewerbung noch nicht genau gewusst. Es hat sich in verschiedenen Gesprächen mit den Mitarbeitern von Misereor und bei Erhalt von detaillierten Informationen über die Einsatzstelle herausgestellt, dass das Projekt in Thailand am besten zu mir passen würde.

Vor Ort habe ich für die NGO COERR gearbeitet, die humanitäre Hilfe in Flüchtlingscamps entlang der thailändisch-burmesischen Grenze leistet. Ich habe in drei von insgesamt neun Lagern in Thailand mit Flüchtlingen gearbeitet, die hauptsächlich der ethnischen Volkgruppe der Karen angehören. Aber auch andere ethnische Gruppen leben in den Camps. Gemeinsam mit den lokalen Mitarbeitern und Flüchtlingen habe ich soziale Arbeit geleistet, verschiedene Weiterbildungsworkshops für Erwachsene angeleitet und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Zudem fielen viele Bürotätigkeiten an – z.B. Vorbereitungen oder die Teilnahme an Koordinierungsmeetings mit anderen NGOs.

Seit Anfang Juli bin ich nun wieder in Deutschland und beginne zum Wintersemester 2013 mein Masterstudium Geographie mit Schwerpunkt Entwicklungsforschung an der Universität Bonn. Dieser Studiengang war bereits mit Abschluss meines Bachelors mein Wunschstudium. Meine Erfahrungen im Ausland haben diesen Wunsch nur bestätigt. Ich habe das Gefühl, mit viel neuer Energie, neuen Perspektiven und Blickwinkeln sowie mehr persönlicher Reife in meinen Master zu gehen. Ich bin ideenreicher, aufgeschlossener und praxisnaher als zuvor. Außerdem denke ich positiver, wobei ich auf der anderen Seite auch die Naivität verloren habe, dass das Durchsetzen in der späteren Arbeitswelt leicht sein wird. Insgesamt habe ich mich persönlich weiterentwickeln können und möchte um keinen Preis meine Zeit in Thailand missen müssen.

Anderen Studierenden , sich für einen Freiwilligendienst interessieren, rate ich, sich ins Gedächtnis zu rufen, welcher Sinn dahinter steht. Der Hauptgrund sollte niemals sein,  den Lebenslauf auszuschmücken. Vor allem im Ausland sollte man sich darauf einstellen, dass einem Hürden begegnen werden, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Man sollte eine gewissen Offenheit und Sensibilität gegenüber anderen Kulturen mitbringen. Für mich bedeutet ein Freiwilligendienst im Ausland gegenseitiges Lernen und kultureller Austausch. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen und viel öfter als man denkt, lernt man selber viel mehr von den Menschen, denen man im Projekt begegnet, als andersherum. Ich denke, auch wenn das Auslandsjahr nicht direkt mit dem späteren Beruf oder dem weiteren Studium zu tun hat, kann und wird es eine Bereicherung sein. Gerade, wenn man nach dem Bachelor zwischen verschiedenen Optionen schwankt und unsicher ist, kann ein Freiwilligendienst Entscheidungshilfe sein. Rein praktisch rate ich dazu, sich frühzeitig zu informieren und zu bewerben und sich kritisch mit den Fragen rund um soziale Dienste im Ausland – speziell in Entwicklungs- und Schwellenländern – auseinanderzusetzen.“

Unter www.misereor.de/mitarbeit/freiwilligendienst.html gibt es Infos zum Misereor-Freiwilligendienst.

Wir freuen uns, wenn Sie uns ebenfalls von Ihren Erfahrungen berichten möchten. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an info@hrk-nexus.de

 

 

Themenfelder
Newsletter

Strahlend leuchtende Neuigkeiten zu den nexus-Themen im Newsletter.