Bildung und Kompetenzen nicht gegeneinander ausspielen

28. März 2018

Podiumsdiskussion "Führt Kompetenz­orientierung zu Imkompetenz"? mit Prof. Dr. Andreas Musil, Dr. Irene Seling, Nathalie Schäfer, Prof. Dr. Frank Dellmann und Moderator Dr. Jan-Martin Wiarda (von rechts nach links)

Hürden abbauen zwischen Kritikern und Befürwortern: Diesen Anspruch an die Tagung formulierte Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Humboldt-Universität, zur Eröffnung der nexus-Jahrestagung 2018 am 27. März. Die unter der Leitfrage „Führt Kompetenz­orientierung zu Inkompetenz?“ stehende Podiumsdiskussion machte die Chancen und Herausforderungen der Ausrichtung an Kompetenzen und Lernergebnissen deutlich.  

Weniger polemisierend als erklärend, warum Kompetenz­orientierung bei vielen seiner Kolleginnen und Kollegen „keine Prickelgefühle auslöst“, fasste Prof. Dr. Michael Kämper-van den Boogaart die Kritik zusammen: Dieser sei es offenbar gelungen, Bildung gegen Kompetenzen auszuspielen. Zudem formuliere die „psychologische Kompetenzprogrammatik Ansprüche, die sie selbst nicht einzulösen vermöge“.

Auf dem Podium entspann sich  die Frage, ob die Kompetenzdebatte nicht eher in den Feuilletons als an den Hochschulen geführt werde. Prof. Dr. Frank Dellmann hat mit Blick auf seine Hochschule, die FH Münster, beobachtet, dass die Gräben vor zehn Jahren noch deutlich tiefer gewesen seien. Prof. Dr. Andreas Musil, Universität Potsdam, pflichtete ihm bei: „Die Auseinandersetzung mit Kompetenzen hat bei Lehrenden das Bewusstsein dafür wachsen lassen, was Studierende wissen und können sollen.“ Es sei aber klar, dass Kompetenz­orientierung anspruchsvoll sei und entsprechende Ressourcen benötige. Auf die Aussage von BDA-Vertreterin Dr. Irene Seling, dass „es Wissen ohne Kompetenz, aber keine Kompetenz ohne Wissen gibt“, konnten sich alle einigen. Kontrovers diskutiert wurde, ob das Studium ‚entwissenschaftlicht‘ werde. „Erkenntnisgewinn fällt der Arbeitsmarktfähigkeit zum Opfer“, kritisierte fzs-Vertreterin Nathalie Schäfer. Die Frage, ob und wie sich das Studium an den Ansprüchen des Arbeitsmarktes orientieren sollte, wurde dann auch in den Foren am Nachmittag des ersten Konferenztages diskutiert. 

Am zweiten Veranstaltungstag diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen nexusCAMPs weitere Themen oder vertieften die Diskussionen des Vortags: In den 18 Sessions werden von Digitalisierung über Hochschulsport bis zum Mut zur Theorie vielfältige Aspekte der Kompetenz­orientierung aufgegriffen. 

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