Öffnung der Hochschulen - Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung

Gerade vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs müssen auch Berufserfahrene verstärkt für eine akademische Weiterqualifizierung gewonnen werden. Darin waren sich die Teilnehmer der nexus-Fachtagung in der Bonner Beethovenhalle einig. Die Hochschulen werden mit neuen Herausforderungen konfrontiert, etwa bei der Entwicklung von Verfahren zur Anrechnung beruflicher Kompetenzen oder der Entwicklung von Studienprogrammen für diese neuen Zielgruppen. Die Hochschulen betreiben die Entwicklung engagiert.

Der einführende Vortrag von Herrn Dr. Dohmen (FIBS) stellte die Herausforderungen an die Hochschulen vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland dar. Deutlich wurde, dass sich die Hochschulen in Zukunft auf eine höhere Zahl „neuer Studierendengruppen“ einstellen müssen. Frau Herrmann von der Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen stellte in Ihrem Vortrag den Zusammenhang von Durchlässigkeit und Qualitätssicherung her, indem sie auf die bestehenden Regelungen der KMK und des Akkreditierungsrats einging und aus Erfahrungen mit dem Thema Anrechnung in Hochschulen berichtete.

In Forum A „Hochschulen für neue Studierendengruppen öffnen“ stellte Frau Urbatsch die Initiative Arbeiterkind.de vor. Herr Kottmann berichtete über die Initiative „FH INTEGATIV“ der FH Gelsenkirchen. Die Herausforderungen für die Hochschulen liegen unter anderen in der Entwicklung von Studienprogrammen, die die Bedürfnisse der unterschiedlichen Studierenden erfassen, der Studienorganisation (z.B. Teilzeitstudiengänge) und in der Optimierung der Studienberatung — gerade für neue Studierendengruppen. Aber auch strukturelle Hemmnisse, wie z.B. die Finanzierung spezieller Studienprogramme spielen eine wesentliche Rolle, wenn Hochschulen sich „neuen“ Studierendengruppen öffnen möchten.

Welche Form von Studienprogrammen ansprechend für Studierende mit beruflicher Qualifizierung sind, wurde in Forum B „Meister wirklich gleich Master? Master wirklich gleich Meister?“ diskutiert. Hinterfragt wurde vor allem, ob beruflich Qualifizierte in speziell für sie entwickelten Master-Studienangeboten ihre individuellen Bildungswege besser gehen können. Dabei spielen jedoch auch strukturelle Rahmenbedingungen, wie die Zugangs- und Zulassungskriterien zu einem Master-Studienprogramm eine entscheidende Rolle. Input gab eine Studie des Westdeutschen Handwerkskammertag zum Thema Berufswertigkeit, die Herr Oehme vorstellte und ein Konzept zur Durchlässigkeit von Herrn Professor Dr. Rauner der Universität Bremen.

In Forum C beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Thema „Lebenslanges Lernen“. Frau Wolff-Bendik von der Universität Duisburg-Essen stellte das Verbundprojekt „Studium für Berufstätige: Erfolgsfaktoren für Lifelong Learning an Hochschulen“ vor. Zu den empirisch belegbaren Erfolgsfaktoren für eine Institutionalisierung der wissenschaftlichen Weiterbildung in der grundsätzlich offenen Hochschule zählen z.B. standardisierte Anrechnungsverfahren für weiterbildende Studienprogramme und eine Sensibilisierung für die Ansprüche erwerbstätiger Studierender. Herr Professor Dr. Wagner ging in seinem Vortrag auf die Frage ein, in welchem Zusammenhang lebensbegleitendes Studieren und  Studienmanagement stehen. Deutlich wurde, dass es vor allem darum geht, die Weiterbildung zum profilbildenden Leitbild der Hochschulen neben Forschung und Lehre zu etablieren und neue Wege zu gehen, um geeignete Studienprogramme mit einer hohen Studienqualität für die Erfordernisse unterschiedlicher Studierendengruppen anbieten zu können, so dass lebensbegleitende Lernangebote auch in der Praxis breiter als bisher angenommen werden können. In der Diskussion wurde deutlich, dass mehr "good practice"-Beispiele aus den Hochschulen zur Anerkennung beruflicher Erfahrungen für den Erfahrungsaustausch in den Hochschulnetzwerken benötigt werden.

Mit der Frage wie die Anrechnung von Kompetenzen auf ein Hochschulstudium systematisiert werden kann, beschäftigten sich die Teilnehmenden des Forums D „Anrechnung von Kompetenzen auf ein Hochschulstudium“.  Frau Friedrich stellte das Anrechnungsverfahren für Berufstätige der FH Brandenburg vor. Frau Feller vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau e.V. und Herr Hohr (Heidelberger Druckmaschinen AG) gaben einen Einblick in das Projekt „Kompetenzen anerkennen — Potenziale entwickeln.“ Diskutiert wurde über die Transfertauglichkeit der Inputbeispiele. Aber auch der real erreichte Grad an Kompetenz­orientierung in den Bildungsprozessen wurde thematisiert.

Die Tagung konnte dazu beitragen, die Herausforderungen im Kontext von Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu problematisieren und erste Lösungswege aufzuzeigen.

Das Projekt nexus der HRK wird weitere Veranstaltungen zu dieser Thematik anbieten, in denen einzelne Teilaspekte aufgegriffen werden.