CHE-Auswertung zum Teilzeitstudium

29. September 2017

Ein Teilzeitstudium ist nicht nur für studierende Eltern eine Option. Bild: Pixabay

 

Die Nachfrage nach einem offiziellen Teilzeitstudium ist überschaubar. Zum Wintersemester 2015/16 studierten laut Statistischem Bundesamt rund 190.000 Studierende nicht in Vollzeit. Der seit Jahren steigende Anteil Teilzeit-Studierender liegt aktuell bei 6,8 Prozent. Der Anteil der „de facto“-Teilzeitstudierenden, die zwar in einen Vollzeit-Studiengang eingeschrieben sind, aber weniger intensiv und länger als vorgesehen studieren, weil sie etwa nebenbei arbeiten müssen, dürfte deutlich höher liegen, schätzt das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, dessen Tochter CHE Consult die Entwicklung von Teilzeitstudienangeboten in Deutschland analysiert hatte.  

„Anders als im Berufsleben ist die Option Teilzeit an staatlichen Hochschulen in Deutschland leider immer noch keine Selbstverständlichkeit“, bilanziert CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Hinzu kämen Nachteile für Studierende, etwa bei der Studienfinanzierung. „So lange es im Teilzeit-Studium keinen Anspruch auf BAföG gibt, erscheint es als Studium zweiter Klasse. Auch die HRK hat 2016 in einer Empfehlung angeregt, angesichts der noch weiter zunehmenden Diversität der Studierendenschaft an, bessere Möglichkeiten für die individuelle, flexible Gestaltung des Studienverlaufs zu schaffen. Ein Teilzeitstudium sei längst keine Notlösung mehr.

Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland in punkto Teilzeit derzeit noch schlecht ab. Nach OECD-Berechnungen liegt die deutsche Studierendenquote im Bachelorbereich mit 10 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 18 Prozent.

Der niedrige Anteil von Studierenden in Deutschland, die offiziell einen Teilzeitstudiengang belegen, dürfte auch am geringen Angebot entsprechender Studiengänge liegen. Jeder achte Studiengang in Deutschland steht nach den Angaben im HRK Hochschulkompass auch Studierenden in Teilzeit offen. Die Quote an Teilzeitstudiengängen liegt im aktuellen Wintersemester 2017/18 bei 12,8 Prozent. Sie ist im Vergleich zum Wintersemester 2015/16 (10,6 Prozent) leicht gestiegen.

Die höchste Quote an Teilzeit-Studiengängen weist das Saarland auf, wo rund zwei Drittel aller Studiengänge in Teilzeit studiert werden können. Dahinter folgen Hamburg und Brandenburg mit 54 und 35 Prozent. In sieben Bundesländern liegt der Anteil an Teilzeit-Angeboten unter 10 Prozent. Schlusslicht ist Bremen, wo nur einer von fünfzig Studiengängen auch in geringerem Umfang pro Semester absolviert werden kann.

Insgesamt ist das Teilzeit-Angebot an Universitäten mit 14,6 Prozent etwas umfangreicher als das an Fachhochschulen mit 11,1 Prozent. Auch im Masterbereich (15,7 Prozent) haben Menschen, die etwa parallel zum Beruf ein Studium absolvieren möchten, eine größere Auswahl als im Bachelor-Bereich (11,1 Prozent).

In den Gesellschafts- und Sozial­wissenschaften besteht die Teilzeit-Option in jedem sechsten Studiengang. Gleiches gilt auch für die Sprach und Kultur­wissenschaften sowie die Medizin und Gesundheits­wissenschaften. Die geringste Quote an Teilzeit-Angeboten gibt es mit 5,8 Prozent im Fachbereich Kunst, Musik und Design.