Die Umsetzung der Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area (ESG) an den deutschen Hochschulen – Auf dem Weg zum Europäischen Hochschulraum

Das Thema Qualitätssicherung und -management ist auch an deutschen Hochschulen allgegenwärtig. Hochschulangehörige erwarten, dass Qualitätssicherungsmaßnahmen einerseits ihren spezifischen Fachkulturen Rechnung tragen können und andererseits Vergleichbarkeit ermöglichen. Die ESG folgen dieser Zielsetzung.

Welche Verfahren sich zur Umsetzung der ESG an deutschen Hochschulen anbieten, war Thema des zweiten Expertenworkshops. Dazu wurden zunächst einzelne Richtlinien der ESG anhand ausgewählter Praxisbeispiele in Perspektive gesetzt.

In einer abschließenden Diskussionsrunde wurde der Zusammenhang zwischen den ESG (Teil 1) und externen Qualitätssicherungsmaßnahmen erörtert. Ein zentrales Ergebnis war, dass die ESG zwar als Leitlinien zur Entwicklung individueller Qualitätskulturen nach wie vor große Relevanz haben. Angesichts aktueller Entwicklungen wie der Verabschiedung des EQF, der Diskussion zur Lernergebnisorientierung sowie der breiten Implementation verschiedener Qualitätsmanagementinstrumente bedürfen sie jedoch der Revision und Weiterentwicklung.

Die ausführliche Dokumentation der einzelnen Panels und der Diskussionsrunde sowie Links zu relevanter Literatur finden Sie weiter unten (Klick auf die roten Überschriften).

Materialien zur Veranstaltung  stehen in der rechten Spalte zur Verfügung.

Panel 1:
„Qualifikation und Qualifizierung des Lehrpersonals“ (ESG 1.4)

Im Panel 1: „Qualifikation und Qualifizierung des Lehrpersonals (ESG 1.4)“ stellten
Dr. Barbara Jesse, Stabsstelle für Qualitätssicherung und Lehrorganisation und Sören Brune, Projektleiter „Kompetenzen in der Lehre“, die Qualitätssicherungsmaßnahmen der Deutschen Sporthochschule Köln dar. Frau Jesse präsentierte insbesondere das „Integrative Qualitätsmanagmentsystem“, im Rahmen dessen u.a. die Leitsätze für gute Lehre an der DSHS entwickelt wurden.

Als zentrale Erkenntnis aus der QM-Praxis berichtete Frau Jesse, dass jüngere Lehrende allgemein offen für Qualitätssicherungsmaßnahmen seien und eine hohe intrinsische Motivation einbrächten, da die jeweiligen Maßnahmen als positive Instrumente zur Steigerung der eigenen Lehrkompetenz perzipiert werden.

Herr Brune stellte anschließend das Projekt „Startsprung in die Lehre“ vor, welches der Professionalisierung und Schulung junger Lehrkräfte dient. Die Präsentation steht in der rechten Spalte zum Download bereit.

Ein Ergebnis der anschließenden Diskussion war, dass das Bewusstsein über die Vorteile der Qualitätssicherung sich nach und nach durchsetzt. Allerdings bestünden an den Hochschulen teilweise weiterhin Vorbehalte gerade gegenüber zentralen Maßnahmen des QM. Um eine universitätsweite QM-Kultur zu etablieren, müsse daher mitunter auf die „Demographische Fortsetzung“ des Lehrpersonals gesetzt werden.

Panel 2: "Datensysteme" (ESG 1.6)

Im Panel 2: „Datensysteme (ESG 1.6)“ stellte Dr. Uwe Schmidt vom Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verwendeten Datensysteme zur Qualitätssicherung dar (unter anderem  das sogenannte „Datencockpit“) und diskutierte im weiteren Kontext die Systematik und bisherige Praxis der Datenerhebung für Qualitätssicherungsmaßnahmen an Hochschulen.

Schmidt wies unter anderem auf das Problem hin, überhaupt relevante Daten für die Qualitätssicherung zu generieren. Andererseits fehlten den gesammelten Daten teilweise Erklärungskraft. Er plädierte daher für eine Revision und Straffung bisheriger Datenerhebungen insofern, als wenige Erkenntnis generierende Daten besser seien als viele ritualisierte Datensysteme.

In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass um adäquate Fragestellungen für die Evaluation zu generieren, eine engere Verzahnung mit der Hochschuldidaktik vonnöten sei.

