nexus-Wintertagung: Kompetenz­orientierung auf dem Prüfstand

29. November 2017

Die Vorsitzenden der Runden Tische diskutieren mit nexus-Projektleiter Christian Tauch.

Die Kompetenz­orientierung auf den Prüfstand stellten die Runden Tische des HRK-Projekts nexus auf ihrer gemeinsamen Wintertagung in Berlin. Noch immer sei die Lehre in vielen Studiengängen zu stark an Wissensvermittlung ausgerichtet, konstatierten die Expertinnen und Experten aus Medizin- und Gesundheits­wissenschaften, Wirtschafts- und Ingenieur­wissenschaften sowie zur Anerkennung. Sie setzten sich aber auch mit der Kritik am teilweise inflationär gebrauchten Kompetenzbegriff auseinander und forderten, dass Kompetenz­orientierung in den Hochschulen nicht nur in Modulhandbüchern, sondern auch im Alltag des „forschenden Lernen“ gelebt werden müsse. Die Einheit von Lehre, Lernen und Prüfen, das sogenannte „Constructive Alignment“, sei dafür die wesentliche Voraussetzung.

Mit der Betonung von „Bildung durch Wissenschaft“ als Markenzeichen des deutschen Hochschulstudiums und der Forderung, Wissen auch anzuwenden und zu reflektieren, liefere der „Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse“ (HQR), der 2017 von HRK und KMK in einer überarbeiteten Fassung verabschiedet wurde, wichtige Impulse für eine kompetenzorientierte Studiengangentwicklung. Diese müsse das Ziel haben, eine eigenständige „akademische Professionalität“ von Hochschulabsolventinnen und -absolventen zu entwickeln. 

  • Mit Empfehlungen für einen Fachqualifikationsrahmen, die bei der Wintertagung verabschiedet und demnächst veröffentlicht werden sollen, hat der Runde Tisch Wirtschafts­wissenschaften den HQR bereits fachspezifisch übersetzt. In einer neuen Handreichung zur Qualifizierungsphase wird dieser exemplarisch auf die Gestaltung einzelner Module angewendet.
  • Kompetenzorientierte Studienganggestaltung bildet auch die Basis für Anerkennung und Anrechnung und somit für Mobilität der Studierenden und Durchlässigkeit zur beruflichen Bildung. Um die deutschen Hochschulen in dieser Thematik weiterhin zu unterstützen, wird sich der Runde Tisch Anerkennung bis Projektende diesem Thema verstärkt widmen und auch in den Beratungen und Veranstaltungen einen Fokus auf dieses Thema legen.
  • Für den Runden Tisch Medizin und Gesundheits­wissenschaften sind die strukturellen Blockaden in den reglementierten Berufen mit Hochschulausbildung in immer komplexeren Arbeitswelten entscheidend. Daher ist die Debatte um die Gelingensbedingungen von Interprofessionalität so notwendig und wird im Mittelpunkt seiner nächsten Tagung im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München am 20. Februar 2018 stehen .
  • Der Runde Tisch Ingenieur­wissenschaften hat sich mit einem Fachqualifikationsrahmen eines ingenieurwissenschaftlichen Faches auseinandergesetzt und eine Lücke zwischen einer inputorientieren Beschreibung der Inhalte des Studiums und der geforderten Kompetenzen diskutiert. Kompetenzorientierte Prüfungen könnten diese Lücke überbrücken, setzen aber eine am Constructive Alignment orientierte Lehre voraus. 

Bei der Jahrestagung von nexus am 27./28. März 2018 an der Humboldt Universität in Berlin soll die Umsetzung der Kompetenz­orientierung zusammen mit der Hochschulöffentlichkeit diskutiert und vertieft werden.