Universität Ulm: Abbrecherquote senken, Forschen schon im Bachelor

28. August 2012

Die Universität Ulm will den Einstieg ins Studium erleichtern, den Wissenschafts- und Praxisbezug im Studium stärken und Abbrecherquoten senken. Möglich wird dies durch das Förderprogramm „Willkommen in der Wissenschaft“ des Landes Baden Württemberg, in dessen Zuge 23 Hochschulen des Landes Mittel erhalten, um die Studieneingangsphase zu verbessern.

300.000 Euro erhält die Universität Ulm in den kommenden drei Jahren vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) – die Maximalförderung. Darüber hinaus will die Hochschule eigene Mittel einsetzen.

„Es freut mich, dass wir mit diesen Fördermitteln Angebote bereitstellen können, die das Interesse an den Studienfächern aufrechterhalten und steigern können“, sagt Professor Ulrich Stadtmüller, Vizepräsident für die Lehre an der Uni Ulm. Das gelte besonders für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit vielen anspruchsvollen und meist theorielastigen Grundlagenvorlesungen. 

Forschungswochen im Bachelor
Drei übergreifende „Aktionsfelder“ sollen angehenden Akademikern in Ulm den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten erleichtern. Zum einen wird das Erfolgsmodell „Projektpraktikum in der Physik“ ausgebaut. Die Idee: Bereits im Bachelorstudium bearbeiten die künftigen Akademiker über ein Semester selbstgestellte wissenschaftliche Fragen.

In der Vergangenheit haben sie beispielsweise nach dem optimalen „Nabada-Floß“ gesucht oder die Viskosität („Zähflüssigkeit“) von Nutella ermittelt. Die besten Projekte werden künftig mit prämiert, ausgezeichnete Studierende dürfen einen Monat lang in einer Abteilung der Universität forschen.


An angehende Ingenieure wenden sich die so genannten Bachelor-Forschungswochen: Talentierte Studierende erhalten Gelegenheit, während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer wissenschaftliche Projekte unter Anleitung durchzuführen und bei einer Abschlussveranstaltung zu präsentieren.

Frühzeitige Einblicke in Forschung und Praxis
Das zweite Aktionsfeld umfasst Gastvorträge und Kolloquien zu Themen aus Forschung und Praxis – etwa für Studierende der Biologie und Wirtschafts­wissenschaften. Dank dieser Vorträge erhalten die Studienanfänger bereits während der oft als lebensfern empfundenen ersten Semester Einblicke in mögliche Berufsfelder. Außerdem beantworten die Gäste eine bei vielen Dozenten unbeliebte Frage: „Wozu brauche ich den Stoff eigentlich?“ 

Mit historisch bedeutsamen Errungenschaften ihres Fachs sollen sich künftig Studierende der Informatik auseinandersetzen. Das heißt: wegweisende Forschungsarbeiten werden mit den belegten Methoden erneut erarbeitet.

Drittens sollen für Ulmer Studierende der Wirtschafts­wissenschaften offene und virtuelle Lernräume geschaffen werden. Dazu kommt eine elektronische Bibliothek mit vorlesungsbegleitenden Übungen für künftige Chemiker. Mithilfe qualifizierter Tutoren können Studienanfänger so den Vorlesungsstoff nacharbeiten. Die virtuellen Angebote richten sich besonders an Studierende, die Kinder haben oder Angehörige pflegen.

MINT-Abbruchquote verringern
Das Programm „Willkommen in der Wissenschaft“ soll dabei helfen, die Abbruchquote – gerade in naturwissenschaftlich-technischen Fächern - zu verringern. Schließlich sind die Berufsaussichten für MINT-Absolventen nach wie vor ausgezeichnet. Alle entsprechenden Neuerungen an der bekanntlich naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Uni Ulm werden evaluiert und im Erfolgsfall auf weitere Fächer übertragen. Einige Maßnahmen sollen bereits im Wintersemester umgesetzt werden.

(Quelle: PM)