Darüber hinaus wurde kritisch festgehalten, dass die Evaluation nicht alle Probleme der Hochschulentwicklung darstellen und lösen könne. Zuletzt wurde der Wunsch nach integrierten, hochschulübergreifend genutzten Datensystemen geäußert, da die Exklusivität und Vielzahl der derzeit genutzten Systeme eine effektive Zusammenarbeit der QM-Beauftragten verhindere.

Die Präsentation von Dr. Schmidt steht in der rechten Spalte zum Download bereit.

Panel 3: „Konzept und Verfahren zur Qualitätssicherung (ESG 1.1)

In Panel 3: „Konzept und Verfahren zur Qualitätssicherung (ESG 1.1)“ präsentierte Dr. Philipp Pohlenz vom Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium (ZfQ) die an der Universität Potsdam implementierten Qualitätssicherungsinstrumente. Insbesondere thematisierte Herr Pohlenz die „Dialogorientierte Qualitätskultur“ an der Universität Potsdam, die auf Dezentralität und Subsidiarität mit Beauftragten für die Qualitätssicherung in den einzelnen Fakultäten setzt, wobei die einzelnen
Maßnahmen zentral gesteuert werden. 

Darüber hinaus berichtete Herr Pohlenz von einem Qualitätsmanagementhandbuch sowie der hochschulinternen Akkreditierungskommission unter Beteiligung von Studierenden
und externen Arbeitsmarktvertretern.

Die Präsentation von Herrn Pohlenz steht in der rechten Spalte als Download
zur Verfügung.

In der anschließenden Diskussion wurde das Dilemma zwischen den Vorbehalten auf Fachebene gegenüber einer zentralen Kontrolle und der meist zentralen Koordination von QM-Maßnahmen verdeutlicht. Ein Resumee war, dass QM-Beauftragte eher beratend als prüfend tätig seien. Allerdings sei das Ziel aller QM-Maßnahmen immer die Qualitätsverbesserung und hierfür ein gewisses Maß an Kontrolle notwendig.
Wie dies praktisch zu bewerkstelligen ist, sei eine Frage des Vertrauens und der jeweiligen QM-Kultur.

Diskussionsrunde:
„Die ESG als Basis externer Qualitätssicherungsverfahren“

Den Abschluss des Workshops bildete die Diskussionsrunde: „Die ESG als Basis externer Qualitätssicherungsverfahren“ unter Beteiligung von Prof. Dr.-Ing. Richard Korff, Vizepräsident für Lehre, Studium und Weiterbildung der Fachhochschule Münster, Dr. Olaf Bartz, Geschäftsführer des Akkreditierungsrates, Peter Greisler, Unterabteilungsleiter Hochschulen, Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie Dr. Birger Hendriks, ehemaliger Bologna-Beauftragter der KMK.

Hinsichtlich der Bedeutung der ESG wurde zunächst betont,  dass sie schon allein deswegen weiterhin relevant seien, weil sie als Grundlage der Akkreditierungsvorgaben dienen. Darüber hinaus sei die Grundlage der Qualität von Hochschulen gute Lehre. Hierfür seien Standards notwendig, welche eine Prozessverbesserung herbeiführen, die für alle Beteiligten von Interesse seien. Die ESG sollten daher beibehalten und weiterentwickelt werden.

Weiterentwickelt werden sollten sie deshalb, weil die ESG zu einer Zeit entwickelt wurden, zu der bestimmte tools noch nicht implementiert waren, wie z.B. der European Qualifications Framework, und bestimmte Diskussionen wie etwa die Debatte um Lernergebnisse oder verschiedene QM-Instrumente, noch nicht wie heute in vollem Gange war. Eine Anregung lautete dementsprechend, die ESG in vernetzterer Struktur anzulegen und dabei an den EQF anzuknüpfen.

Aus dem Auditorium wurde der große Wunsch auf Hochschulseite nach einer Verschlankung der Strukturvorgaben sowie klarerer Strukturen und der Bündelung und Vernetzung einzelner Vorgaben und Richtlinien deutlich.

Ein Fazit der Diskussionsrunde war, dass die ESG als hilfreiche Leitlinien für die Entwicklung von Qualitätskulturen nach wie vor Relevanz haben und fortgeschrieben werden sollten.


Literatur zu den ESG / Überarbeitung ESG