Studie: Weniger Abbrecher im Ingenieurstudium

7. Dezember 2017

Neue Studie zum Abbruch in den Ingenieur­wissenschaften: In vielen Fällen schreiben sich Studierende, die in einem Studiengang aufgeben, an anderen Hochschulen oder in einem anderen Fach ein. Foto: Pixabay

An Universitäten ist die Studienabbruchquote in den Ingenieur­wissenschaften niedriger als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von acatech und TU9, für die hochschulinterne Daten in fünf ingenieurwissenschaftlichen Studienfächern von zwölf Universitäten gebündelt wurden. 23 Prozent der berücksichtigten Kohorte hatte die Hochschule bis zum Ende des neunten Fachsemesters ohne Abschluss verlassen – das DZWH hatte in seiner letzten Untersuchung noch eine Abbruchquote von 32 Prozent für universitäre Bachelor in den Ingenieur­wissenschaften ermittelt. Ein Grund für die abweichenden Zahlen: Im Vergleich zu früheren Untersuchungen wurden bei der aktuellen Studie Fach- bzw. Hochschulwechsler stärker berücksichtigt.

Weitere Ergebnisse der Studie sind: Die Schwundquoten sind in zulassungsbeschränkten Studiengängen in der Regel niedriger als in zulassungsfreien Studiengängen. Werden Eignungsfeststellungsverfahren durchgeführt, liegt die vorzeitige Exmatrikulation ohne Abschluss bei 16 Prozent zu Beginn des 7. Semesters gegenüber 37 Prozent in zulassungsfreien Studiengängen. Die Mehrzahl bricht das Studium innerhalb der ersten zwei Fachsemester ab. Frauen brechen ihr Studium nicht häufiger als Männer ab. Die Schwundquote der Bildungsausländerinnen und -ausländer ist dagegen höher als die der Bildungsinländer und deutschen Studierenden.

Die Autoren haben u.a. folgende Handlungsempfehlungen formuliert: Sie fordern, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so verändern, dass die Hochschulen eine größere Gestaltungsfreiheit erhalten, z.B. bezüglich der Zulassung zum Studium (Eignungsfeststellungsverfahren, verpflichtenden online -self Assessments), den Anwesenheitspflichten oder der Einführung einer Orientierungsprüfung nach dem 2. Fachsemester.

Zudem müssen regionale Gegebenheiten stärker berücksichtigt werden: Hochschulen sollten ihre Daten vergleichen und sich über Studienbedingungen und qualitätsfördernde Maßnahmen austauschen, um voneinander zu lernen und die eigenen Angebote zu optimieren. Denn die Studie zeigt auch große Differenzen in den Schwundquoten im Vergleich zwischen den Universitäten, innerhalb der Fächer und zwischen den Studiengängen in einer Universität.

Andere Empfehlungen beziehen sich auf die Hochschulen selbst. So wird beispielsweise die Bedeutung einer hohen Studienqualität sowie guter und flexibler Beratung- und Betreuungsangebote in der Studieneingangsphase betont. Auch die Ermöglichung eines um ein bis zwei Semester gestreckten Bachelorstudiums trägt dazu bei, den Studienabbruch wirksam zu senken. Diese müssten aber, genauso wie Orientierungssemester zu Beginn des Studiums, auf die BAföG-Förderungsdauer anrechenbar sein. Damit solche Angebote von den Hochschulen zur Verfügung gestellt werden können, bedarf es auch hier einer auskömmlichen Finanzierung.

Die Erkenntnisse münden im Papier: acatech POSITION „Studienabbruch in den Ingenieur-wissenschaften“.