Persönlichkeiten für den Arbeitsmarkt wissenschaftlich qualifizieren

10. Juli 2013 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin

Die Beschäftigungsfähigkeit („employability“) von Hochschulabsolventinnen und -absolventen und die Arbeitsmarktrelevanz von Studiengängen sind spätestens seit 2005 zentrale Forderungen des europäischen Hochschulreformprozesses und zugleich Keimzellen der Frage, wie viel Praxis ein wissenschaftliches Studium eigentlich braucht. Denn für die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit sind die Praxisbezüge im Studienverlauf von zentraler Bedeutung. Während die Wirtschaft nicht müde wird, eine fehlende Verbindung von Theorie und Praxis zu bemängeln und mehr Praxisbezüge im Studium im Hinblick auf soziale und personale Kompetenzen (etwa Kommunikation, Konfliktlösung und Soft Skills) einzufordern, fürchten vor allem die Universitäten um die wissenschaftliche Qualität ihrer Studiengänge. In einem sind sich beide aber einig: Leitbild der hochschulischen Ausbildung ist nicht der berufsfertige, hochspezialisierte Experte, sondern die umfassend entwickelte, wertebewusste und wissenschaftlich qualifizierte Persönlichkeit, die gelernt hat zu lernen, sich schnell einarbeiten und selbstständig weiterbilden kann.

Die Tagung „Persönlichkeiten für den Arbeitsmarkt wissenschaftlich qualifizieren“ förderte den Dialog zwischen Hochschulen und Unternehmen und lud dazu ein, voneinander und miteinander zu lernen und gemeinsam Wege zu entwickeln hin zu einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz der Absolventinnen und Absolventen im Sinne einer wissenschaftlichen Qualifizierung für den Arbeitsmarkt.

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Doch wie lassen sich wissenschaftliche Ausbildung einerseits und praktische Qualifizierung andererseits sinnvoll in Einklang bringen und verzahnen? Wie praxisrelevante Kenntnisse und Kompetenzen erwerben und Fähigkeiten schulen? Welche Praxis können die Hochschulen vermitteln, was lässt sich sinnvoll nur im Unternehmen lernen? Brauchen unterschiedliche Fächergruppen unterschiedliche Arten und Intensitäten von Praxisbezug? Welche Schwerpunkte gilt es im Bachelorstudium zu setzen, welche in der Masterausbildung? Diesen und anderen Fragen widmete sich diese Veranstaltung.

Sie diente der Bestandsaufnahme zur Umsetzung der „Employability“ in Deutschland. Als Diskussionsgrundlage dienten die Ergebnisse von Studierenden-, Absolventen- und Arbeitgeberbefragungen zu Praxisbezügen im und Arbeitsmarktrelevanz des Studiums und zu den dort vermittelten praktischen Fähigkeiten und Kompetenzen. Im Zentrum der Tagung stand sodann die Vorstellung des Fachgutachtens „Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitsmarktrelevanz durch verstärkte Praxisbezüge im wissenschaftlichen Studium“, dessen erster Teil Konzepte von „Employability“ in Deutschland und Europa reflektierte und Thesen zur Praxisintegration im Studium zur Diskussion stellte. In den Tag integriert war eine Podiumsdiskussion, in der die Befunde erörtert wurden.

