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nexus-Tagung: Wie viel Praxis braucht und verträgt das Studium?

30. November 2017

Praktika und Praxisbezüge im Studium sind wichtige Bestandteile eines kompetenzorientierten Studiums an allen Hochschulen, "um die Zusammenhänge zwischen einer auf Anwendungsbezüge achtenden Lehre und einer wissenschaftlich reflektierten Beschäftigungsbefähigung deutlich zu machen und Verschränkungen herzustellen", wie Prof. Dr. Joachim Metzner von der HRK in seiner Eröffnungsrede einer gemeinsamen Tagung des Projekts nexus in Kooperation mit der Frankfurter Goethe-Universität klarstellte.

Gut betreute, qualitätsgesicherte Praktika sind dabei eine besonders intensive Form der Theorie-Praxis-Verknüpfung an gleichberechtigten Lernorten neben und außerhalb der eigentlichen Hochschule, die die Studierenden für einen begrenzten Zeitraum in eine Beschäftigungswirklichkeit versetzen und ihre Handlungskompetenzen fördern. Praktika und Praxisbezüge können zudem ungewöhnliche, motivationsfördernde Lerneffekte über den gesamten Studienverlauf auslösen, die den Studienerfolg erhöhen. Praktika: Mehr als Berufsorientierung

Sinnvoll ins Curriculum integriert, erfüllen sie über den Zweck der Berufsorientierung hinaus weitere wichtige Funktionen: So können auch Praktika einen wissenschaftlichen Mehrwert erzielen, da die Studierenden in ihrer Tätigkeit außerhalb der Hochschule unweigerlich mit Grundfragen des Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft konfrontiert werden und leisten dabei ebenso einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung.

Jenseits aller eher formal und strukturell definierter Qualitätsstandards eröffnet die Beschäftigung mit Praktika und Praxisbezügen an Hochschulen die Möglichkeit in einen klärenden Dialog einzutreten, welchen Raum im Theorieteil des Studiums Bildung durch Wissenschaft einnehmen kann, und welcher Anteil an einer Persönlichkeitsentwicklung sehr wohl in Praxisphasen verortet sein kann.

Fachspezifische Unterschiede

Für die knapp 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ging es auf der nexus-Tagung am 28. November entlang der Leitfrage „Wie viel Praxis braucht und verträgt das Studium?“ dann auch nicht mehr um die Frage, ob ein Studium überhaupt Praxisanteile enthalten sollte, sondern wie diese eingebunden und wie die Erfahrungen, die Studierende außerhalb der Hochschulen machen, reflektiert werden können.

Es wurde deutlich, dass es fachspezifisch große Unterschiede vor allem zwischen Studienfächern mit konkreten professionsorientierten Berufsbezeichnungen (z.B. Lehramt, Jura, Medizin) und solchen ohne konkreten Berufsbezeichnungen und -orientierungen (z.B. Geistes-, Naturwissenschaften oder Life Sciences) gibt.

Die frühzeitige Erstellung sogenannter  individueller „Kompetenzportfolios“ durch Studierende mit Hilfe der Career Center an den Hochschulen könnte, so ein Vorschlag aus den am Nachmittag tagenden Fachforen, in letzteren Fällen einen sinnvollen Beitrag zur Reflexion und Dokumentation der zusätzlich außerhalb der hochschulischen Lernorte erworbenen beschäftigungsrelevanten Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen leisten und so die Bewerbungschancen und Mobilität der Absolventinnen und Absolventen auf den nationalen und internationalen Arbeitsmärkten weiter fördern.

Vorsicht vor der "Erfahrungsfalle"

Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber, dass die sogenannte „Erfahrungsfalle“ - Studierende glauben nach einem Praktikum, dass sie schon alles können - zu vermeiden ist. Schließlich sollen sie nicht nur in die Lage versetzt werden, in einer bestehenden beruflichen Realität klarzukommen, sondern auch lernen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und im besten Fall die Praxis wissenschaftlich reflektiert verändern zu können.

„Es rechnet sich, in die Praxis zu investieren“ resümierte zum Abschluss der Tagung Prof. Dr. Tanja Brühl, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Goethe-Universität. Dies gelte im Sinne gleichermaßen für Fachhochschulen wie Universitäten, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung und unterschiedlichem Fokus.

  • Prof. Dr. Tanja Brühl hat dem Deutschlandfunk ein Interview zur Tagung gegeben, welches hier nachgehört werden kann.
  • Die Tagungsdokumentation finden Sie demnächst hier.
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Termine

23./24. Januar 2018
„Kompetenzen im Fokus: Instrumente für gute Anerkennung und Anrechnung“ an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

20. Februar 2018
"Medizin und Gesundheitsfachberufe: Interprofessionalität fördern und Übergänge gestalten",  Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München