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Mehr Lohn, weniger (längere) Praktika

13. März 2017

Seit Einführung des Mindestlohngesetzes müssen freiwillige Praktika, die länger als drei Monate dauern, besser entlohnt werden. Bild: Pixabay

Jedes sechste Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine Praktikumsplätze wegen des Mindestlohns reduziert. Nach Berechnungen des Stifterverbandes und des IW Köln sind bei steigender Studierendenzahl bis zu 53.000 Praktikumsplätze von 2014 auf 2015 verloren gegangen. Das ist vor allem auf große Unternehmen zurückzuführen, die hauptsächlich längere und mindestlohnpflichtige Praktika anbieten. Mittelgroße Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern haben ihr Angebot an Kurz- oder Pflichtpraktika - bei denen der Mindestlohn nicht greift - aufrechterhalten. Gleichzeitig hat die Wirtschaft aber ihre Investitionen in Praktika von 2012 auf 2015 um mehr als 50 Prozent erhöht (2012: 642 Mio. Euro; 2015: 975 Mio. Euro). Der starke Anstieg ist vor allem auf die höheren Praktikantenlöhne zurückzuführen.

IW Köln und Stifterverband beobachten den Rückgang vor allem längerer Praktika mit Sorge und fordern als Konsequenz eine Anpassung des Mindestlohngesetzes. "Längere Praktika sind sehr gut bezahlt, bieten die Möglichkeit des eigenständigen Arbeitens, werden aber aufgrund der Kosten immer seltener angeboten“ sagte Michael Hüther, Direktor des IW Köln, „bei Kurzpraktika unter zwölf Wochen haben die Praktikanten dagegen seltener die Möglichkeit, aufgrund der Kürze eigene Projekte zu übernehmen oder selbständig verantwortungsvoll zu arbeiten."

HRK-Fachgutachten: Es kommt nicht auf die Dauer an 
Aus Sicht der HRK führen möglichst lange Praxisphasen allerdings nicht automatisch dazu, dass die Absolventinnen und Absolventen besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Entgegen der Forderung vieler Arbeitgeber liegt der Schlüssel nicht in einer Ausdehnung von Praxisphasen, sondern in einer besseren Betreuung und Reflexion der Praktika im Studiengang, einer funktionierenden Theorie-Praxis-Verzahnung und der curricularen Einbindung der Praktika. Zu diesem Schluss kommt ein Auftrag des Projekts nexus der HRK erstelltes Fachgutachten. Die Gutachter empfehlen eine Aufwertung von Praktika in allen Studienprogrammen und ihre Anerkennung als ein Merkmal guter Lehre. Eine systematische Integration von Praktika in den jeweiligen Studiengang erhöht die Lernmotivation und den Studienerfolg.

Es geht also darum, vor allem Qualität von Praktika, in den Blick zu nehmen:  Je qualitätsgeleiteter das Lehr- und Lernformat Praktikum wird, desto mehr Akzeptanz wird es bei allen Hochschulen gewinnen und umso mehr wird es zum selbstverständlichen Bestandteil eines zur Arbeitswelt hinführenden wissenschaftlichen Qualifikationsprozesses. Gelingen kann dies nur im Dialog aller beteiligten Akteure – Hochschulen, Studierende, Sozialpartner, Politik.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie "Bildungsinvestitionen der Wirtschaft" 2015 finden Sie unter: www.stifterverband.org/bildungsinvestitionen-der-wirtschaft-2015

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