Begrüßung und Einleitung Professor Dr. Holger Burckhart, VP HRK

In seiner Einführung betonte Professor Dr. Holger Burckhart, HRK Vizepräsident für Studium, Lehre, Weiterbildung und Lehrerbildung, dass die Verbesserung der Arbeitsmarktrelevanz des Hochschulstudiums ein wichtiges Anliegen der europäischen Studienreform sei. Zugleich wandte er sich gegen die oft gewählte, verengende Übersetzung des englischen Begriffs „employability“ mit „berufsqualifizierend“. Es sei nicht die Aufgabe der Hochschulen auf ein spezielles Berufsbild vorzubereiten. Vielmehr gelte es, die Absolventinnen und Absolventen wissenschaftlich auf die vielseitigen und wechselnden Anforderungen der Arbeitswelt breit zu qualifizieren. D.h. sie sollen unabhängig von der fachlichen Ausrichtung eines Studiengangs in der Lage sein, selbstständig und kritisch-forschend zu arbeiten, sich neues Wissen erschließen und praktikable Lösungen für neue Problemstellungen finden; kurz: die Absolventinnen und Absolventen sollen in die Lage versetzt werden, ihr theoretisches Wissen anzuwenden, um praktische Probleme zu lösen. Anstatt um Berufsqualifizierung gehe es also vielmehr um die Arbeitsmarktrelevanz von Studienprogrammen und die individuelle Beschäftigungsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen.

Dieses Verständnis deckt sich auch mit der Definition der „Working Group on Employability“, die Employability als die Fähigkeit definiert hat, einen bedeutungsvollen Arbeitsplatz zu erhalten, im Arbeitsverhältnis zu bleiben und den Arbeitsplatz bei Bedarf wechseln zu können.

Das größte Potential zur Steigerung der Arbeitsmarktrelevanz von Studiengängen sah Professor Burckhart in den Praxisbezügen eines Studiums. Neben strukturierten, begleiteten Praktika und den klassischen Praxissemestern sowie Abschlussarbeiten in Unternehmen, betonte er die zunehmende Bedeutung des social learning, bei dem Praxisbezüge mit sozialem Engagement verbunden werden. Auch das forschende Lernen sein eine geeignete Methode, die Studierenden mit Fragen und Problem aus der Praxis auf wissenschaftlichem Niveau zu konfrontieren. Mit den Worten „Allerdings sind wir an den Hochschulen auf die Unterstützung der Unternehmen angewiesen. Nur wenn Sie uns mit Ihren Problemen vertraut machen, können wir diese – studierendengerecht aufbereitet – an unsere Studierenden zur Bearbeitung weitergeben.“ warb Professor Burckhart um die Unterstützung der Unternehmen und für eine Vertiefung des Dialoges zwischen Wirtschaft und Hochschulen.

Zugleich wies er darauf hin, dass in einer Wissens- und Hochtechnologiegesellschaft wie in Deutschland, das Berufsbild des Forschers nicht zu gering geschätzt werden dürfe. Bei aller Notwendigkeit einer Beschäftigungsfähigkeit müssten gerade die Universitäten für den dezidiert als forschungskompetent ausgewiesenen Nachwuchs sorgen.

Neben der Beschäftigungsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen betonte Professor Burckhart auch den hochschulischen Auftrag zur Persönlichkeitsbildung. Im Kontext der europäischen Studienreform spiele „Citizenship“, also ein staatsbürgerliches Bewusstsein, eine zentrale Rolle. Ziel sei es, die Studierenden zur sozialen, politischen und kulturellen Teilhabe und zur aktiven gesellschaftlichen Mitgestaltung zu befähigen.

Abschließend nahm er die Studierenden selbst in die Pflicht; es liege in ihrer Verantwortung, das eigene Studium aktiv mitzugestalten, über die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu reflektieren und Studieninhalte so auszuwählen, dass sie in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Berufsfeld und der Entwicklung der eigenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen stünden.

Die gesamte Rede im Wortlaut finden Sie rechts in der Navigation.

Vortrag Tino Bargel, AG Hochschulforschung zum Studierendensurvey

In seinem Vortrag „Praxisbezüge im Studium – Entwicklungen und Fachdifferenzen“ stellte Tino Bargel von der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz die Ergebnisse des 12. Konstanzer Studierendensurveys im Hinblick die Einbindung der Praxis in das Studium vor.

Zunächst beschäftigte er sich mit dem für viele zentralen Indikator des Praxisbezuges, dem Praktikum. Von den Studierenden fast einvernehmlich gefordert und wegen des wahrgenommen Nutzens für die persönliche Entwicklung und die beruflichen Aussichten durchweg als wichtig oder sehr wichtig eingestuft, sei das Praktikum mittlerweile in fast jedem Studiengang verpflichtend. Dabei variiere die Dauer und Betreuung je nach Fachrichtung und Hochschulart – an den (Fach-)Hochschulen im Schnitt etwa sechs Monate, an den Universitäten vier. Für Studierende dienten Praktika vor allem der Klärung der Berufswahl, dem Erwerb praktischer Kenntnisse und der Herstellung und Pflege von Kontakten zu potentiellen Arbeitgebern. Hinsichtlich des tatsächlichen Ertrages eines Praktikums, also der Förderung von beruflich bedeutsamen Qualifikationen, seien die Befunde indes ernüchternd: eine Steigerung der Fach- und wissenschaftlichen Methodenkenntnisse lasse sich kaum feststellen. Ähnliches gelte auch für berufliche Qualifikationen wie Problemlösungsfähigkeit oder Planung und Organisation. Diese hänge im Einzelfall natürlich in starkem Maße von Art und Weise des Praktikums ab. Allerdings gebe es bestimmte  Faktoren, die den Erfolg eines Praktikums im Hinblick auf die genannten Aspekte steigerten: so sollte ein Praktikum gut vorbereitet sein, begleitet und aufbereitet werden, vier bis sechs Monate dauern und Forschungsbezüge aufweisen.

Neben diesem externen Praxisbezug befasste Tino Bargel sich sodann mit den hochschulinternen Praxisbezügen eines Studiums, die sich in Intensität und Breite unterschieden und von einzelnen Praxisbeispielen oder Hinweisen zur Anwendung des Gelernten über spezielle Übungen bis hin zu umfassenden Projekten reichten. Obwohl Lehrende sich häufiger bemühten, Beispiele aus der Praxis in die Lehre einzubeziehen, fiele das studentische Urteil über die Qualität dieser Bemühungen weniger günstig aus. So hielten z.B. nur 46% der Studierenden an Universitäten und immerhin 72% an (Fach-)Hochschulen die praktische Anwendung des Lehrstoffs für gut und eher gelungen. Schlechter falle die Bewertung spezieller praxisbezogener Veranstaltungen und Übungen aus. Angesichts dieser Bewertungen sei es nicht verwunderlich, dass 44% der Studierenden an Universitäten und 26% an (Fach-)Hochschulen einen stärkeren Praxisbezug anmahnten. Zufrieden mit dem Praxisbezug bzw. der Berufsvorbereitung sei an der Universitäten nur jeder zehnte, an den (Fach-)Hochschulen immerhin jeder zweite bis vierte.

Diese Ergebnisse würfen, so Tino Bargel, die Frage nach der „Praxistauglichkeit des Studiums“, also der Art und Weise, wie die Lehre an den Hochschulen Praxisbezüge herstelle, Berufserfahrungen ermögliche und praktische Bewährungen anbiete. Interessant erschien hier die Erkenntnis, dass Studierende deutlich höhere Studienerträge – von der Fach- und Methodenkenntnis über die Problemlösungsfähigkeit bis hin zur persönlichen Autonomie – konstatierten, je häufiger und enger der Praxisbezug in der Lehre hergestellt werde. Daraus lasse sich die klare Forderung ableiten, neben Praktika das gesamte Spektrum der Möglichkeit zur Integration von Praxisbezügen in das Studium auszuschöpfen.

Bislang vernachlässigt werde die Forschungserfahrung als wichtiger Praxisbezug. So nähmen die Studierenden eine starke Forschungsorientierung alles in allem für den Gewinn an Kompetenzen und beruflicher Qualifikation als ertragreicher wahr als einen engen Praxisbezug. Dem liege die Überzeugung zu Grunde, dass Forschung und Praxis, Theorie und Anwendung keinen Gegensatz bildeten. Hier sah Herr Bargel noch Forschungspotential: „Es wäre insofern aufschlussreich, ergänzend zu klären, inwieweit die Studierenden zu einem forschenden Lernen angeregt und angehalten werden und wie forschungsnah die Praktika in den besuchten Betrieben oder Einrichtungen ausgelegt sind. Neben den Praxisbezügen wären demnach stets die Forschungsbezüge in den Studiengängen, aber auch in den Praktika, zu thematisieren, was bislang allzu vernachlässig erscheint.“

