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Duales Studium aus Sicht der Studierenden

1. Juli 2017

Die Lernorte Hochschule und Betrieb müssen besser verzahnt werden. Bild: Pixabay

Das duale Studium steht als modernste Form der Vermittlung von Theorie und Praxis besonderen Anforderungen gegenüber. Diese ergeben sich sowohl aus den als Folge der Europäischen Studienreform („Bologna“) neugestalteten, gestuften Studiengängen als auch aus der sich permanent wandelnden, derzeit auf die Digitalisierung der Beruflichkeit  zustrebenden Arbeitswelt. Die wesentlichen beiden Ziele des dualen Studiums richten sich einerseits auf die Verbesserung des Studienerfolgs und andererseits insbesondere auf die Stärkung der Beschäftigungsbefähigung der Absolventinnen und Absolventen. Diese lässt sich am besten dadurch erreichen, so die Lesart, wenn die theoretischen und praktischen Studienanteile besser aufeinander abgestimmt werden, wozu eine vertiefte und qualitätsgesicherte Kooperation der verschiedenen Lernorte innerhalb wie außerhalb der Hochschule notwendig erscheint.

Nur wenn eine institutionelle und strukturelle Verzahnung der Ausbildungsinhalte beider Lernorte gelingt, handelt es sich laut Wissenschaftsrat (2013) um ein echtes ausbildungsintegrierendes duales Studium. Die Sozialpartner, Unternehmen wie Gewerkschaften, klagen allerdings schon seit geraumer Zeit darüber, dass die Integration der beiden Lernorte Hochschule und Betrieb völlig unzureichend ausgeprägt sei, weil die akademische und berufliche Bildung sich zu wenig vernetzen (Position des DGB zum Dualen Studium, 2017). Hier setzt die Untersuchung „Das duale Studium aus Sicht der Studierenden“ aus der Universität der Bundeswehr und der HAW Hamburg an und analysiert vorbildhaft die Intensität der Lernortkooperationen und das tatsächliche Zusammenwirken von Hochschulen und Unternehmen aus der Sicht dual Studierender in den Fächergruppen Ingenieur­wissenschaften und Wirtschafts­wissenschaften.

Mit Hilfe von Online-Fragebogen werden Erfahrungen, Einschätzungen und Verbesserungsvorschläge hinsichtlich der Organisation der Ausbildung in den Unternehmen und an den Hochschulen ebenso wie an anderen tertiären Bildungseinrichtungen, die Qualifizierungsmaßnahmen in den Unternehmen, die Betreuung an beiden Lernorten sowie die subjektiv wahrgenommene Belastungen und Autonomiegrade am Arbeitsplatz erhoben. Die klar strukturierte, faktengesättigte Studie entwickelt insgesamt sieben konkrete Empfehlungen (S.73f.). Diese sollen dabei helfen, die bestehenden Blockaden in der Lernortkooperation aufzubrechen und weitergehende, theoretisch ebenso notwendige wie praktisch umsetzbare Vorschläge für die Weiterentwicklung dualer Studienangebote im Sinne eines hohen Qualitätsanspruchs sowohl der Lehre an den Hochschulen als auch der Ausbildung in den Unternehmen zu konkretisieren.

Denn eines wird zumindest in der Forschung nicht mehr angezweifelt (S. 74): Lernortkooperationen können nur unter bestimmten institutionellen und personellen Rahmenbedingungen gelingen. Die Studie entwickelt ähnlich wie das nexus-Fachgutachten (2016) von Schubarth et al. zur Qualitätssicherung der Praxisphasen außerhalb der Hochschulen und insbesondere im Lernort Betrieb erste qualitätsgesicherte institutionelle Anregungen. Beide Analysen ergänzen sich vorzüglich und sollten von den beteiligten Unternehmen und Hochschulen vor Ort als gemeinsame Richtschnur flexibel genutzt und an die vorzufindenden lokalen Standortbedingungen einvernehmlich angepasst werden. Die Studierenden werden es ihnen danken.

W. Hesser/B. Langfeldt u. Mit. v. W. Box: Das duale Studium aus Sicht der Studierenden, Hamburg 2017

Annotation: Dr. Peter A. Zervakis, Koordinator Projekt nexus

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Termine

29. September 2017
"Praxistaugliche Verfahren zur Evaluation von Lehre und Studium" an der Technischen Universität Braunschweig

6. Oktober 2017
"Monitoring: Ansätze zur Erhöhung des Studienerfolgs?" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn