Detailansicht

Kommentar: "Wir brauchen eine Mitwirkungspflicht für Studierende"

18. Juli 2017

Viele Studierende nutzen Beratungsangebote nicht. Deshalb fordert Prof. Dr. Aloys Krieg eine Mitwirkungspflicht. (Symbolbild) Foto: Pixabay

Für Prof. Dr. Aloys Krieg, Prorektor für Studium und Lehre an der RWTH Aachen, kommt es im Kampf gegen Studienabbruch vor allem darauf an, Studienzweifler früh zu identifizieren. Von Studierenden erwartet er aber auch eine Gegenleistung.

Tragisch sind Studienabbrüche vor allem dann, wenn sie erst nach mehreren Semestern erfolgen. Hochschulen sollten daher einen Fokus darauf legen, Studierende, die an ihrer Studienentscheidung zweifeln, frühzeitig zu beraten und mit ihnen gemeinsam eine Strategie zu entwerfen, wie es im Studium oder auch ohne Studium weitergehen könnte.


Doch wie können Studierende, die vom Studienabbruch bedroht sind, rechtzeitig identifiziert und aktiv betreut werden? Im Regelfall wenden sie sich nicht von alleine an die beratenden Instanzen oder nehmen Unterstützungsangebote wahr. Die RWTH Aachen setzt in diesem Fall auf das „Aachener Mentoring Modell“. Studierende, die weniger als zwei Drittel der erforderlichen Credit Points gemäß ihres Studienplans erlangt haben oder im letzten Prüfungsversuch stehen, werden angeschrieben und zu einem Beratungsgespräch eingeladen.


In diesen Gesprächen wird analysiert, was die Schwierigkeiten im Studium verursacht, wie diese behoben werden können oder ob ein Studiengangs-/Hochschulwechsel oder sogar eine Überleitung in eine Berufsausbildung in Frage kommen. Wichtig ist, dass die Studierenden an dieser Stelle nicht alleine gelassen werden und ihnen sinnvolle Alternativen aufgezeigt werden.


Künftig wollen wir Studienzweiflerinnen und Studienzweifler noch früher identifizieren. Dazu soll analysiert werden, welche Studienanfängerinnen und Studienanfänger keine oder sehr wenige Credits erreicht haben und ob es Studierende gibt, die sich zwar zu Prüfungen anmelden, aber regelmäßig wieder abmelden bzw. keinen Prüfungstermin wahrgenommen haben. Hiervon versprechen wir uns, direkt am Anfang potentielle Studienaussteigerinnen und Studienaussteiger erkennen zu können, die ebenfalls in die Beratung des Aachener Mentoring Modells überführt werden.


Ich bin überzeugt, dass solche Frühwarnsysteme mit Beratung der richtige Ansatz sind. Studierende, die das Angebot wahrnehmen, bewerten dieses in der Regel sehr positiv. Leider kommen jedoch nur 20 Prozent derjenigen, die wir anschreiben, auch zu den Gesprächen. Daher fordere ich auch eine Mitwirkungspflicht der Studierenden. Studierende sollten zur Verantwortung gezogen werden, indem sie an Prüfungen teilnehmen und Leistungsnachweise erbringen – oder andernfalls verpflichtend an einer Beratung teilnehmen, um das Studium überhaupt fortsetzen zu können. Bedauerlicherweise lässt das nordrhein-westfälische Hochschulgesetz dies nicht zu.


Es geht nicht darum, Studierende unter Druck zu setzen oder früh „herauszusieben“, sondern gemeinsam die Gesamtsituation zu analysieren und Hilfen anzubieten. In unserer Hochschule haben wir gemeinsam mit den Studierendenvertretungen strukturell und auch kulturell viel auf den Weg gebracht, um das Studium studierbarer zu machen. Ich meine, dass wir dafür auch von Studierenden eine Gegenleistung im Sinne eines kontinuierlichen Studienfortschritts erwarten dürfen.

Themenfelder
Newsletter

Strahlend leuchtende Neuigkeiten zu den nexus-Themen im Newsletter.

Termine

23./24. Januar 2018
„Kompetenzen im Fokus: Instrumente für gute Anerkennung und Anrechnung“ an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

20. Februar 2018
"Medizin und Gesundheitsfachberufe: Interprofessionalität fördern und Übergänge gestalten",  Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München