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Vortrag Dr. Choni Flöther, INCHER zu KOAB Absolventenbefragung

Dr. Choni Flöther vom INCHER Kassel stellte in ihrem Vortrag „Praxisbezug im Studium: Die Sicht von Hochschulabsolventen/innen“ Ergebnisse des Kooperationsprojekts Absolventenstudien (KOAB) vor. Dabei handelt es sich um jährliche Befragungen, die sich an Absolventinnen und Absolventen 1,5 und 4,5 Jahre nach ihrem Abschluss richten und seit 2009 durchgeführt werden. In Bezug auf die beruflichen Vorerfahrungen bzw. Ausbildungen der Studierenden stellte sie fest, dass es im Vergleich Diplom zum Bachelor nur geringe Unterschiede gebe, wenn überhaupt. Allenfalls bei Masterstudierenden ließen sich vermehrt berufliche Erfahrungen feststellen. Auch spielten berufliche Vorerfahrungen durch ihre Anerkennung im Rahmen der höheren Durchlässigkeit heute eine größere Rolle.

Bei der Bewertung der Praxisorientierung hielte sich die Einschätzung der Absolventinnen und Absolventen die Waage: 28% bezeichneten die Praxisorientierung als gut und 28% als schlecht. „Praxisorientierung“ setzte sich dabei aus den Einzelvariablen Aktualität der vermittelten Lehrinhalte bezogen auf Praxisanforderungen, Pflichtpraktika/Praxissemester, Verknüpfung von Theorie und Praxis, Lehrende aus der Praxis, praxisbezogene Inhalte, Projekte im Studium/Studienprojekte/Projektstudium sowie Vorbereitung auf den Beruf zusammen. Während die Aktualität der Lehrinhalte überwiegend gut bewertet werde, hielten sich bei den folgenden Items gute und schlechte Bewertung in etwa die Waage. Eine eindeutig negative Tendenz in der Einschätzung der Absolventinnen und Absolventen wiesen die Variablen Projekte im Studium mit 41% und Vorbereitung auf den Beruf mit 50% negativen Bewertungen auf. Differenziere man die Betrachtung nach Universitäten und (Fach-)Hochschulen, so falle auf, dass Universitätsabsolventinnen und –absolventen Projekte im Studium und die Vorbereitung auf den Beruf etwa doppelt so häufig mit schlecht beurteilten.

Interessant sei zudem, so Frau Dr. Flöther, dass im Vergleich Diplom zu Bachelor/Master die (Fach-)Hochschulabsolventinnen und –absolventen, die Praxisorientierung in den gestuften Studiengängen deutlich positiver beurteilten, als in den Diplomstudiengängen. An den Universitäten zeige sich dagegen ein leicht anderes Bild:  während die Praxisorientierung im Master deutlich besser beurteilt werde als im Diplom (24% gut; 30%schlecht), schneide das Bachelorstudium (22% gut; 31% schlecht) leicht schlechter ab.

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Vortrag Kevin Heidenreich, DIHK zur Zufriedenheit der Arbeitgeber

Kevin Heidenreich von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) stellte die Ergebnisse einer regelmäßig durchgeführten Befragung der Mitgliedsunternehmen zu den Kompetenzen der Hochschulabsolventinnen und -absolventen und den Erfahrungen mit Bachelor- und Masterabsolventinnen und -absolventen vor.

