nexus-Wintertagung in Berlin

5. Dezember 2019

Bei der Wintertagung des Projekt nexus am 2. und 3. Dezember 2019 tauschten sich in Berlin zum letzten Mal rund 50 Experten an den Runden Tischen Medizin & Gesundheits­wissenschaften, Ingenieur­wissenschaften, Wirtschafts­wissenschaften und Anerkennung aus. HRK-Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt würdigte die Arbeit der Expertenrunden als think tanks des Projekts nexus. In der Abschlussdiskussion wurde die gewachsene Wertschätzung der Lehre und die Entwicklung zu mehr Kompetenzorientierung und Interdisziplinarität hervorgehoben. Trotz großer Fortschritte bleibt nach Ansicht der Teilnehmer vor allem die Kompetenzorientierung eine Entwicklungsaufgabe für die Hochschulen. Die Studieneingangsphase müsse zudem noch stärker als bisher auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Studierenden eingehen, um Studienabbrüche zu vermeiden. Mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen waren sich die Experten und HRK-Präsident Alt einig: Die qualitative Gestaltung der hochschulischen Lehre hängt wesentlich auch von den rechtlichen Rahmenbedingungen ab. So behindern seit Langem Lehrverpflichtungs- und Kapazitätsverordnungen die Hochschulen bei der Sicherung und Weiterentwicklung der Lehrqualität in eigener Verantwortung. Dennoch gelinge es immer mehr Hochschulen beispielsweise in Berufungsverfahren, individuelle Lehrproben als Nachweis für die tatsächlich hohe Qualifikation ihrer zukünftigen Lehrenden verbindlich vorzusehen.

Stimmen zur Arbeit der Runden Tische

Die Abschlusstagung der Runden Tische nahmen eine Reihe von Teilnehmern zum Anlass Bilanz zu ziehen und das Erreichte zu würdigen. So fasst Prof. Dr. Stefan Vörtler von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (Runder Tisch Ingenieur­wissenschaften) seine Eindrücke zusammen:

„Ein Fazit ist, dass nexus und die Arbeit der Runden Tische im Sinne der Vernetzung viel für die Community geleistet haben. Die im Anschluss an die Runden Tische stattgefundenen Erfahrungsaustausche haben gezeigt, dass sehr viel in Bewegung gekommen ist – und das in einer sehr kooperativen Form. Universitäten und Fachhochschulen arbeiten gerade im Ingenieurbereich gut zusammen und es gibt einen offenen Austausch ohne Konkurrenzdenken. Das ist sicherlich ein Ergebnis, das nexus sich auch auf die Fahnen schreiben kann.”

Beim Runden Tisch Medizin und Gesundheits­wissenschaften saßen Vertreter der Medizin und der Gesundheitsberufe zusammen und konnten sich interprofessionell austauschen. Gerade das Interdisziplinäre wurde von Prof. Dr. Jutta Räbiger von der Alice Salomon Hochschule Berlin betont:

„Atmosphärisch hat mir sehr gut gefallen, dass alle Studiengänge und Fachrichtungen auf Augenhöhe miteinander gesprochen haben. Es gab keine Konkurrenzsituation: „Was machen wir besser als ihr?“ Alle TeilnehmerInnen des Runden Tisches Medizin und Gesundheits­wissenschaften waren offen von anderen Disziplinen zu lernen und haben Interesse an einer stärkeren interdisziplinären Ausrichtung der Studiengänge.”

Das Thema Anerkennung verband die Teilnehmer beim gleichnamigen Runden Tisch über Fachgrenzen und Hochschultypen hinweg. Prof. Dr. Andreas Musil von der Universität Potsdam zieht ein positives Fazit:

„Die Arbeit mit dem Runden Tisch hat mir inhaltlich sehr viel gebracht und wir konnten über Hochschultypen hinweg sehr viele grundsätzliche Dinge erarbeiten, die vielleicht auch anderen Hochschulen etwas nützen. Es ist klar geworden, dass Viele schon Vieles wissen über Anerkennung. Es gibt jedoch auch Hochschulen, an denen Informationen noch nicht vorhanden sind. Das Thema Mobilität ist noch lange nicht bewältigt, es gibt neue Perspektiven, wie zum Beispiel Europäische Hochschulen. Hier entwickeln sich ganz neue Formen der Mobilität, die in Zukunft bearbeitet werden müssen.”

Prof. Dr. Hans Klaus von der Fachhochschule Kiel nennt die Themen, die den Runden Tisch Wirtschafts­wissenschaften besonders beschäftigt haben:

„Mein Resümee ist insgesamt positiv. Die Kolleginnen und Kollegen am Runden Tisch waren sehr interessiert, engagiert, dabei aber auch kritisch. Wir werden eine Handreichung zum Thema Wissenschaftlichkeit im Studium bzw. beim hochschulischen Kompetenzerwerb schon ab der Studieneingangsphase herausbringen. Dieses Anliegen hat uns sehr bewegt. Ich denke, dass wir allerdings noch nicht fertig sind mit den Herausforderungen, die es mit sich bringt, die Kompetenzorientierung als ein Regulativ zu verstehen und anzuwenden, das sich durch das gesamte Studiengangsmanagement in allen Gestaltungsdimensionen wie Curriculum, Modulbeschreibungen, Prüfungsgestaltungen, Lern-Lehr-Settings bis hin zu Anerkennung und Anrechnung zieht.”