Als ein Ergebnis stellte er den Hauptgrund für Entlassungen von Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern während der Probezeit vor: die fehlende Fähigkeit, theoretisch erworbenes Wissen im Berufsalltag praktisch einzusetzen. Daraus folgerte Heidenreich die Notwendigkeit Praxisbezüge wie Pflichtpraktika oder Projektarbeit an dem ersten Semester als festen Bestandteil in die Studiengänge zu integrieren. Weitere Entlassungsgründe seien mangelndes Fachwissen und mangelnde persönliche bzw. soziale Kompetenzen. Zwar bewerteten die Unternehmen die Absolventinnen und Absolventen der Bachelor- und Masterstudiengänge überwiegend positiv, hinsichtlich der Arbeitsmarktrelevanz der Studiengänge und Berufsbefähigung der Absolventinnen und Absolventen gebe es jedoch noch Verbesserungspotentiale.

Anders als gerne kolportiert spielten die Abschlussnoten und Fachkenntnisse bei der Einstellungsentscheidung von Absolventinnen und Absolventen eine eher untergeordnete Rolle. Fachkenntnisse würden vorausgesetzt – hier seien die Unternehmen mit dem Niveau der Absolventinnen und Absolventen insgesamt sehr zufrieden – und gute Noten seien eine wichtige Voraussetzung, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Ausschlaggebend für die tatsächliche Einstellung seien dann aber „Soft Skills“ wie Einsatzbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, selbstständiges Arbeiten oder Kommunikations- und Teamfähigkeit. Auslandserfahrungen und das Einhalten der Regelstudienzeit seien hingegen nicht so von Interesse. Allerdings dürfe hinsichtlich eines Auslandsaufenthaltes nicht verkannt werden, dass dadurch regelmäßig unterschiedlichste „Soft Skills“ geschult würde. Damit liege der Wert eines Auslandaufenthalts weniger im Aufenthalt an sich, als vielmehr in der damit verbundenen Persönlichkeits- und Charakterbildung. Für die Hochschulen stelle sich die Frage, wie sie die „Soft Skills“ sinnvoll mit dem Fachwissen verbinden könnten.

Als besonders positiv hätten sich, so Heidenreich, die Erfahrungen mit dualen Studiengängen erwiesen. Gerade die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Theorie und praktischer Anwendung sei besonders wertvoll. So helfe nicht allein das theoretische Wissen bei der Lösung praktischer Probleme, vielmehr erleichterten die Lehrinhalte aus der Ausbildung das theoretische Verständnis. So überrasche es wenig, dass 23% der befragten Unternehmen planten, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig über duale Studiengänge qualifizieren zu wollen. Ein Trend, dem sich die Hochschulen stellen müssten.

Abschließend resümierte Heidenreich mit drei Botschaften: 1. Die Anforderungen der Unternehmen seien sehr unterschiedlich – d.h. pauschale Aussage über Art und Umfang der Praxisbezüge aber auch über die Anforderungsprofile der Absolventinnen und Absolventen seien schwierig zu treffen. Letztlich müssten Hochschulen und Unternehmen (in einer Region) intensiver miteinander ins Gespräch kommen. 2. Die Unternehmen vermissen den Praxisbezug im Studium und 3. Friedenspfeife rauchen, will sagen: miteinander sprechen.

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Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion widmete sich dem Thema „Praxisbezüge im Studium“. Zunächst klärten die Diskutanten ihren Zugang zum Begriff Employability: Einigkeit herrschte darüber, dass es bei Employability nicht um eine Berufsbefähigung gehe, sondern um die Arbeitsmarktrelevanz von Studiengängen und die Beschäftigungsfähigkeit des Individuums, also der Studierenden (Burckhart). Mehr noch, Employability bezeichne die Fähigkeit der fachlichen und sozialen Einarbeitung in ein Themenfeld, einen beruflichen Kontext (Bartels), zeichne sich also durch Handlungskompetenz (in Form von Fach-, Methoden und Sozialkompetenz) aus und beinhalte auch die Fähigkeit, sich auf neue Dinge einzustellen (Geilsdörfer). Die Handlungskompetenz sei dabei durch die Fähigkeit gekennzeichnet, gerade in beruflichen Situationen die nicht durch Routinen gekennzeichnet sind, ergebnisoffen komplexe Lösungen anbieten zu können (Jorzik).

Nach einem Exkurs zur Frage, was eigentlich Bildung und was Ausbildung kennzeichne, drehte sich die Diskussion um Praxisbezüge im Studium. Frau Görner wies dabei auf den engen inneren Zusammenhang von Forschung und Lehre hin, und dass dieser Zusammenhang allen Seite – Lehrenden wie Studierenden und Unternehmen –  nütze, was Herr Burckhart zum Anlass nahm, eine Lanze für das forschende Lernen zu brechen. Forschendes Lernen als Teil der Praxiserfahrung ermögliche es den Hochschulen ihren Bildungs- und Ausbildungsauftrag gleichermaßen wahrzunehmen, denn beim forschenden Lernen flössen Forschung und Lehre optimal zusammen. Die Studierenden erwürben methodisches Wissen in der konkreten Anwendung realer Probleme. „Ich trenne Forschung und Lehre nicht. Forschung und Lehre gehören unabdingbar zusammen, sonst haben wir auf der einen Seite höhere Lehranstalten im Sinne der Feuerzangenbowle und auf der anderen Seite haben wir außeruniversitäre Forschung. Das werden Sie ja wohl nicht wollen. Das kann keiner wollen.“ Aus dem Publikum wurde an dieser Stelle auf das Problem der didaktischen Qualifikation der Lehrenden und die schwierigen Rolle der Hochschuldidaktik (mangelnde Akzeptanz) hingewiesen. Neben dem beschriebenen Akzeptanzproblem sehe sich die Hochschuldidaktik mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, ergänzte Frau Jorzik. Zum einen gäbe es nicht genügend Weiterbildungsangebote für alle, zum anderen fehle denjenigen, die die vorhandenen Angebote nachfragten, häufig die nötige Unterstützung von ihren Vorgesetzen (Lehrstuhlinhaberinnen und -inhabern, Dekanin und Dekanen, Präsidentinnen und Präsidenten). Hier bedürfe es eines Veränderung im pädagogischen Ethos der Lehrenden (Sattelberger).

Abschließend wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde gebeten kurz zu reflektieren, was sie an neuen Erkenntnissen aus der Diskussion mitnähmen. Dazu zählten u.a. das nochmalige Bewusstwerden über die Unterschiede und Probleme in den verschiedenen Fächerkulturen (Bartels), die Erkenntnis vor einer neuen Komplexität zu stehen, was die Qualifizierung der Studierenden angeht, die zukünftig auf sehr anspruchsvollen Berufsfeldern arbeiten müssten (Geilsdörfer) und das die zukünftigen Debatten sich nicht mehr auf der Metaebene der Begriffe abspielen (Görner) und hochschultypenunabhängig geführt werden müssten (Maikämper). Als Schlüsselthema wurde auch der pädagogischer Ethos der Lehrenden identifiziert; hier gelte, sich von altgewohnten Routinen und Denkmustern zu befreien und zu fragen, wie sich in einer veränderten Welt Lernen für die Betroffenen anders gestalten lasse (Sattelberger). Neben dieser Frage der Didaktik wurde die Diskussion über Ich-Stärke und Persönlichkeit als wichtig hervorgehoben (Jorzik).

Eine ausführliche Zusammenfassung der Podiumsdiskussion finden Sie rechts in der Navigation.

Vorstellung Fachgutachten Employability und Praxisbezüge im wissenschaftlichen Studium

Zum Abschluss der Veranstaltung stellten Professor Wilfried Schubarth (Universität Potsdam) und Professor Karsten Speck (Universität Oldenburg) den ersten Teil des Fachgutachtens „Employability und Praxisbezüge im wissenschaftlichen Studium – Bestandsaufnahme der Employability-Debatte“ vor, das im Auftrag des Projekt nexus erstellt wurde.

Die Präsentation finden Sie rechts in der Navigation.

Das Fachgutachten selbst wird in Kürze veröffentlicht.